World Retail Congress: Die coolsten Stores 2026
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Beim World Retail Congress (WRC) haben sich die Top-Manager:innen von großen Marken und Expert:innen in den vergangenen Tagen intensiv mit der Zukunft des Handels beschäftigt. Besonders viel diskutiert wurde dabei, welchen Einfluss die Künstliche Intelligenz auf die Branche hat. Teil der Agenda in Berlin war aber auch ein Blick auf die “coolsten Stores” des Jahres.
„Die aktuelle Diskussion im Einzelhandel ist wirklich spannend. Nach Jahren, in denen Vorsicht verständlich war und eine Konsolidierung unvermeidlich schien, hat sich etwas verschoben“, so WRC-Chair Ian McGarrigle. „Die interessantesten Akteur:innen der Branche warten nicht darauf, dass sich die Bedingungen verbessern – sie schaffen die Bedingungen selbst, durch Erlebnis, Kuratierung und die Weigerung, gewöhnlich zu sein.“
Insgesamt 50 Store-Konzepte, die durch ihre Individualität hervorstechen, wurden von The General Store, einer australischen Agentur für Innovationen im Einzelhandel, hervorgehoben und am Mittwoch während des WRC vorgestellt. Auf dem Spitzenplatz des 'Coolest Retailers Report 2026' ankert ein Modehaus, dessen Flagship seit der Eröffnung international Wellen geschlagen hat.
1: ‘The Louis’ in Shanghai
Die Rede ist natürlich von der riesigen Schiffs-förmigen Installation von Louis Vuitton in Shanghai, die Einzelhandel, Gastronomie und Geschichte des französischen Modehauses vereint.
‘The Louis’ – wie das Schiff getauft wurde – sei das kühnste Retail-Statement, das die Marke seit Jahren gemacht hat, heißt es in dem Bericht. „Weltweit gibt es nichts Vergleichbares.“
2: Haus Nowhere in Seoul
Die koreanische Brillenmarke Gentle Monster zieht überall, wo sie neue Läden eröffnet, die Blicke auf sich. Die meist mehrstöckigen Standorten, die unter anderem in Metropolen in Südkorea, China, Japan, den USA vertreten sind, wirken oft mehr wie ein zeitgenössisches Museum oder eine Galerie. Neben dem Pariser Flagships ist die Marke in Europa in auch Form von Shop-in-Shop-Flächen, etwa bei 10 Corso Como in Mailand und Selfridges in London vertreten
Installationen, die von XXL-Roboterköpfen bis zur Einhorn-Landschaft reichen, sind beliebte Fotoobjekte und ziehen viele Schaulustige in den Store. Auch wenn nicht alle von ihnen zu potenziellen Kund:innen werden, ist die Frequenz auf der Fläche immer stark.
The General Store vergibt den zweiten Platz an das ‘Haus Nowhere’ im Seouler Stadtteil Seongsu-dong – der “wohl kreativsten Retail-Umgebung der Welt.“ Der 14-Stöckige Laden is das vierte „experimentelle Retail-Projekt“ der Gentle Monster-Mutter Iicombined, dass auf jeder Etage “eine eigene, unverwechselbare räumliche Identität und wechselnde Installationen” bietet. Dazu gehören ein riesiger schlummernder Welpe und eine Tee-Etage. Außerdem verfügt der Standort über eine exklusive Dachterrasse mit 360-Grad-Blick, der geladenen Gästen vorbehalten ist. Neben Gentle Monster sind hier auch Marken wie das koreanische Parfümlabel Tamburins und der koreanische Headwear-Spezialist Atiissu zu finden.
3: Printemps in New York
Den dritten Platz sicherte sich das französische Luxus-Warenhaus Printemps mit seinem ersten Standort in den USA. Der New Yorker Standort, der im März letzten Jahres in einem Art-déco-Komplex in Manhattans Financial District eröffnet hat, sei ein vielschichtiger, theatralischer Raum, heißt es in dem Bericht. Das Konzept befindet sich an der Schnittstelle von Shopping und Hospitality
Zu finden sind an der One Wall Street-Adresse der Red Room für Schuhe, der Playroom mit aufstrebenden französischen und europäischen Marken und einem Café, der Sneaker Room, der Salon mit Damen-Prêt-à-porter und Accessoires, die Garçonnière mit Herrenmode, die Fragrance Cellar mit französischen Beauty-Produkten sowie dem Beauty Corridor mit ganzheitliche Pflegemarken. Außerdem gehören auch fünf verschiedenen Restaurantkonzepte dazu. Abgerundet wird Printemps in New York durch verschiedene Kunstinstallationen, darunter eine Fassade mit riesigen Skulpturen aus upgecycelten Stoffen.
4: Pop Mart – Hirono-Store in London
Auf die Top 3 folgt das erste Unternehmen, das ursprünglich keinen direkten Mode-Bezug hatte, obwohl es im vergangenen Jahr dennoch die Trends mit einem kleinen, flauschigen Monster mitbestimmt hat – der Labubu-Anbieter Pop Mart. Der chinesische Spielzeuganbieter löst mit seinen Sammelfigur-Blindboxen einen Hype mit campenden Kund:innen-Schlagen aus, wie es vor über zehn Jahren nur bei Sneaker-Releases zu sehen war.
Kürzlich eröffnete das Unternehmen den Hirono-Store in der Londoner Brick Lane, dem ersten Bekleidungskonzept der Marke, das sich der gleichnamigen Figurenreihe ‘Hirino’ widmet. Der Laden befindet sich neben unabhängigen Boutiquen, Bars, Restaurants, Markthalle und Konzertbühnen in der ehemaligen Brauerei Truman Brewery. Er behält das ursprüngliche rote Ziegelmauerwerk bei und nimmt Bezug auf die lokalen Vintage-Märkte.
Parallel dazu hat Pop Mart seine Expansion mit einem neuen Flagship in Sydney mit 600 Quadratmetern Verkaufsfläche, die sich auf zwei Etagen verteilen, gerade laut dem Bericht 45 Millionen US-Dollar in seine Expansion investiert.
5: Casetify in Seoul
Wir bleiben bei modischen Accessoires und kehren zurück in die koreanische Hauptstadt. Dort ist Casetify im Viertel Dosan Park mit einem Flagship vertreten. Auf fünf Etagen tauchen Konsument:innen hier in die Produktwelt des in Hongkong ansässigen Handyhüllen-Anbieters ein. Jede Ebene besitzt “ihre eigene, unverwechselbare Identität”, so The General Store.
Teil davon ist eine Installation mit Unendlichkeitsspiegeln im Untergeschoss, eine Produktebene mit der überdimensionalen Skulptur einer ‘Ultra Bounce Hülle’, ein eigener Bereich für Reisegepäck und ein Customization Lab. Zum Verweilen laden derweil ein Kollaborations-Café, das essbare Designs von Charm-Anhängern serviert, und eine Dachterrasse ein.
Der physische Standort werde genutzt, um “ein funktionales Produkt in eine kulturelle Identität zu verwandeln”, so der Bericht. „Eine deutliche Erinnerung daran, dass der Store – gut umgesetzt – das stärkste verfügbare Markenmedium bleibt.“
6: Anta Sneakerverse in Shanghai
Der chinesische Sportartikelanbieter Anta Sports belegt mit seinem Turnschuh-Konzept ‘Sneakerverse’ den sechsten Platz und zeigt, dass das Segment auch mal abseits der üblichen cleanen und urbanen Konzepte präsentiert werden kann. Das fünfstöckige Geschäft ist der weltweit erste Concept Store, das den Sportswear-Submarken von Anta gewidmet ist.
Merkmale wie eine dunkle, gotische Backstein-Fassade, eine verzierte Tür sowie eine bronzene Rutsche, durch die die ausgewählten Sneakers der Kundschaft in die Hände rutschen, sowie eine gestengesteuerte Kristallkugel, die auf die Bewegungen reagiert, gehören zu den Highlights. Sie vermitteln das Gefühl, in der verzauberten Einkaufsstraße Winkelgasse aus den Harry Potter-Filmen unterwegs zu sein. Dabei trifft mittelalterlicher Klassizismus auf digitale Interaktivität, ohne sich gegenseitig aufzuheben.
„In einem Markt, in dem chinesische Sportswear-Marken hart um kulturelle Glaubwürdigkeit kämpfen, liefert Anta das stärkstmögliche räumliche Argument“, resümiert der Bericht.
7: Mecca in Melbourne
In einem Gebäude in der Melbourner Bourke Street, das einst die “größte Buchhandlung der Welt” beherbergte, ist heute der australische Beauty-Spezialist Mecca mit einem vielseitigen Konzept vertreten, das weit über die reine Beauty-Produktpalette hinausgeht.
In dem Flagship des 1997 gegründeten Unternehmens sind eine Suite für klinische Hautbehandlungen, ein Café, eine Duft-Halle, eine Gifting-Suite mit Gravur- und Kalligrafieservice, eine Wellness-Apotheke sowie ein Auditorium für Masterclasses und Kurse der Beauty School untergebracht. Mehr als 200 Marken und 80 Dienstleistungen gehören zu diesem Angebot. Laut The General Store sei es “ohne Frage das derzeit beste Beauty-Konzept der Welt”.
8: Nothing in Bengaluru
Auf Platz acht geht es nicht um nichts, sondern das 2020 gegründete und in London ansässige Technologie-Start-up ‘Nothing’. Das Konzept der Marke, die unter anderem Smartphones, Kopfhörer und Uhren anbietet, basiert darauf, Technik wieder spannender zu machen.
Mit der Retail-Expansion nach Bengaluru, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaates Karnataka, hat die Marke ihren ersten Store außerhalb Londons eröffnet und damit einen Standort gewählt, der wahrscheinlich nicht so oft in den Store-Trends auftaucht. Für das Unternehmen, das laut Bericht 2024 einen Gesamtumsatz von über eine Milliarde US-Dollar erzielt hat, ist Indien allerdings der wichtigste Markt – Wachstum der Auslieferungen von 85 Prozent im Jahresvergleich im zweiten Quartal 2025 – und damit wohl die logische Konsequenz für die Eröffnung.
Das industrielle Store-Konzept baut auf nachgebildeten Produktionslinien und Live-Demonstrationen zur Langlebigkeit der Hardware, die einem einen Blick hinter die Kulissen vermitteln sollen und weit von einem herkömmlichen Elektronikgeschäft entfernt sind. Individualisierung, aktives Entdecken und Community stehen im Mittelpunkt. „Individualisierung, aktives Entdecken und Community stehen im Mittelpunkt.“
9: Vans in London
Auf Platz neun rollt der US-amerikanische Schuhspezialist Vans, der im Skateboarding beheimatet ist. Passend dazu erinnert der Londoner Flagship in der Oxford Street mit seinen integrierten Rampen und Oberflächen selbst an einen Skatepark, der es wohl manch Skater:innen Selbstbeherrschung abverlangt, nicht aufs Board steigen zu wollen. Im Tagesgeschäft ist die große Rampe mit austauschbaren Glasmodulen bestückt, die für Demo-Zwecke manchmal aber doch für Skater:innen weg geräumt wird.
Der Laden wurde Ende 2024 wieder eröffnet und verfügt über ein vollständig anpassbaren Raumkonzept. Je nach Tag kann sich die Verkaufsfläche also in einen Veranstaltungsort für Live-Musik, Kunstausstellung, einen Ort für Kinder-Skatekurse oder eine Profi-Demo verwandeln. Um Platz für diese Möglichkeiten zu bieten, wurde die Lagerfläche des vorherigen Konzepts um 50 Prozent reduziert.
„Für eine Marke, deren gesamte Identität von der Skate-Kultur geprägt wurde, ist dies die authentischste Version eines Vans-Stores und eine eindringliche Erinnerung daran, dass subkulturelle Glaubwürdigkeit, wenn sie echt ist, die dauerhafteste Retail-Strategie überhaupt ist.“
10: Olive Young in Seoul
Die Top 10 wird mit dem größten Beauty-Store Koreas abgeschlossen. Dabei handelt es sich um das Seoul-Flagship von Olive Young im angesagten Stadtviertel Seongsu.
Auf fünf Etagen und fast 4.630 Quadratmetern ist der Standort laut Bericht etwa neunmal so groß wie die üblichen Standorte der südkoreanischen Drogeriemarktkette. Ein Community Plaza mit Café, einer Pop-up-Zone und ein immersiver Ausstellungsbereich begrüßen die Kund:innen im Erdgeschoss. Es sei „ein bewusstes Statement, dass Olive Young zuallererst ein Erlebnis und keinen Verkauf bieten möchte“, heißt es im Bericht.
In den darüber liegenden Etagen kommen Konsument.:innen durch verschiedene Themenwelten, darunter ein Live-Content-Studio, eine Bar für Hautpflege-Wirkstoffe, eine kuratierte Wellness-Auswahl und eine VIP-Lounge für Mitglieder.
Der Standort soll laut dem Bericht im ersten Jahr nach der Eröffnung 2,5 Millionen Besucher:innen angezogen haben. Dabei sollen fast drei von vier der ausländischen Tourist:innen, die den Stadtteil besucht haben, auch im Store gewesen sein.
Die Top 50 im Überblick
- Louis Vuitton (Shanghai)
- Haus Nowhere (Seoul)
- Printemps (New York)
- Pop Mart (London)
- Casetify (Seoul)
- Anta (Shanghai)
- Mecca (Melbourne)
- Nothing (Bengaluru)
- Vans (London)
- Olive Young (Seoul)
- Coach (-)
- Atiissu (Seoul)
- Hoff (Madrid)
- Rhode (Pop-ups, Sydney)
- Harmay (Shanghai, Flughafen-Store)
- Loewe (-)
- Meadow Lane (New York)
- Charlie Fox (New York)
- Salomon (-)
- Hourglass (New York)
- Nude Project (Madrid)
- Target (New York)
- Allkinds (Australien-Stores)
- Heaps Normal (Sydney)
- Dossier (New York)
- Zara (Nanjing)
- Clova (New York)
- New Balance (New York)
- Erewhon (Los Angeles)
- Rimowa (New York)
- Arsenal (London)
- Skims (New York)
- Encré (Brüssel)
- Musinsa (Seoul)
- Rolex (-)
- The New Trend (Brisbane, Australien)
- All Conditions Gear (Peking, Australien)
- Aritzia (New York)
- Alo (-)
- Rapha (Shanghai)
- Camper (Barcelona)
- September Studio (Sydney)
- Dumps World (Sydney)
- Polène (Paris)
- Baby Bunting (Mehrere Städte in Australien)
- Nespresso (New York)
- Lululemon (New York, Seoul)
- The Travel Agency (New York)
- Flabelus (London)
- Pazzi (Madrid)