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Onlineshopping: Das passiert mit Ihren Daten

Von Don-Alvin Adegeest

21. Sept. 2020

Die Bequemlichkeit des Online-Shoppings hat die Welt des E-Commerce und das Einkaufsverhalten nachhaltig verändert. Online-Shops waren für viele Einzelhändler eine Rettungsleine, als stationäre Geschäfte während der Covid-19-Pandemie gezwungen waren, zu schließen. Doch was passiert mit den Daten, die Onlinehändler von den Konsumenten sammeln?

Von jedem 'Hinzufügen zu einer Wunschliste', jedem Einkaufskorb und jeder Bezahlung sammeln die Händler Daten, die möglicherweise verkauft oder an Dritte weitergegeben werden können. Informationen wie beispielsweise Rückschlüsse auf Ihr Jahresgehalt und Ihren Beruf, Ihre Größe, oder Ihre Präferenzen, können wertvolles Wissen für Werbetreibende darstellen. Wenn wir einen Kauf tätigen oder einen Newsletter abonnieren, erklären wir uns mit den von Online-Händlern festgelegten Bedingungen einverstanden. Eine Studie von Rightly.co.uk analysierte die Datenschutzrichtlinien der größten britischen Einzelhandelsunternehmen, darunter Amazon, Asos, Zara, Nike und H&M, und zeigte genau auf, welche Daten die Einzelhändler sammeln und, noch wichtiger, was sie mit diesen Informationen tun.

Amazon

Seit seiner Einführung erzielt das Unternehmen einen großen Teil seiner Gewinne auch mit dem Verkauf von Bekleidung, und bis heute haben 70 Prozent der Konsumenten in den letzten 12 Monaten Bekleidung oder Schuhe bei Amazon gekauft.

Welche Daten sammelt Amazon?

Einige Beispiele für die Daten, die Amazon sammelt, sind: Name, Alter, E-Mail und Ort; Sprachaufnahmen und Interaktionen mit Alexa; Kreditgeschichte; Interaktionen mit 'Tochtergesellschaften'; Downloads auf Amazon Prime und Suchanfragen.

Werden Ihre Daten weitergegeben?

Ja. Obwohl ihre Datenschutzbestimmungen besagen, dass Amazon Ihre Daten nicht "verkauft", werden Daten an Werbetreibende, Verlage, soziale Mediennetzwerke, Suchmaschinen, Adserving-Firmen und Werbeunternehmen weitergegeben, die in seinem Auftrag arbeiten.

Asos

Als einer der größten Online-Händler, der von SimilarWeb für den größten Nutzerverkehr den vierten Platz einnimmt, überrascht es nicht, dass Asos über eine Flut von Daten verfügt, um seine Marketing- und Geschäftsaktivitäten zu optimieren.

Welche Daten sammelt Asos?

Einige Beispiele für die von Asos gesammelten Daten sind: Größe; geschätzte Preisspanne; Social-Media-Accounts, falls Sie mit Asos verknüpft sind; Bestell- und Suchhistorie. Asos legt in seiner Datenschutzrichtlinie fest, dass Ihre Daten nicht "verkauft" werden, gibt sie aber zu Werbe- und Businesszwecken weiter.

Asos sagt, dass sie Daten an „Marketingagenturen, Werbepartner und Website-Hosts weitergeben... Partner, die uns dabei helfen, potenzielle neue Kunden zu erreichen oder unsere Produkte auf ihren Websites zu bewerben” und es stellt Drittparteien „aggregierte und anonymisierte Informationen und Analysen über unsere Kunden zur Verfügung".

Zalando

Das in Berlin ansässige Unternehmen Zalando ist mit einem Umsatz von 6,48 Milliarden Euro im Jahr 2019 einer der größten europäischen Einzelhändler. Als solches sammelt es enorme Datenmengen von seinen Kunden.

Welche Daten werden gesammelt?

Name und Kontaktdaten, Alter, Geschlecht und Region; Marken und Modelle, an denen Sie interessiert sind; Ihre sozialen Medien, wenn Sie über diese Einloggen; alle öffentlichen Profilinformationen "von externen Werbepartnern"

Werden Ihre Daten weitergegeben?

Ja. Obwohl Zalandos Datenschutzpolitik ziemlich schwer zu verstehen ist, da nicht die Worte "teilen" oder "verkaufen" verwendet werden, ist es klar, dass zumindest Ihre Daten weitergegeben werden. Es heißt im Vertrag: „Wir...benutzen Ihre Daten für personalisierte Werbung, die Ihnen in den Diensten von Zalando und auf den Webseiten und Apps anderer Anbieter präsentiert wird". Die Datenschutzrichtlinie von Zalando besagt, dass sie die Daten mit 'Werbepartnern' teilen. Eine hilfreiche Liste aller von ihnen verwendeten Cookies zeigt auch Google, Facebook, Adobe, Bing und Econda – alle diese Firmen verwenden Marketing-Cookies auf Zalando für Werbezwecke.

Boohoo

Mit über fünf Millionen Kunden in Großbritannien ist Boohoo ein äußerst beliebter Bekleidungshändler, der dafür bekannt ist, dass er erschwinglich und auf dem neuesten Stand der Modetrends ist. Weniger positiv zu vermerken ist, dass Boohoo kürzlich für Schlagzeilen (ohne Bezug zum Datenschutz) aufgrund der Ausbeutung von Arbeitern in Ausbeuterbetrieben und mangelnde Nachhaltigkeit gesorgt hat.

Welche Daten werden gesammelt?

Wie und wann Sie die Website nutzen; Name, Geschlecht und Kontaktdaten; Beruf und Standort; Social Media-Daten, wenn Sie sich über diese Webseiten einloggen; Bestell- und Suchverlauf und Ihre modischen Interessen; Browsertyp und -version; Weblogs und andere Kommunikationsdaten

Werden Ihre Daten weitergegeben?

Ja. Auch hier werden Ihre Daten nicht "verkauft", aber sie werden weitergegeben. In den Datenschutzbestimmungen heißt es, dass eine Vielzahl von Analyse- und gezielten Werbemitteln eingesetzt werden, um Ihnen "relevante" Werbung auf anderen Websites und Apps zu präsentieren. Wenn Sie beispielsweise ein gelbes Paar Schuhe auf der Boohoo-Website anklicken, um ein gelbes Paar Schuhe zu sehen, und dann weitergehen, um als nächstes einen Online-Artikel auf einer anderen Website zu lesen, ohne sie zu kaufen, könnte auf der Seite der Website, auf der Sie sich gerade befinden, eine Werbung für diese gelben Schuhe erscheinen.

H&M

Im Jahr 2018 war H&M die beliebteste Mode- und Bekleidungsmarke im Internet, und auch heute noch rangiert sie unter YouGov auf Platz 13 der beliebtesten Mode- und Bekleidungsmarken der Welt. Sie richtet sich hauptsächlich an junge Frauen und hat weltweit über 5.000 Geschäfte.

Welche Daten werden gesammelt?

Einige Beispiele für die Daten, die H&M sammelt, sind: Name, Adresse und Kontaktdaten; IP-Adresse; Geschlecht, Alter und Ort; Interessen.

Gibt H&M Ihre Daten zu Werbezwecken weiter?

Nein. Ihre Datenschutzerklärung ist gut geschrieben und besagt eindeutig, dass H&M “Ihre Daten niemals zu Marketingzwecken an Dritte außerhalb der H&M-Gruppe weitergeben, verkaufen oder tauschen” wird.

Zara

Einige Beispiele für die Daten, die Zara über Sie sammelt: Name und E-Mail, Sprache und Land; Zahlungsdetails und Ihre Bestellungen und Rückgaben; Browsing-Daten; Geschmack und Vorlieben.

Werden Ihre Daten weitergegeben?

Zara schreibt in seiner Datenschutzerklärung, dass es Ihre Daten mit 'werbe- und marketingbezogenen Partnern und Dienstleistungsanbietern' teilt. Also ja.

Nike

Der amerikanische Sportgigant sammelt eine erstaunliche Menge an Daten, einschließlich: Gewicht, Größe und Körpermaße (wie geschätzte Schritt- und Schuh-/Fußmaße oder Bekleidungsgröße); Name, Heimatstadt, Kontaktdaten und Alter; Kaufhistorie und Zahlungsdetails; Fitnessaktivitätsdaten (von Ihnen zur Verfügung gestellt oder von der Plattform generiert wie Zeit, Dauer, GPS, Herzfrequenz, Distanz, Kalorienzahl, Tempo); Interessen und Vorlieben.

Gibt man Ihre Daten für Werbezwecke weiter?

Ja. Nike gibt Ihre persönlichen Daten "zum Beispiel [für] Werbung" weiter, aber das Unternehmen gibt an, dass es Ihre Daten nicht "verkaufen", sondern an "Dienstleister, die personenbezogene Daten für Geschäftszwecke im Auftrag von Nike verarbeiten", einschließlich Werbetreibende, weitergibt.

Die Ergebnisse des Berichts kommen zu dem Schluss, dass H&M der einzige Einzelhändler unter den analysierten Unternehmen ist, der die persönlichen Daten der Benutzer nicht weitergibt oder verkauft. Ebay hingegen ist der einzige Einzelhändler von den zehn untersuchten, der die Daten seiner Kunden ausdrücklich verkauft. Die übrigen Einzelhändler geben Benutzerdaten aus verschiedenen Gründen weiter, auch aus finanziellen Gründen.

Für weitere Informationen oder um den vollständigen Bericht zu lesen, besuchen Sie www.rightly.co.uk.

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Bild: Rightly