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Oktoberfest 2017: „Der Trachtenboom ist ein Langzeittrend“

Von Regina Henkel

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Einzelhandel |INTERVIEW

Der Count-Down läuft: Am 17. September eröffnet auf der Münchner Wiesn das Oktoberfest. Seit Wochen schon präsentieren sich die Schaufenster vieler Modehändler in und um München herum im Trachtenlook. Ein Geschäft, das in der Münchner Trachtenszene seinesgleichen sucht, ist der Store „Almliebe“ im angesagten Glockenbachviertel. Mit seiner innovativen Mischung aus urbanem Store-Design und modernem Alpenflair schafft er den erstaunlichen Spagat zwischen Tradition und Moderne. Auf fast 100 Quadratmetern zeigt er eine kleine aber feine Auswahl an moderner Tracht und alpinem Lifestyle für Damen, Herren und Kinder sowie Wohnaccessoires. Wir haben Sonja Ragaller von Almliebe gefragt, wie es derzeit in München um den Trachtenboom steht.

Das Oktoberfest steht vor der Tür. Was ist in Sachen Dirndl gerade in?

Der Trend geht ganz deutlich zu mehr Wertigkeit und mehr Tradition und deshalb weg von Party und Glitzer. Man hat mehr Gespür für Stoffe und Schnitte. Gerade die Jüngeren lieben gerade einfache Waschdirndl aus Baumwolle oder hochgeschlossene Modelle. Und wenn es nicht hochgeschlossen oder ein züchtiger V-Ausschnitt ist, dann bedecken hochgeschlossene Dirndlblusen mit Spitze das Dekolleté. Halbarmdirndl oder Dirndl mit ganz langem Ärmel setzen ebenfalls auf den Trend zu Tradition.

Was hat sich bei den Männern getan? Oder besser: Hat sich da überhaupt was getan?

Auch die Männer mögen es angezogener. Das festliche Gilet über das schlichte unifarbene schmale Hemd ist fester Bestandteil des Wiesn-Outfits. Vorbei sind ganz klar die Karohemden! Alternativ, und für den lässigen Auftritt, geht immer noch der Strickjanker mit Kapuze.

Welchen Eindruck haben Sie: Wie entwickelt sich der Trachtenboom insgesamt weiter?

Wir sehen kein Ende. Aufgrund der Terrorgefahr könnte das Oktoberfest dieses Jahr ein bisschen ruhiger werden, das sehen wir durchaus. Zum Glück tangiert uns das aber eher weniger, da unser Touristen-Anteil relativ gering ist. Für uns ist die „Almliebe“, also der Trend zum alpinen Lifestyle, ein Langzeittrend, der so vieles beinhaltet, eine ganze Lebenseinstellung. Die wird sich nicht so schnell ändern. Wir beobachten, dass viele Menschen traditionelle Elemente in den Alltag integrieren wollen. Das erklärt das Comeback des Trachtenrockes. Oder der vielen schönen Strick-Jacken.

Sie haben auch einen Onlineshop. Bis in welche Regionen verkaufen Sie das bayerische Lebensgefühl?

Unser Schwerpunkt - auch beim Online-Geschäft - sind die Einheimischen, die Bayern, die Süddeutschen, die Österreicher. Obwohl wir hin und wieder auch nach Norddeutschland verkaufen, gerade in der Volksfest-Saison, die ja inzwischen in ganz Deutschland boomt. Kunden - die auf der Durchreise waren - haben mir zum Beispiel gerade erzählt, dass das Frankfurter Oktoberfest drei Wochen dauert und immer ausverkauft ist.

Tracht ist in Bayern ja nicht nur ein Oktoberfest-Phänomen. Wie stark unterscheiden sich Oktoberfestsaison und der Rest des Jahres?

Die Nicht-Oktoberfestsaison ist bei uns auch stark. Wir sind Gottseidank nicht so stark saisonabhängig. Immer mehr Anlässe werden in Tracht gefeiert, Hochzeiten, Geburtstage, Firmenfeiern. Aber ohne Frage sind August und September die mit Abstand stärksten Monate. Von einem Tag auf den anderen ist er da, der Zug, die Frequenz, das ist wirklich erstaunlich.

Fotos: Almliebe

Almliebe
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