Die Zukunft des Einzelhandels: Fünf Beispiele, wie es richtig geht

Storytelling ist ein heißes Thema in der Welt des Einzelhandels, besonders wenn es um Mode geht. Wie definiert man die Identität seines Geschäfts oder seiner Marke? Wie kann man eine authentische Geschichte erzählen, mit der sich die Verbraucher identifizieren?

Die Trendwatcher Jan Agerink und Birgit Maas vom niederländischen Trendprognose-Unternehmen Buro Jantrendman beantworteten diese Fragen auf der Modemesse Modefabriek in Amsterdam.

Buro Jantrendman arbeitet mit einer Reihe von international erfolgreichen Unternehmen, darunter Hugo Boss und Fred de la Bretoniere. Während seines Vortrags hob das Duo mehrere Unternehmen hervor, die die Kunst des Geschichtenerzählens verstanden haben. FashionUnited wählte die fünf interessantesten Beispiele aus.

Patagonia

Patagonia ist eine amerikanische Outdoor-Marke, die 1973 gegründet wurde. Das Unternehmen ist bekannt für sein Engagement um Nachhaltigkeit und Umwelt und ist stolz auf die Qualität seiner Produkte. Eine schnelle Suche im Internet zeigt, dass Patagonia-Shirts aus den frühen Tagen der Marke, immer noch in gutem Zustand sind und noch heute, aus zweiter Hand, verkauft werden.

So wiesen Agerink und Maas darauf hin, dass Qualität und Nachhaltigkeit zwei Botschaften sind, die Hand in Hand gehen: Hochwertige Kleidung hält lange, was dazu führt, dass Verbraucher weniger kaufen. In einer von Konsumdenken geprägten Welt ist das laut der Trendprofis ein Statement für sich.

Das Duo lobte auch den Reparaturwagen von Patagonia, mit dem die Marke durch die USA fuhr, um ihren Kunden bei der Reparatur ihrer Patagoniastücke zu helfen. In der zugehörigen Werbekampagne wurde über den sentimentalen Wert der Gegenstände gesprochen. Gibt es eine bessere Möglichkeit, für Ihr Produkt zu werben, als den Kunden zu erklären, wie viel es ihnen bedeutet?

Story New York

"Wir haben den Blickwinkel eines Magazins, verändern uns wie eine Galerie und verkaufen Dinge wie ein Laden" - so beschreibt sich der amerikanische Einzelhändler Story. Buro Jan Trendman erwähnte Story als ein Beispiel für innovativen Einzelhandel, da jeder Besuch in diesem Geschäft im Herzen von Manhattan eine andere Erfahrung bietet.

Alle paar Monate schließt Story seine Türen und durchläuft eine komplette Renovierung für eine Woche, also sieht alles anders aus, wenn es wieder geöffnet wird. Sowohl die Kollektionen als auch die Interieurs folgen immer einem Thema, das von "Liebe" über "Disruption" bis hin zu "Spaß haben" variieren kann. Das Produktangebot ändert sich auch entsprechend des Themas: Story kann Dessous und Kerzen zum einen, Hightech-Gadgets zu einem anderen Zeitpunkt anbieten. Der Kunde weiß nie, was ihn dort erwartet.

Seit seiner Eröffnung im Jahr 2011 hat Story Dutzende von Themen vorgestellt. Das Geschäft, gegründet von Rachel Shechtman, schließt sich oft mit anderen Marken zusammen, die ein Thema sponsern oder dafür bezahlen können, dass ihre Produkte vorgestellt werden. Shechtman organisiert spezielle Veranstaltungen, bei denen Unternehmen sich zusammensetzen können, um mit ihr am nächsten Thema zu arbeiten.

Freitag

Die Marke wurde 1993 von den Brüdern Markus und Daniel Freitag gegründet und stellt Handtaschen aus LKW-Planen her. Jede Tasche ist einzigartig, da die Verfärbungen und Schäden, die das Material im Laufe der Jahre erlitten hat, auch einmalig sind.

Vor fünf Jahren hatten die Brüder die Idee, Arbeitshosen für ihre Angestellten zu machen, die völlig nachhaltig und abbaubar sein und aus Fair Trade Handel stammen sollten. Die Herstellung solcher Hosen erwies sich jedoch als komplizierter, als sie dachten. Die Suche nach geeigneten Materialien und Lieferanten wurde in einer Mini-Dokumentation dargestellt, die das Duo auf ihrem Weg durch französische Bauernhöfe und italienische Fabriken zeigt. Sie können den Trailer hier ansehen.

Everlane

Everlane wurde 2010 in Kalifornien gegründet und bietet hochwertige Basics zu erschwinglichen Preisen. Es ist eines der ersten Unternehmen, das völlig transparent mit seinem Produktionsprozess umgeht. Zum Beispiel spricht die Marke offen über ihre Preisgestaltung und zeigt auf, wie der Preis jedes Produkts zustande kommt. Materialkosten, Personalkosten, Steuern ... Alles ist auf ihrer Website aufgeführt. Das Unternehmen veröffentlicht auch Videos und Fotos ihrer täglichen Arbeit und der Arbeit ihrer Lieferanten. Everlane organisiert zudem auch Besuche in seinen Fabriken, damit Kunden sehen können, wie die Produkte hergestellt werden.

Die Zukunft des Einzelhandels: Fünf Beispiele, wie es richtig geht

Rapha

Rapha ist ein Fahrradhändler, der 2004 in London gegründet wurde und sich seither zu einem internationalen Unternehmen mit Geschäften auf vier Kontinenten entwickelt hat. Rapha nennt sich eine 'Community' und die Läden werden "Clubhäuser" genannt. Clubhäuser verkaufen nicht nur Fahrräder, sondern auch Kleidung und Accessoires. Darüber hinaus verfügt das Lokal über ein Café, so dass die Kunden ein Sandwich und eine Tasse Kaffee genießen können. Fahrrad-Fans können auch ein Abonnement von Rapha abschließen, das ihnen exklusiven Zugang zu Veranstaltungen und Rapha-Angeboten ermöglicht.

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Bilder: Freitag Facebook, Everlane Website

 

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