Esprit-Spitze tritt ab: William Pak und Christin Su Yi Chiu verlassen Konzern
Esprit kommt nicht zur Ruhe. Nach der Insolvenz der europäischen Gesellschaften und der Abkehr vom klassischen Handelsmodell kündigte Esprit Holdings Limited kurz vor Jahresende erneut tiefgreifende Veränderungen an der Konzernspitze an.
Wie der in Hongkong börsennotierte Modekonzern mitteilte, legen Chairwoman Christin Su Yi Chiu sowie Executive Director William Pak ihre Mandate zum 19. Dezember 2025 nieder. Chiu war zuletzt als Executive Director und Verwaltungsratsvorsitzende tätig, Pak als Executive Director. Beide begründen ihren Rückzug mit anderen geschäftlichen Verpflichtungen. Laut Unternehmensangaben bestehen keine Meinungsverschiedenheiten mit dem Board.
Pak prägte die Umbauphase
Pak hatte bei Esprit eine zentrale Rolle während der strategischen Neuausrichtung gespielt. Der frühere Investmentbanker war im September 2021 als Chief Operating Officer (COO) zu Esprit gekommen. Nachdem CEO Mark Daley das Unternehmen nach weniger als einem Jahr verlassen hatte, übernahm Pak im Herbst 2021 interimistisch die Konzernführung. Am 1. März 2022 wurde er schließlich zum permanenten CEO ernannt und behielt parallel die Funktionen als Executive Director und COO.
Pak ist mit Christin Su Yi Chiu verheiratet, die zu diesem Zeitpunkt als Chairwoman an der Spitze des Verwaltungsrats stand.
Neue Führung und interne Beförderungen
Parallel zu den Rücktritten stellt Esprit seine Führungsstruktur neu auf. Der bisherige Executive Director Bradley Stephen Wright übernimmt mit Wirkung zum 19. Dezember 2025 den Vorsitz des Boards als Acting Chairman. Zudem rücken zwei Führungskräfte aus dem Konzern in den Vorstand auf: Liu Jianyi, bislang Senior Vice President China Operations, sowie Li Hui, Head of Legal Asia, wurden zu Executive Directors ernannt.
Auch die Zusammensetzung der Board-Ausschüsse wird angepasst. Mit dem Ausscheiden von Chiu und Pak verlieren mehrere Gremien ihre bisherigen Mitglieder, während Wright den Vorsitz des Nominierungsausschusses übernimmt. Liu und Li ziehen in den General Committee ein.
Ermittlungen im Umfeld der Insolvenz
Der erneute Führungswechsel fällt in eine Phase, in der sich die Krise des Modekonzerns weiter zuspitzt. Nach der Insolvenz zentraler europäischer Gesellschaften im Jahr 2024 ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen Esprit. Ein Sprecher der Behörde bestätigte gegenüber FashionUnited, dass ein Anfangsverdacht strafbaren Verhaltens bestehe. Gegen wen sich die Ermittlungen richten und welche konkreten Vorwürfe geprüft werden, ist bislang offen.
Nach Berichten des Manager Magazins im September 2025 stehen unter anderem mögliche Insolvenzverschleppung, steuerrechtliche Fragestellungen sowie Vermögensverschiebungen im Fokus. Demnach sollen im Auftrag des Sachwalters Lucas Flöther umfangreiche Datenauswertungen erfolgt sein. Untersucht werden unter anderem Übertragungen von Geschäftsanteilen und Markenrechten Ende 2023 aus Deutschland über die USA auf die Britischen Jungferninseln – zu einem Zeitpunkt, zu dem Esprit in Deutschland möglicherweise bereits zahlungsunfähig war. Zudem sollen im Frühjahr 2024 Steuerguthaben deutscher Gesellschaften ins Ausland transferiert worden sein. Zudem prüfen die Ermittler:innen eine Zahlung in zweistelliger Millionenhöhe aus einem länger zurückliegenden Rechtsstreit, die an Esprit geflossen sein soll.
Anm. d. Red.: FashionUnited hatte bereits im September die Staatsanwaltschaft Düsseldorf, die Kanzlei Flöther & Wissing sowie einen Sprecher von Esprit um Stellungnahme gebeten. Bislang liegen hierzu keine Rückmeldungen vor.