Wie gehen Modemacher in Afrika mit Covid-19 um?

Mitte März 2020 wurde sich die Welt des vollen Ausmaßes der Covid-19-Pandemie bewusst. Überall forderten die Behörden die Schließung von Schulen, Restaurants und Geschäften. Ein harter Schlag für die Modeindustrie, die sich anpassen musste. Abgesagte Modenschauen rund um die Welt, verschobene Meetings und geschlossene Showrooms, die Branche wurde hart getroffen. Obwohl Afrika von der Pandemie bisher weniger betroffen ist, sind öffentliche Räume geschlossen und Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren.

Afrikanische Modeschöpfer, von denen die große Mehrheit selbständig ist, müssen sich mit dieser neuen Situation abfinden. Mehr denn je sind Designer nun bestrebt, ihre Beziehungen zu den Kunden zu stärken. In einem auf Instagram veröffentlichten Beitrag forderte der Concept Store Couleur Concept mit Sitz in Abidjan, Elfenbeinküste, seine Follower auf, lokales Design zu unterstützen: "Heute wollen wir uns einen Moment Zeit nehmen, um unsere Designer zu unterstützen, die in dieser Zeit in Schwierigkeiten sind. Hinter diesen Kollektionen stehen Schneiderinnen, Familien, Leben, die von dieser Situation betroffen sind. Wenn wir können, unterstützen wir sie! Wie können wir sie unterstützen? Zum Beispiel, share diesen Post, kaufe eine ihrer Kreationen, die du tragen wirst, wenn alles besser ist... ", schreibt Couleur Concept.

Wie gehen Modemacher in Afrika mit Covid-19 um?

Für die Kommunikationsmanagerin von Couleur Concept hat das Auftreten der Pandemie zu einem plötzlichen Stillstand der Aktivitäten geführt, was Auswirkungen auf die Designer in einer Region hat, in der Websites und E-Commerce noch nicht sehr weit entwickelt sind. "Das sind nicht unbedingt Marken, die international verkaufen und über beträchtliche Budgets verfügen. Für sie ist es also schwierig, länger als einen Monat ohne Einkünfte überleben zu müssen. Hinter all diesen Marken stehen Handwerker, Designer und sogar Familien", fügt sie hinzu.

Um dieses Defizit auszugleichen, hat sich für viele Marken die Lieferung nach Hause als die Lösung herauskristallisiert. So auch bei dem ivorischen Designer Ibrahim Fernandez, der sich auf dieses System verlässt, um weiter zu verkaufen: "Ich werde Modelle auf meinem Instagram-Konto und meiner Facebook-Seite präsentieren. Die Kunden können die Outfits bestellen und sich überall auf der Welt zustellen lassen, denn DHL arbeitet noch immer. »

Soziale Vernetzung mit der lokalen Community

Instagram, Facebook und auch Youtube und TikTok: In dieser Zeit haben soziale Netzwerke ihre Bedeutung gezeigt. Schnell wurden sie zu unverzichtbaren Werkzeugen für Marken geworden. Sie können ihren Communitys nahe bleiben. "Ich pflege meine Community weiterhin dank den sozialen Netzwerken. Meine Follower wissen so, welche neuen Stücke erhältlich sein werden", sagte Ibrahim Fernandez gegenüber FashionUnited.

Wie gehen Modemacher in Afrika mit Covid-19 um?

So verhält es sich auch bei Zak Koné und seiner 2013 in der Elfenbeinküste eingeführten Marke Pelebe: "Wir teilen Tutorials online. Die Idee ist, in den Köpfen unserer Kunden präsent zu bleiben. Der Designer glaubt, dass die Netzwerke es ihm auch ermöglicht haben, den Enthusiasmus seiner Gemeinschaft zu sehen: "Was mich beruhigt, ist, dass meine Follower sehr aktiv sind. Die Kunden, die uns weiterhin nach ihren Bestellungen fragen, nach Maßgeschnittenem und Konfektionsware. Wir erhalten regelmäßig Nachrichten über unsere sozialen Netzwerke. »

Mit finanziellem Druck umgehen

Gegenwärtig sind auf dem afrikanischen Kontinent knapp 70.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert (Stand 13. Mai 2020), so die vom CDC veröffentlichten Zahlen. Die Zahl der Fälle ist im Vergleich zu anderen Kontinenten relativ gering, und dies mag das Ergebnis früher Maßnahmen sein. Doch tragen die Markeninhaber weiterhin die teilweise hohen Kosten für die Schließung von Geschäften: "Diese Schließungen haben Konsequenzen. Unser erstes Geschäft in Abidjan funktioniert sehr gut, und dies ermöglicht es uns, den Einkommensverlust auszugleichen. Wir können ein paar Monate so weitermachen, aber die Situation kann nicht von Dauer sein", erklärt die Kommunikationsmanagerin von Couleur Concept. Eine Situtaion, die von Sow Namissa Thera, der Gründerin der malischen Marke Ikalook, geteilt wird: "Bis jetzt verfügt Ikalook über Rücklagen, das es uns erlauben, eine Weile auszuhalten und wir erhalten Aufträge von Kunden, was es dem Team ermöglicht, weiter zu arbeiten. Ich bete sehr, dass diese ganze Geschichte nicht länger als zwei Monate dauert! »

"In Paris zum Beispiel wird die Modewelt vom Verband der Haute Couture und Mode verwaltet. Es wäre interessant, diese Art von Organisation hier in Afrika zu haben."

- Zak Koné, Gründer der ivorischen Marke Pelebe.

Die Versprechen der Regierungen

Rund um die Welt haben Regierungen Maßnahmen zur Überwindung der Krise angekündigt. In Mali sprach der Präsident der Republik, Ibrahim Boubacar Kéita, im vergangenen April zu diesem Thema. Er kündigte die Einrichtung eines Garantiefonds des Privatsektors in Höhe von 20 Milliarden CFA-Francs (etwas mehr als 30 Millionen Euro) an. Es soll u.a. den Finanzierungsbedarf der von der Gesundheitskrise betroffenen kleinen und mittleren Unternehmen sicherstellen. Staatliche Unterstützung, die den Gründer von Ikalook nicht überzeugt: "Mali ist ein Entwicklungsland, in dem es andere Prioritäten gibt. Natürlich sind wir einer der führenden Baumwollproduzenten in Westafrika, aber der (Mode-)Sektor wird nicht hoch geschätzt", sagt sie. "Der Staat hat uns gegenüber Pflichten, aber das Wichtigste ist, zu wissen, was unser Mehrwert ist, was wir unserem Land und uns selbst bringen können. »

Wie gehen Modemacher in Afrika mit Covid-19 um?

Das Gefühl ist das gleiche an der Elfenbeinküste, wo Premierminister Amadou Gon Coulibaly die Aussetzung der Steuerkontrollen für einen Zeitraum von drei Monaten, den dreimonatigen Aufschub der Zahlung von Pauschalsteuern für Kleinhändler und Handwerker, einen Fonds von 100 Milliarden CFA-Francs (oder 150 Millionen Euro) zur Unterstützung der Unternehmen des informellen Sektors und 250 Milliarden (oder 376 Millionen Euro) für den Privatsektor eingerichtet hat. Der Modemacher Ibrahim Fernandez bleibt jedoch skeptisch. "Ich glaube nicht wirklich daran. Ich ziehe es vor, mich nicht auf diese Art von Versprechen zu verlassen. Ich möchte nach meinen eigenen Lösungen suchen, denn normalerweise werden solche Versprechen nicht eingelöst. »

Für Zak Koné von der Marke Pelebe sitzt das Problem tiefer: "Wenn ich mir die Mode- und Bekleidungsindustrie hier an der Elfenbeinküste anschaue und sie mit dem Rest der Welt vergleiche, stelle ich fest, dass noch viel zu tun ist. Im Westen, in Asien oder in Amerika, das sind die Industrien, die anderen helfen! Tatsächlich sollte die Regierung, wenn sie uns helfen will, über Ausbildung nachdenken, und zwar nicht nur während der Krise. Wir müssen zu unabhängigen Unternehmen ausgebildet werden. Wenn ich als kleines Unternehmen Hilfe brauche, dann ist das keine kurzfristige finanzielle Hilfe, sondern echte, langfristige Unterstützung", sagt er. "In Paris zum Beispiel wird die Modewelt von der Fédération de la Haute Couture et de la Mode verwaltet. Es wäre interessant, diese Art von Organisation hier zu haben. Eine Kommission, die als Vermittler zwischen den Unternehmen in unserem Bereich und der Regierung fungieren würde. Über die Finanzverwaltung hinaus könnte sie uns helfen, Kontakte zu finden, das Budget zu kalkulieren und Investitionsentscheidungen zu treffen. »

Sich an die Situation anpassen und sich neu erfinden

Seit Beginn der Krise haben viele Produktionswerkstätten begonnen, Masken herzustellen, um sich an die Bedürfnisse der Bevölkerung anzupassen. "Auch wenn die Werkstatt geschlossen ist, haben wir uns organisiert, um Masken herzustellen. Sie sind unter bestimmten Bedingungen für Unternehmen und Einzelpersonen bestimmt. Als wir anfingen, lieferten wir in den ersten zwei Wochen fast 500 Masken aus. Das funktioniert recht gut, und die Preise beginnen bei 2500 CFA-Francs (3,76 Euro) pro Stück. Ich denke auch darüber nach, sie an große Vertriebshändler und Apotheken zu verkaufen, aber ich weiß nicht, ob sie das Recht haben, Masken zu verkaufen, die nicht medizinisch sind", sagt Zak Koné.

Für die Marke Diarrablu ist diese Zeit eine Gelegenheit, ihre beiden Leidenschaften, Mode und Kunst, zu verbinden: "Ich biete Kunstwerke auf der Website Diarrablu.com zum Verkauf an. Ein Teil des Erlöses ist für die Unterstützung unserer Solidaritätsprojekte bestimmt. » Wie gehen Modemacher in Afrika mit Covid-19 um? Diese exklusiven Werke wurden von der Schöpferin selbst geschaffen: "Es begann als ein einfaches persönliches Projekt, um mich während der Isolation zu beschäftigen. Ich habe im März damit begonnen, sie auf Instagram zu veröffentlichen, und ich erhielt eine sehr positive Reaktion aus meiner Community. Ich beschloss, die Skizzen meiner Illustrationen mit meinen Kunden zu teilen und den Prozess mit ihnen zu besprechen. Es macht Spaß und ist eine Form der Alltagsflucht. Nach vielen Anfragen beschloss ich, meine erste Online-Kunstsammlung mit dem Titel "Gént", was auf Wolof "Traum" bedeutet, zu lancieren. »

Nach mehr als einem Monat Zwangsaufenthalt beginnen einige Geschäfte ganz oder teilweise zu öffnen. In Afrika, wie überall sonst auch, bleiben Sicherheitsmassnahmen allgegenwärtig, insbesondere das System des Händewaschens, die Möglichkeit, Termine zu vereinbaren, um einen starken Zustrom zu vermeiden, und viele andere Initiativen.

Bilder: 1. Facebook Pelebe, 2. Instagram Couleur Concept, 3. Instagram Ibrahim Fernandez, 4. Instagram Ikalook, Diarrablu

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.fr veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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