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Warum Designerin Bonnie Young für ihr Label nur auf Restbestände setzt

Von FashionUnited

7. Sept. 2021

Mode

BY. Bonnie Young Fall 21

Nach einer 20-jährigen Karriere bei Ralph Lauren und Donna Karan, die sie sowohl in Europa als auch in den USA verbracht hat, weiß Bonnie Young sehr genau, wie die Modeindustrie funktioniert. Da sie aus einer Familie von Umweltschützern stammt, weiß sie aber auch genau, warum die Branche so viel falsch macht.

Eine ihrer ersten Aufgaben bei Donna Karan war die Leitung der Stoffentwicklung in Mailand. Als sie dann Mitte der Nullerjahre Kreativdirektorin für die Kollektion von Donna Karan wurde, verfeinerte sie eine luxuriöse Ästhetik und reiste um die Welt, um sich inspirieren zu lassen und immer das Neueste und Beste zu finden. Das waren andere Zeiten. Heute, als Gründerin von BY. Bonnie Young zeigt ihre Entscheidung, für alle kommenden Kollektionen nur Stoffe aus Restbeständen und bereits vorhandene Materialien zu verwenden, wie sehr sie den Kreis zu schließen vermag.

Young ist nicht mehr auf der Suche nach den neuesten Trends, sondern sichtet das Alte, um es zu erneuern. Dabei bleibt ihr Blick auf die Zukunft und die kommenden Generationen gerichtet: „Mein Mann und meine Kinder haben einen großen Einfluss auf mich gehabt. Sie sind alle Umweltschützer und haben ein gutes Gespür für die Probleme, mit denen wir heute konfrontiert sind. Sie sind empört über den ganzen Abfall, für den die Modeindustrie verantwortlich ist“ , so Young gegenüber FashionUnited. „Das Gespräch ist 'Rettet den Planeten', aber der Planet wird sich anpassen und überleben. Die eigentliche Frage ist, ob die Menschheit überleben wird. Dazu muss ich meinen Teil beitragen.“

Designerin Bonnie Young

Das komplexe Verhältnis der Modeindustrie zur Nachhaltigkeit

Das Wort Nachhaltigkeit findet bei Young keinen Widerhall mehr, da sie, wie viele andere auch, dessen Bedeutung und die Authentizität seiner Verwendung in unserer Branche in Frage stellt. Ihre ruhigen, aber selbstsicheren Kollektionen mit einer kunstvollen Ästhetik und Liebe zum Detail, sind zu einer Anlaufstelle für eine anspruchsvolle Kundschaft geworden, die Luxus ohne Logos sucht. Die Entscheidung, keine neuen Stoffe zu kaufen, bedeutet jedoch erhebliche Veränderungen für das Unternehmen, das sie aufgebaut hat. Young drückt es mit einfachen Worten aus: „Manchmal bin ich gezwungen, Kompromisse bei meiner Vision einzugehen.“ Nachhaltigkeit als Leitprinzip, nicht als nachträglicher Gedanke oder als Marketinginstrument.


Die Beschaffung aus Altbeständen ist keine langfristige Lösung für die Verantwortungslosigkeit der Modeindustrie gegenüber dem Planeten. Vorhandene Materialien werden unweigerlich als Ressource erschöpft sein, und ausrangierte Kleidungsstücke landen immer noch auf der Mülldeponie. Aber für Designer wie Young kann die Maßnahme ein Sprungbrett für die nächste Innovation in unserem globalen Streben nach Nachhaltigkeit sein. Ja, wir sitzen gemeinsam in der Klemme, aber jeder Unternehmer muss seinen eigenen Weg gehen, und vielleicht reicht es ja, wenn wir in dieselbe Richtung gehen.

BY. Bonnie Young Herbst 21

Während sich die Welt von der Pandemie erholt und die Branche ihre Verluste wieder wettmacht, verzeichnen die Marken wieder Quartalsgewinne. Die ersten Indikatoren lassen es unwahrscheinlich erscheinen, dass die Verbraucher ihre Ausgaben für Mode radikal reduzieren werden. Die Marken werden weiterhin Produkte herstellen, um unsere Nachfrage zu befriedigen, und Young, die als Eigentümerin und kreativer Kopf hinter einem Unternehmen von überschaubarer Größe steht, betrachtet ihre Entscheidung als positiv, ist aber auch bereit, sich umzuorientieren, wenn sich neue Wege zur Erreichung unserer gemeinsamen Nachhaltigkeitsziele abzeichnen. „Es wird eine Weile dauern, bis die vorhandenen Materialien aufgebraucht sind. Das wird erst dann der Fall sein, wenn der größte Teil der Industrie auf Upcycling umsteigt“, sagt Young. „Letztendlich werden sich alle unsere Unternehmen anpassen müssen. Mein Unternehmen ist noch recht klein, so dass ich nicht unter dem Druck stehe, ständig große Kollektionen zu produzieren.“

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.com veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ