Von Paris bis Seoul: Die FW25-Abenteuer der Männermode
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Endlich wieder etwas erleben und aus dem Alltag ausbrechen. Aus dem Stadtjungel geht es für Fall/Winter 2025 in die Wildnis, wo moderne Cowboys und Ritter die Pferde satteln. Oder war alles nur ein Traum? Das beantworten die Geschichten, die die Menswear-Designenden in Paris, Mailand, Berlin, Seoul und New York erzählen.
Modernes Mittelalter
Die Zeitreise beginnt im Mittelalter und handelt von Held:innen und mystischen Charakteren. Die Designer:innen katapultieren die Trends der Ritter und Elfen in die Neuzeit, wo sie auf moderne Schnitte und Materialien treffen.
Die absolute Vorreiterin dieser Bewegung ist Marie Lueder. Die Designerin ist dafür bekannt, diese vergangene Zeit und ihre Persönlichkeiten in ihre Kollektionen zu integrieren. Auch wenn sie sich in dieser Saison mit Archetypen des 21. Jahrhunderts wie dem Hooligan oder dem dekadenten Romantiker auseinandersetzt hat, spielte das Mittelalter weiterhin eine Rolle. Werwölfe waren als Print sowie beim Styling in Form von langen, spitzen Fingernägeln und “blutverschmierten Zähnen” Teil der Kollektion. Außerdem integrierte die gebürtige Hamburgerin eine Mischung aus Pullover- und Mönchskapuze, die schon Teil der vergangenen Kollektionen war.
Ein weniger sportlicher aber dennoch ähnlicher Kapuzenüberwurf war bei Ziggy Chen zu sehen. Der chinesische Designer kombinierte das Accessoire allerdings mit eher klassischen und Workwear-orientierten Looks. Die zurückhaltende Farbpalette, Stoffwahl und Kleidungsstücke wie zweireihige Hemden und eine kurze Jacke schafften das Bild eines handwerklichen Berufs des Mittelalters wie der des Müllers.
Kiko Kostadinov vereinte derweil moderne Sports- und Workwear mit dieser mittelalterlich mystischen Welt. Die daraus resultierenden Charaktere wirkten wie aus einem Videospiel, in dem diese zwei stilistischen Referenzen auf natürliche Weise zusammen kamen und nicht aufeinander prallten. Eine Farbpalette, die mit ihren grellen Tönen an Trainingsanzüge der 90er erinnerte, traf auf riesige Schals, die an Umhänge erinnerten. Ein elfenartiges Make-Up und Hairstyling, Wappen-Prints und mittelalterliche Kapuzen ergänzten die Kollektion des Londoner Designers.
Bei der in New York ansässigen Designerin Carolina Sarria stand alles im Zeichen der Krone. Die eher punkige Kollektion, die einen Do-it-Yourself-Charakter mit sich brachte, setzte auf klassische Wappen-Tiere wie Löwen, Drachen und die Krone, die sich als Drucke durch die Kollektion zogen. Farbspritzer, klobige Boots, Tartan und Patchwork verdeutlichen den Spagat zwischen Mittelalter und Punk.
New Cowboys
Der Cowboy-Look war wie in den vorangegangenen Saisons auch bei den FW25-Kollektionen ein wichtiges Thema. Doch während einige Marken wie Sean Suen den Fokus noch auf Looks setzten, die an die alten Wild-West-Klassiker erinnerten, interpretierten andere den Style neu.
Die schwedische Marke Acne Studios setzte auf typische Cowboy-Elemente wie Denim, Boots und große Gürtelschnallen, kombinierte diese dann aber mit einem gekürzten T-Shirt in Pink und einer eng anliegenden Jacke. Auch bei der Streetwear-Marke Kidsuper, die für ihr fantasievolles Design bekannt ist, kamen Accessoires dieser Art zum Einsatz. Gürtelschnallen und Boloties [Anm.d.Red.: Cowboy-Krawatte] bekamen einen verspielten Twist wie einen grünen Kopf. Das französische Label Ami experimentierte derweil mit der Banditen-Silhouette und ließ unter einem schweren, langen Mantel ein hellgelbes Hemd mit passendem Halstuch hervorblitzen.
Bluemarble romantisierte derweil mit T-Shirt-Slogans wie “Countryside is for lovers” (Eng. Landleben ist für Liebhabende) den ländlichen Ausblick. Die französische Marke integrierte den Cowboy-Trend durch Lederhosen mit Fransen, Jeans in braunen Lederstiefeln und florale Bestickungen, die an die Hemden der Kuhhirten erinnerten.
Outdoor-Abenteurer
Die Marken blieben aber auch abseits der Range im Freien und inspirierten sich nicht nur von der Arbeit der Cowboys. Workwear-Looks mit vielen Schichten und dunklen Farben spielten eine zentrale Rolle. Dabei kamen Arbeitsjacken und Westen mit vielen Taschen zum Einsatz, wofür sich die Modemarken auf die Spezialist:innen verließen. So kollaborierte die japanische Luxusmarke Sacai erneut mit Carhartt Work In Progress, der Streetwear-Ableger der gleichnamigen Workwear-Marke, für verschiedene Jacken und Pullover, während Landsmann Junya Watanabe mit Filson auf die Jagd ging. Der japanische Modeschöpfer nutzte die Expertise des US-amerikanischen Outdoor-Anbieters für Holzfällerhemden und Outerwear, die an nordamerikanische Jäger erinnerten. Unter den vielen Schichten des Workwear-Looks blitzte bei Watanabe dennoch immer ein gemustertes Hemd inklusive Krawatte hervor.
Nach der getanen Arbeit ging es auf die Wander- oder Campingtour. Während einige Marken wie Emporio Armani sich auf den richtigen Look für ein Outdoor-Abenteuer mit passender wasserfester Kleidung fokussierten, experimentieren andere Marken mit dem Equipment. Zu sehen waren Alltagsgegenstände wie Steppdecken bei Kidsuper sowie ganze Zelte beim japanischen Label Kookaburra und der koreanischen Marke Lie. Steckschnallen und Rucksackriemen ergänzten diesen Ansatz.
Einmummeln
Damit es bei den eisigen Temperaturen in der Nacht auch nicht zu kalt wird, haben einige Marken auch an das passende Outfit gedacht. Von mit Zeichentrick-Motiven verzierten Morgenmänteln und Wärmflaschen bei Doublet bis zu flauschigen Decken und Kissen inspirierten Looks bei der Pariser Streetwear-Marke 3.Paradis zeigten sie, wie man sich gut einmummeln kann.
Der in London ansässige Designer Andrej Gronau hatte derweil bei seinem Berlin Debüt nostalgische Träume und erinnerte sich an das Zuhause seiner Oma. Die von Kitsch geprägte Kollektion bot Wollpullover mit floralen Prints, die in der farblichen Zusammenstellung auch als Decke der älteren Verwandtschaft denkbar wären.
Pelzjacken
Keine der Männermodewochen kam in dieser Saison am Einsatz von Jacken mit Pelzoptik vorbei. Von der Kuhhaut-artigen Weste mit ‘Faux Fur’-Kapuze beim italienischen Modehaus Prada über das urbane Zweiteiler-Set aus Kapuzenjacke und kurzer Hose bei Kidsuper bis zum schulterfreien Mantel beim Berliner Label GmbH war für jeden was dabei.
David Koma nutzte den Pelz-Look für einen Großteil seiner Menswear-Kollektion. Neben verschiedenen langen Jacken und Mäntel waren auch Accessoires wie Hüte, Gürtel, Krawatten und sogar der Kaffeebecherhalter zu sehen.