Unvollkommen, wandelbar und voller Illusionen: Die Menswear-Trends aus Mailand
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Die Mailänder Männermodewoche bot für die Saison Herbst/Winter 2026 zwar keinen riesigen Terminkalender und auch nur wenige großen Namen präsentierten ihre Kollektionen in der Modemetropole, dennoch gab es einige modische Höhepunkt, die sich viel mit Veränderung und Wandel auseinandergesetzt haben.
Hier bekommen Sie einen Überblick über die aktuellen Trends aus Mailand.
Unvollkommen
Bei den Mailänder Modenschauen der Herren wurde es diese Saison wieder etwas rauer. Verschiedene Marken wichen vom perfekten Look ab – allen voran Prada. Das italienische Modehaus “verschmutze” seine Hemden absichtlich, zeigte faltige Mäntel und Stoffmanipulationen, die Abnutzung darstellen sollten.
Die Londoner Marke Qasimi präsentierte derweil verschiedene durchlöcherte Pieces, die wirkten, als hätten sich Motten darüber hergemacht. Weniger offensichtlich, aber dennoch klar erkennbar war auch Domenico Orefices Bekenntnis zur Unvollkomenheit. Die italienische Marke zeigte unter anderem ein schwarz-grün gestreiftes Hemd, bei dem die schwarzen, aufgesetzten Querstreifen an den Kanten ausgefranst waren.
Trompe-l’œil
Trompe-l’œil kam in dieser Saison bei verschiedenen Marken für unterschiedlichste Pieces zum Einsatz. Während der Londoner Designer Saul Nash mit einem Druck auf einem Anzug Nadelstreifen imitierte und Cut-Out-Top inklusive der freigesetzten Brust auf einem einfachen T-Shirt präsentierte, nutzte der in Mailand ansässige Designer Domenico Orefice das Konzept, um Halsschmuck auf ein Oberteil zu applizieren.
Ludovico Bruno, der seit Ende letzten Jahres auch für die kanadische Outerwear-Marke Moose Knuckles als Kreativchef aktiv ist, spielte für seine eigene Marke Mordecai mit einer Art des Kunstfells. Statt die Struktur zu imitieren, druckte er die Fell-Optik auf verschiedene Jacken.
Inside Out
Im Sport- und Outdoor-Segment ist die Wendejacke keine Neuheit. Meist ist sie dabei nur auf Funktionalität ausgelegt und macht deswegen Abstriche beim Design. Dass es auch anders geht, beweist Oakley mit seiner modischen Skijacke, die sich zwischen Street- und Sportswear bewegt. Statt die eingesetzten Innentaschen zu kaschieren, setzt die Marke sie gekonnt in Szene und präsentiert so nicht nur zwei unterschiedliche Farben, sondern gleich zwei verschiedene Jacken.
Auch Ten C integrierte das Thema in seine Präsentation. Der italienische Outerwear-Spezialist gab eine Preview seiner neuesten Kapsel mit der japanischen Menswear-Brand Comoli. Dazu gehören ein Zweiteiler aus Jacke und Hose sowie ein Mantel.
Aber nicht nur im sportlichen, urbanen Look kam es zu einer solchen Wendung. Das italienische Modehaus Prada zeigte ebenfalls verschiedene schlichtere Trenchcoats, die im Inneren einen anderen Stoff und eine zusätzliche Knopfleiste verbergen.
Die Mischung machts
Während sich viele der Marken auf ein Material je Piece konzentrieren, spielen einige der Designer:innen auch mit einer Mischung. Das italienische Label Maragno bringt dabei verschiedene Stoffe und Haptiken zusammen, die als Deadstock von großen Modehäusern wie Max Mara gesourced werden, erklärt der gleichnamige Designer bei seiner Präsentation. Bei den Looks wird der zweite Stoff unter anderem als Einsatz am Ärmel integriert. Die Marken DSquared2 und Mordecai kombinieren Denim mit synthetischen Stoffen für verschiedene Jacken-Modelle.
Tiefer Einblick
Dass die Inspiration mehr und mehr aus den 2010er Jahren kommt und damit Y2K ablöst, bahnt sich schon seit einigen Saisons an. Für Herbst/Winter 2026 scheinen die Designenden sich auf den Ausschnitt konzentriert zu haben. Diese werden nun wieder tiefer, egal ob als Rundhals oder V-Ausschnitt.
Bis zum Bauchnabel reichen sie aktuell noch nicht – dann lassen die Stylist:innen das T-Shirt unter der Jacke lieber ganz weg – aber zumindest geben sie einen deutlich tieferen Einblick als zuvor. Zu sehen waren solche Modelle unter anderem bei Prada, DSquared2 und Dolce & Gabbana.
Skicoats
Im Bereich der Outerwear- und Sportspezialisten gab es eine Tendenz zur längeren Skijacke. Gegenüber dem bisher beliebten Puffercoat verfügen diese Stücke, die unter anderem bei den Marken K-Way und Oakley zu sehen waren, neben dem urbanen Look auch über alle Funktionen, die es für die Piste benötigt.
Bei den Silhouetten gab es weitere Unterschiede. Während K-Way ein geradliniges Model präsentierte, zeigte der chinesische Sportartikler Li-Ning mehrere Versionen eines weit geschnittenen Coats, die durch die Form an Capes oder Wingsuits erinnern.
Die wildesten Schuhe
Zum Abschluss wandert der Blick nach unten. In Mailand zogen zwei Marken mit ihren Schuhen besonders die Blicke auf sich. Der japanische Designer Satoshi Kuwata, der hinter der in Mailand ansässigen Marke Setchu steht, präsentierte verschiedene Schuhmodelle – von flachen Latschen bis zu Boots – die aus Stroh geflochten wurden.
Das Luxuslabel DSquared2 fokussierte sich mit seiner vom Wintersport inspirierten Kollektion auf den Skischuh und bot verschiedene Modelle für Damen und Herren. Während der Schuh in der Menswear mit einem Cowboystiefel gemischt wurde, verwandelte er sich in der Womenswear in einen High Heel-Stiefel.