Turin Fashion Week: Ein Format, das Business und Kreativität verbindet

Turin scheint das Rezept gefunden zu haben, einen vollgepackten Modewochenplan aufzustellen, der viel Kreativität und eine Vielzahl an Unternehmen anzieht. Im Juli öffnete die piemontesische Hauptstadt die Pforten einer internationalen Modewoche, die der Kreativität und dem Talent von Designern aus der ganzen Welt eine Bühne bietet.

Die Torino Fashion Week stellte eine echte Neuheit in der Modeszene “Made in Italy" dar, mit einer Veranstaltung, die sich tagsüber auf Unternehmen und B2B-Networking konzentrierte. Ab dem späten Nachmittag rückte dann der Laufsteg der ehemaligen Börse in den Mittelpunkt des Interesses, mit Kollektionen - sehr oft "no season" - von arabischen, chinesischen, indischen, italienischen, afrikanischen, irakischen und europäischen Designern.

Die erste Ausgabe der Torino Fashion Week fand im Jahr 2016 statt und die Veranstaltung konsolidiert nun ihr Format mit vier Ausgaben unter einem Dach. In Italien gibt es nur wenige Mode-Events, die jungen Talenten eine Chance geben. Sehr oft müssen junge Designer um Zeitfenster zwischen etablierten Designermodenschauen konkurrieren, was ihre Sichtbarkeit bei Presse und Einkäufern verringert.

Turin Fashion Week: Ein Format, das Business und Kreativität verbindet

Claudio Azzzolini ist der Gründer und CEO der Torino Fashion Week. zu FashionUnited sagte er: "Wir bieten Designern, die hier ausstellen, ein Komplettpaket an. Für rund 1.000-2.000 Euro bieten wir den Models eine Plattform, eine Modenschau, Make-up und Haarstylisten. Jeder Designer präsentiert etwa 10 - 20 Outfits. Wir haben nur eine Veranstaltung pro Jahr, und zwar immer vom 27. Juni bis 3. Juli, die sich mit Bekleidung und Accessoires beschäftigt. Die Catwalk-Show-Sessions finden vom 17 bis 19 uhr und von 21 bis 23 Uhr statt, während tagsüber das Torino Fashion Match stattfindet, bei dem sich 220 Unternehmen der Modebranche aus 28 Ländern zu 630 Meetings treffen."

Die b2b-Sessions bieten Unternehmen und Designern der Fashion Week die Möglichkeit, Käufer aus der Unioncamere Piemonte in Zusammenarbeit mit der Handelskammer Turin zu finden, und das alles kostenlos. Außerdem sind tagsüber etwa dreißig Workshops zu den Themen Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, Finanzierungsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen auf europäischer Ebene, digitale Innovation, Technologie und Unternehmensentwicklung geplant. Das europäische Unternehmen Enterprise Europe Network und die Europäische Kommission unterstützen Torino Fashion Match seit seiner ersten Ausgabe.

”Ich muss sagen, dass wir in Italien oft für das, was wir tun, kritisiert werden, während man uns im Ausland beglückwünscht und mit uns zusammenarbeiten will"

"In diesem Jahr haben wir etwa zehn Einkäufer aus Deutschland, den Niederlanden und Norwegen eingeladen", erklärte Federica Leonetti, Managerin der Textile & Fashion Sector Group of Enterprise Europe Network bei FashionUnited. "Das sind Einkäufer aus dem Luxusbereich, entweder aus dem internationalen Multibrand-Sektor oder dem E-Commerce-Bereich."

Turin Fashion Week: Ein Format, das Business und Kreativität verbindet

Die Bindung zu Europa, sowohl in Bezug auf die Beteiligung von Marken als auch von Unternehmen, zeigt sich während der Torino Fashion Week. "Ich muss sagen, dass wir in Italien oft für das, was wir tun, kritisiert werden, während man uns im Ausland beglückwünscht und mit uns zusammenarbeiten will", sagt Azzolini. Er war der erste in Italien, der das Potenzial der Modest Fashion erkannte, und vor einigen Jahren beschloss, den Designern dieses florierenden Marktsegments eine Modewoche zu widmen, und zwar auch dank einer Partnerschaft mit dem islamischen Mode- und Designrat (der ein Büro in Mailand hat). "Unser Motto ist: Turin in der Welt und die Welt in Turin", erklärt der CEO der Torino Fashion Week und fügt hinzu, dass das Format der Veranstaltung im Einklang mit der Zeit und den aktuellen Veränderungen in der Modebranche steht. "Fusion ist wichtig für die Mode und auch, um eine Modewoche zu schaffen, die wirklich international ausgerichtet ist".

Der vielseitige irakische Künstler und Wahl-Turiner Hussain Harba und der talentierte 22-jährige Edwin Basha mit seiner Marke Orgvsm sind bei der Piemont Fashion Week vertreten. Im Laufe der Jahre hat Harba mit seinem Designstudio und Kreativlabor La Triart Pubblicità mehr als 173.000 Kunstobjekte für italienische und internationale Marken produziert und weltweit vertrieben. Auf der Bühne der Torino Fashion Week präsentierte er eine Vorschau auf eine Kapselkollektion von individuellen Taschen, die alle Unikate sind.

Turin Fashion Week: Ein Format, das Business und Kreativität verbindet

Für Harba auf dem Laufsteg war das Ex-Top-Modell Bali Lawal, die zuvor für ein Giorgio Armani, Etro, Krizia, Diesel, Versace und Calvin Klein posierte. Mit "A Coded World", einem kulturell und geografisch transversalen Mode- und Designprojekt, das darauf abzielt, einen Schmelztiegel von Talenten zu erschließen und jungen Stylisten und Designern aus aller Welt Sichtbarkeit zu verschaffen, tritt das Model als Unternehmer auf der internationalen Modebühne weiter auf.

In der Woche gab es auch Platz für die Diplomarbeiten von IED-Studenten zum Thema "Neuer Klassiker, neue Zukunft". Diesmal stand die Veranstaltung ganz im Zeichen Chinas und vereinte 90 aufstrebende Designer aus aller Welt. Unter den Chinesen ist die neue Herrenkollektion Herbst/Winter 2020 von Leon Yu mit der Marke ChiChu, zu der Jacken, Pullover, Hemden und Hosen gehören, zu sehen. Sie feierte die Freiheit junger Chinesen, die ihre Ideen in dieser Ära der Rebellion mutig auf den sozialen Netzwerke zum Ausdruck bringen wollen. Die Trachten werden aus einer neuen Perspektive betrachtet, die ihre einzigartigen textilen Details hervorhebt. Der Stil, sowohl nostalgisch als auch zeitgenössisch, sucht Inspiration in der bildenden Kunst, der Pop-Art und dem Dekonstruktivismus.

Turin Fashion Week: Ein Format, das Business und Kreativität verbindet

Shesho für Liang Dongzan entwarf maßgeschneiderte Blazer in einer Vielzahl von Farben, die die Formen des weiblichen Körpers hervorheben, gepaart mit Karottenhosen, die den klassischen New Yorker Stil der 70er Jahre wiederbeleben, und dekorativen Röcken aus weichen und fließenden Stoffen.

Natürliche Farben und Stoffe hingegen belebten den vorletzten Tag der Shows mit den phantasievollen Kreationen südafrikanischer Designer. Florale Muster aus handgenähten Bordüren und Vorhängen sind das Markenzeichen von Carlos Fritz, während Indoni Fashion House afrikanisch inspirierte Geometrien, Schnitte, Materialien und Trends für Frauen präsentierte, die natürliche Schönheit lieben.

De Hart Trainings prêt-à-porter Linie war inspiriert von der südafrikanischen Landschaft und Kultur, Kleidung, Arbeit und Freizeit. Unter den italienischen Designern gibt es schließlich die interessante Hutkollektion von Giuseppe Fata, bekannt als "das Genie der Head Art". Der Stylist, der mit den großen Modehäusern von Yves Saint Laurent bis hin zu Chanel und Dior zusammenarbeitet, präsentierte seine Kollektion "Codicis". In dem Jahr, das den 500. Todestag von Leonardo Da Vinci markiert, ist die neue Kapsel vom Genie der italienischen Renaissance inspiriert: In den Formen, werden einige Manuskripte zitiert, insbesondere die Zeichnungen des Leicester-Codes, die durch die Geometrie des Kleidungsstücks in einem zeitgenössischen Twist versehen werden. "Der Kopf macht Kunst, denn der Kopf ist die dynamische Kunst unserer Gedanken", sagte der Designer, der mit dieser Kollektion einen persönlichen Beitrag zur Ehre eines der Künstler leisten möchte, die das italienische visuelle Erbe am stärksten geprägt haben.

Neben ihm gab es auch Re-New Bags, die das Recycling von Materialien fördern; Adelyur Fashion mit ihren Brautkleidern; Sonia Riberi, die sich selbst als "Stylistin der Seele" bezeichnet, und schließlich Lorenzo Ferrarotto, kaum 18, der vom französisch-vietnamesischen Designer Walter Dang entdeckt wurde.

Fotos: Torino Fashion Week, FashionUnited

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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