• Home
  • Nachrichten
  • Mode
  • Trendanalystin Lucy Green zur Lage der Modebranche: „Der Sweet Spot liegt gerade zwischen High Street und Luxus“

Trendanalystin Lucy Green zur Lage der Modebranche: „Der Sweet Spot liegt gerade zwischen High Street und Luxus“

Warum Konsument:innen keine Trends mehr kaufen, sondern auf Marken setzen – und warum Qualität und Leistung jetzt Vorrang haben
Mode|Interview
Chanel-Handtasche aus der Kollektion Frühjahr/Sommer 2026 Bild: ©Launchmetrics/spotlight
Von Esmee Blaazer

Wird geladen...

Automated translation

Original lesen en oder da ja nl pl pt tr zh
Scroll down to read more

Die renommierte britische britische Trendanalystin Lucie Greene hat im Interview mit FashionUnited einen Ausblick auf die Saison Frühjahr/Sommer 2027 gegeben. So sieht sie erste Anzeichen für eine Wiederbelebung der starken Luxusmarken. Diese treten jedoch ganz anders auf als in den vergangenen Jahren.

„Die Luxusbranche befand sich in einer Art Strudel“, erläutert die Gründerin der Agentur Light Years angesichts der jüngsten Zeit, die von Instabilität statt von kreativer Klarheit geprägt war. Ein entscheidender Faktor dabei war der ständige Wechsel von Kreativdirektor:innen, der langfristige Visionen verhindert und die Identität von Marken verwässert hat.

Luxus im Umbruch und das mittlere bis gehobene Segment als „Sweet Spot“

Greene argumentiert, dass der Luxus durch eine von ihr so genannte „enorme Inflation“ untergraben worden sei, die durch die Konzentration auf Schwellenländer und extrem vermögende Konsument:innen verstärkt wurde. Diese Strategie habe eine mittlere Gruppe wohlhabender Verbraucher:innen verdrängt, einschließlich der sogenannten HENRYs (High Earners, Not Rich Yet). „Luxusmarken sind einfach überteuert“, stellt sie fest.

Diese Lücke hat an anderer Stelle Raum geschaffen. Greene verweist auf eine deutliche Aufwertung im High-Street- und Contemporary-Segment. Sie nennt Marken wie COS, Arket und Zara sowie Labels wie Aligne, Rixo, ME+EM und Rise & Fall. Diese positionieren sich zunehmend als hochwertige und dennoch erschwingliche Alternativen. Der Bereich zwischen High Street und Luxus stellt ihrer Meinung nach die größte Chance dar. „Dieses mittlere bis gehobene Segment ist im Moment der Sweet Spot.“

Gleichzeitig sieht Greene erste Anzeichen dafür, dass sich auch im Luxussegment selbst wieder Chancen ergeben, weil die Branche in eine Phase der Neuausrichtung eintritt. „Was ich jetzt sehe, ist ein echter Fokus auf Kreativität“, erklärt sie. Marken würden beginnen, sich vom striktem Fokus auf Status, Logos und Preisen zu lösen.

Der COS-Store London Kings Cross Bild: COS
Arket Frühjahr/Sommer 2026 Bild: Arket
Rixo Shop-in-Shop bei Selfridges Bild: Rixo by Megan Taylor
Aligne Bild: Aligne

Konsument:innen wenden sich von Trends ab und wählen Marken, mit denen sie sich identifizieren

Generell ist Greene der Meinung, dass sich die Art und Weise, wie Konsument:innen Mode auswählen, grundlegend verändert hat. „Es gab eine echte Abkehr von Trends“, sagt sie. Anstatt auf saisonale Silhouetten oder flüchtige Ästhetiken zu setzen, identifizieren sich die Verbraucher:innen zunehmend mit Marken, die Integrität, eine klare Philosophie und ein starkes Kernprodukt haben. Trends, so Greene weiter, würden mit Beschleunigung und Überfluss assoziiert. Marken, die „eine Sache richtig gut machen“, wirkten in einem kritischeren Konsumklima relevanter.

Diese Veränderung ist besonders bei den wohlhabenden Millennials sichtbar, die heute eine der wichtigsten Zielgruppen in der Mode sind. Sie legen weniger Wert auf traditionellen Markenstatus. Stattdessen priorisieren sie wahrgenommene Integrität – hochwertige Materialien, durchdachtes Design und langlebige Produkte. „Weniger kaufen, aber besser kaufen“, fasst Greene diese Einstellung zusammen.

Es gebe einige saisonale Trendartikel, wie die derzeit allgegenwärtigen Halstücher, bemerkt sie. „Aber auch diese haben eine zeitlose Qualität – sie sind eher ein Basic als die alten ‚In/Out‘-Trends von früher.“

Konkrete Werte: Materialinnovation als neuer Maßstab für Qualität

Nachhaltigkeit bleibt zwar ein Thema, aber Greene argumentiert, dass es für die Konsument:innen nicht mehr das Hauptargument für einen Kauf ist. „Den Verbraucher:innen ist es wichtig, dass Produkte verantwortungsvoll hergestellt werden“, sagt sie. „Aber der Fokus hat sich wirklich auf den materiellen Wert verlagert.“ Der Schwerpunkt liege nun auf Materialinnovation, Performance und Qualität – insbesondere bei gut gestalteten Basics.

Die wachsende Nachfrage nach Strickwaren, insbesondere aus Kaschmir, unterstreicht diesen Wandel. Auch die zunehmende Präsenz bei Marken im mittleren Preissegment und im High-Street-Bereich ist ein Indikator. Greene verweist auch auf Marken wie Patagonia, Sweaty Betty, Arc’teryx, Acronym und Vollebak, bei denen Materialinnovationen die Glaubwürdigkeit untermauern. Hier ist Funktionalität ein zentraler Wert und nicht nur eine Marketingaussage. Die innovativen Stoffe sind integrale Bestandteile des Produkts selbst, anstatt durch Nachhaltigkeitsbotschaften kommuniziert zu werden.

Mit Blick auf die Zukunft sieht Greene eine zunehmend wichtige Rolle für High-Tech- und Biotech-Stoffe. Dies gilt insbesondere, da das Interesse an Wellness, Outdoor-Lebensstilen und Leistung weiter wächst. „Ich denke, die Innovation kommt von einem stärkeren Einfluss von Outdoor-Aktivitäten und der Verschmelzung mit dem Sportbereich. Es geht aber auch darum, Kleidung zu schaffen, die formell aussieht, aber zusätzlichen Komfort und Stretch bietet.“

Kaschmir (Archivbild) Bild: Scoop
Bild: Sweaty Betty
Das Trendphänomen Radfahren Bild: Patagonia/Leslie Hittmeier
Der Arc’teryx-Store in München Bild: Hannah Hlavacek

Der Einzelhandel löst sich vom reinen Verkauf

Grundsätzlich hat sich aufgrund dieser Wandlungen auch die Funktion des Ladens verändert. „Ich glaube nicht, dass die Leute noch in Geschäfte gehen, um ein Produkt zu kaufen“, stellt Greene fest. Stores fungieren inzwischen weniger als Transaktionsplätze, sondern mehr als Orte, an denen Marken unmittelbar erlebt werden. Der stationäre Einzelhandel ist zu einem Raum zum Entdecken, Lernen und Eintauchen geworden.

Heute positionieren sich Marken immer mehr als Schöpferinnen von Kultur und Lifestyle. Greene nennt Aimé Leon Dore als anschauliches Beispiel. Das Modelabel erweiterte sein Universum durch ein Café und sogar einen gestreamten Radiosender. Diese hybriden Konzepte spiegelten einen fließenderen, multidisziplinären Ansatz im Einzelhandel wider, erklärt sie. Hier überschneide sich Mode mit Kultur, Lifestyle und Kategorien wie Wohnen und Einrichten. Diese Entwicklung werde in den Modemedien und im Einzelhandel immer deutlicher. Das Fachmagazin Women’s Wear Daily (WWD) habe kürzlich einen eigenen Redakteursposten für den Bereich Home geschaffen, hebt sie hervor.

Der Flagship-Store von Kith in der Londoner Regent Street Bild: Kith
Die Regent-Street-Filiale von H&M Home in London. Bild: H&M
Arket Poland Bild: Arket
Arket Poland mit eigenem Café. Bild: Arket
Bild: Aimé Leon Dore, offizielle Website

Weitere Impulse für die Saison Frühjahr/Sommer 2027

Beim Thema Inklusivität befindet sich die Branche laut Greene an einem Scheideweg. Nachdem die Berücksichtigung verschiedener Körperformen jahrelang ein entscheidender Wert war, was „eng mit dem Aufstieg von Direct-to-Consumer-Marken zusammenhing“, erscheint ihr nun fraglich, ob diese Dynamik anhalten wird. Grund dafür sind sich wandelnde Narrative im Gesundheitsbereich und die wachsende Präsenz von GLP-1-Medikamenten wie Ozempic.

Resale wächst weiter, aber Greene stellt hier eine kritischere Haltung der Verbraucher:innen fest. Fragen zu den Auswirkungen des Versands, den Margen der Plattformen und wer letztendlich profitiert – sprich: nicht die Umwelt, sondern die Unternehmen – haben zu einer realistischeren und weniger idealisierten Sicht auf den Wiederverkaufsmarkt geführt.

Im Bereich Social Commerce beobachtet die Trendforscherin eine Verlagerung der bevorzugten Plattformen für Entdeckungen und Einkäufe – trotz der wachsenden Bemühungen der Konsument:innen, weniger Zeit am Mobiltelefon zu verbringen: „TikTok und YouTube gewinnen an Boden, während die Begeisterung der Verbraucher:innen für die Plattformen von Meta, einschließlich Instagram, nachzulassen scheint“, erklärt Greene.

Schließlich spricht die Trendforscherin die sich verändernden Dresscodes an. Greene bekräftigt, dass die Ära der Dominanz von Streetwear vorbei ist. „Wir befinden uns immer noch in einer post-pandemischen Phase“, sagt sie. Die Konsument:innen bewegten sich zu einem gehobeneren, elegant-legeren Stil hin, der eine Balance zwischen Komfort und Eleganz schafft und von Remote-Arbeit und flexibleren Lebensstilen geprägt ist.

IN KÜRZE: Frühjahr/Sommer 2027 markiert keinen neuen Trendzyklus, sondern eine Neudefinition von Werten. Laut der Trendanalystin Lucie Greene durchläuft die Modebranche einen grundlegenden Wandel: Der Luxus versucht nach Jahren kreativer Instabilität und Preisinflation wieder an Relevanz zu gewinnen, das mittlere bis gehobene Segment entwickelt sich zum wichtigsten chancenreichen Bereich, die Konsument:innen kaufen weniger Trends und mehr Markenidentität und der stationäre Einzelhandel konzentriert sich zunehmend auf Entdeckung, Markenerlebnis und Immersion.

Quellen:
- Interview mit Lucie Greene, 28. Januar 2026.
- KI-Tools wurden für die Transkription des Interviews und zur Unterstützung beim Schreiben verwendet.

Dieser Artikel wurde mithilfe von digitalen Tools übersetzt.

FashionUnited nutzt Künstliche Intelligenz, um die Übersetzung von Artikeln zu beschleunigen und das Endergebnis zu verbessern. Sie helfen uns, die internationale Berichterstattung von FashionUnited einer deutschsprachigen Leserschaft schnell und umfassend zugänglich zu machen. Artikel, die mithilfe von KI-basierten Tools übersetzt wurden, werden von unseren Redakteur:innen Korrektur gelesen und sorgfältig bearbeitet, bevor sie veröffentlicht werden. Bei Fragen oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte per E-Mail an info@fashionunited.com

Activewear
Einzelhandel
Inklusivität
Kaschmir
Konsumententrends
Lucie Greene
Luxus
Materialien
SS27
Trends
Wiederverkauf