Takashimaya: Japanischer Buyer über Menswear-Trends, Berlin-Favorit:innen und heimische Kundschaft
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Die Herrenmodeschauen der Herbst/Winter-Saison 26 liegen nun einige Wochen hinter uns. Genug Zeit, um das Geschehene zu verinnerlichen und rekapitulieren. Genau das hat der Menswear-Buyer Shuhei Iwasa von der japanischen Kaufhauskette Takashimaya nun gemacht.
Er ist bei dem Einzelhändler für “CS Case Study” zuständig. Dabei handelt es sich um kuratierte Modeflächen, die an Takashimaya-Standorten in Osaka, Kyoto, Nihombashi, Yokohama, Shinjuku und Tamagawa “trendige globale Marken” wie JW Anderson, Maison Margiela und Facetasm für ihre modebewusste Menswear-Kundschaft anbietet.
Welche Entwicklungen Iwasa bei den Modewochen in Paris, Mailand sowie Berlin festgestellt hat und was seine heimischen Kunden aktuell begeistert, verrät er im Interview.
Welche Erkenntnisse haben Sie von Modewochen gewonnen?
Bis zum letzten Jahr setzten Contemporary-Marken auf Genderless-Styles mit Oversized-Silhouetten und einer gewissen Niedlichkeit. Nun hatte ich den Eindruck, dass das Thema Genderless durch schmale Silhouetten und Eleganz zum Ausdruck gebracht wurde.
Konkret gab es viele Styles, die durch extrem lange Mäntel eine I-Linien-Silhouette erzeugten und durch zusätzliches Volumen um Gesicht und Hände einen femininen Look kreierten.
Welche Fashion Weeks haben Sie besucht?
Mailand, Paris und Berlin.
Es ist nicht das erste Mal, dass Sie bei der Berliner Modewoche dabei waren. Was hat Ihnen dieses Mal besonders gefallen?
Die Location, die Inszenierung und die Kreationen der Marken haben sich im Vergleich zur letzten Saison deutlich verbessert. Zudem zeigten alle Besuchenden eine große Leidenschaft für Mode und bildeten eine ganz eigene Community.
Haben Sie neue Marken entdeckt?
OBS, Sezgin, Richert Beil
Gibt es in Ihrem Portfolio Platz für diese Marken, und wenn ja, welche werden Sie ordern?
Ich habe bereits mit dem Einkauf von Buzigahill begonnen, plane aber auch, Marke zu ordern – eine Brand, an der ich schon länger interessiert bin – sowie OBS, die ich dieses Mal gesehen und für gut befunden habe.
In Berlin erwähnten Sie, dass in westlichen Ländern gezeigte Kollektionen, die von großen Models präsentiert werden, für den japanischen Markt schwieriger sein können. Warum ist das so?
Japaner:innen wird nachgesagt, dass sie „Babyfaces“ haben. Power-Shoulder-Jacken und lange Oberteile sind daher besonders unbeliebt, da sie schnell einen kindlichen Eindruck erwecken.
Welche Styles sind derweil bei Ihrer Kundschaft derzeit beliebt?
Marken, die durch Mode vielfältige Sensibilitäten ansprechen und einen kulturellen Bezug haben – Acne Studios, Comme des Garçons, Toga. Außerdem gehören auch Marken dazu, die anspruchsvolle Mode bieten und eine Stimmung aufgreifen, die sich in Richtung Eleganz bewegt, dabei aber Streetstyle-Elemente beibehält, die kulturell sehr anschlussfähig sind – Stone Island, Our Legacy und Tatras.
2025 war geprägt von Labubus und dem anhaltenden K-Pop-Boom. Wofür begeistern sich japanische Konsument:innen derzeit?
Der gleiche Trend war natürlich auch in Japan zu beobachten. Mode wird weltweit immer vielfältiger, daher empfinde ich es als zunehmend schwierig, einen einzelnen Trend festzumachen.
Zu erkennen ist allerdings, dass es eine Polarisierung zwischen Menschen gibt, die sich mit Marken identifizieren, die Leidenschaft und Ideen durch Mode kommunizieren, und denen, die kaufen, weil es ihnen wichtig ist, wer die Kleidung trägt.
Insgesamt scheint sich die Konsumstimmung in Japan etwas zu erholen. Bemerken Sie das auch bei Ihren Kunden?
Ja, das bemerken wir.
Was wünschen Sie sich für den japanischen Modehandel?
Ich halte es für wichtig, Mode, die Nachhaltigkeit und Kreativität verbindet, nicht nur unter modebewussten Menschen, sondern auch bei den normalen Verbraucher:innen zu verbreiten.
Das Interview wurde schriftlich durchgeführt.