Takashimaya-Einkäufer: „Die Berlin Fashion Week hat eine einzigartige Identität“

Mode|Interview
Shuhei Iwasa Credits: Mit freundlicher Genehmigung von Shuhei Iwasa
Von Regina Henkel

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Mit mehr als 180 Jahren Geschichte zählt Takashimaya zu den traditionsreichsten und renommiertesten Premium-Kaufhäusern Japans. Das Unternehmen ist für sein sorgfältig kuratiertes Sortiment aus Luxusmode, internationalen Designer:innenmarken und hochwertigen Lifestyle-Produkten bekannt.

Für Shuhei Iwasa, Einkäufer für den Bereich Womens Wear bei Takashimaya, ist die Berlin Fashion Week deshalb inzwischen ein fester Termin im internationalen Modekalender. Im Interview erklärt er, warum Berlin mit seinem Fokus auf Nachhaltigkeit und kreativer Vielfalt für den japanischen Markt immer interessanter wird, welche Berliner Labels ihn in dieser Saison überzeugt haben und weshalb für ihn neben dem Produkt vor allem die Geschichte hinter einer Marke zählt.

Sie besuchen Fashion Weeks auf der ganzen Welt. Was unterscheidet die Berlin Fashion Week von den anderen?

Shuhei Iwasa: Ich besuche regelmäßig Modewochen in Paris, Mailand und anderen Städten. Berlin mag zwar kleiner sein, aber genau das macht den Unterschied aus. Während sich andere Modewochen oft um einzelne große Marken oder Designer:innen drehen, liegt der klare Fokus der Berlin Fashion Week auf Nachhaltigkeit. Hier werden nachhaltige Konzepte mit gutem Design und kreativer Qualität kombiniert – diese Balance ist selten. Außerdem erzählt jede Marke ihre eigene Geschichte. Das verleiht der Fashion Week eine einzigartige Identität. Für mich spiegelt sie die Kultur Berlins wider, und genau das finde ich besonders spannend.

Fruché SS27 auf der BFW. Credits: James Cochrane_for_BFW_PRESS

Was macht Berlin für Sie als Einkäufer interessant?

In Japan gibt es viele modebewusste Kund:innen, daher sind wir ständig auf der Suche nach neuen Marken. Gleichzeitig ist es schwierig, Labels zu finden, die Nachhaltigkeit, gutes Design und kreative Qualität gleichermaßen vereinen. Ich sehe großes Potenzial in Berlin. Deshalb ist die Berlin Fashion Week eine wichtige Plattform für uns. Man sieht hier mittlerweile auch viele japanische Einkäufer:innen.

Welche Marken sind Ihnen in dieser Saison besonders aufgefallen?

Ich fand Fruché interessant. Die Materialauswahl hat mich beeindruckt. Auch die Silhouetten, das Styling und die Kombination verschiedener Materialien zeugen von einem starken, unverwechselbaren Stil des Designers. Auch Buzigahill haben wir schon seit einiger Zeit im Blick und haben bereits bei ihnen eingekauft. Die Marke entwickelt sich sehr gut und wächst stetig.

Haderlump war ebenfalls wunderbar. Mich hat die Balance aus Eleganz und Stärke beeindruckt, die durch die einzigartigen Designs und Silhouetten entsteht. Die Designer:innen haben mittlerweile eine sehr klare Identität etabliert und sich international einen Namen gemacht. Die Kollektion war herausragend.

Planen Sie, Ihr Sortiment um weitere Berliner Labels zu erweitern?

Wir beobachten viele Marken sehr genau. Unser Fokus liegt zunächst darauf, unser bestehendes Sortiment weiterzuentwickeln und nach und nach neue Labels hinzuzufügen. Dabei prüfen wir stets, ob die Produkte gut zum japanischen Markt und den Bedürfnissen unserer Kund:Innen passen - insbesondere in Bezug auf Passform und Proportionen.

Buzigahill SS27 auf der BFW. Credits: Runway Edit_by baronovastudio

Welche Anpassungen sind für den japanischen Markt besonders wichtig?

Die Passform spielt eine große Rolle. Bei Bedarf lassen wir Kleidungsstücke ändern oder arbeiten mit den Marken zusammen, damit sie die Größen für den japanischen Markt anpassen.

Auch kulturelle Unterschiede sind wichtig. Viele japanische Kund:innen bevorzugen Kleidungsstücke mit einer schlankeren Passform, da übergroße Silhouetten manchmal eher als unordentlich denn als stilvoll wahrgenommen werden.

Gibt es bestimmte Farben oder Designs, nach denen Sie suchen? Viele Kollektionen in Berlin zeichnen sich durch eine eher gedeckte Farbpalette aus.

Was internationale Marken angeht, interessieren wir uns besonders für Designs, Muster und Farben, die es in Japan nicht gibt. Deshalb würde ich mir auf jeden Fall mehr Farbe wünschen - nicht nur Schwarz und Weiß. Vor allem ungewöhnliche Farbkombinationen und hybride Designansätze machen internationale Marken für japanische Kund:innen attraktiv.

Wie entwickelt sich der japanische Modemarkt derzeit?

Der Markt hat sich nach der Pandemie deutlich erholt. Gleichzeitig hat sich das Verbraucher:innenverhalten verändert. Die Menschen geben zwar weiterhin Geld für Mode aus, überlegen sich aber genauer, wofür sie es ausgeben.

Im Luxussegment sehen wir weiterhin eine starke Nachfrage, insbesondere bei Handtaschen. Die Modetrends variieren je nach Kategorie stark. Deshalb lässt sich der Markt nicht pauschal beschreiben - es hängt stark vom jeweiligen Produkt ab.

Die Konsumentenstimmung in Europa ist derzeit eher schwach. Beobachten Sie in Japan einen ähnlichen Trend?

Es gibt einige Parallelen, aber die Situation ist nicht identisch. Auch in Japan achten die Menschen stärker auf ihre Ausgaben als vor der Pandemie. Dennoch ist das Interesse an Mode nach wie vor groß. Die Nachfrage ist da, aber die Menschen kaufen bewusster ein.

Haderlump SS27 auf der BFW. Credits: James Cochrane_for_BFW

Welchen Einfluss haben Soziale Medien und Influencer:innen auf den japanischen Markt?

Influencer:innen spielen sicherlich eine Rolle, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen. Große Luxuskonzerne wie LVMH und Kering arbeiten eng mit koreanischen Popstars und K-Pop-Idolen zusammen. Das beeinflusst viele junge Verbraucher:innen. Dennoch treffen sie mittlerweile bewusstere Entscheidungen darüber, wofür sie ihr Geld ausgeben.

Letzte Frage: Wie wichtig ist die Geschichte hinter einer Marke?

Für mich als Einkäufer für ein Kaufhaus ist sie entscheidend. Gute Produkte allein reichen nicht aus, ich möchte auch die Persönlichkeiten der Designer:innen und die Geschichte hinter einer Marke verstehen. Gerade Kaufhäuser stehen für Vertrauen, Qualität und Glaubwürdigkeit. Deshalb ist Storytelling ein entscheidender Faktor in unserem Auswahlprozess. Unsere Kund:innen erwarten nicht nur schöne Produkte, sondern auch Authentizität und eine klare Markenidentität.

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