Studierende des Istituto Marangoni lernen ‘Superkräfte’ für den Einstieg in die Luxusbranche zu nutzen
Von der Expansion im Nahen Osten mit der Eröffnung des Standorts Riad bis hin zu neuen Bildungsangeboten in den Bereichen Beauty und Luxus-Hotellerie: Die italienische Design- und Modeschule Istituto Marangoni baut ihr globales Modell weiter aus. In diesem Interview erläutert Geschäftsführerin und Managing Director Stefania Valenti die Strategien der Bildungseinrichtung. Dabei geht es um Internationalisierung, Industriepartnerschaften, künstliche Intelligenz sowie Exzellenz bei der Jobvermittlung.
Eröffnung des Standorts Riad markiert nach Dubai eine neue strategische Präsenz in der Golfregion: Welche makroökonomischen Dynamiken liegen dieser Entscheidung zugrunde?
Die Eröffnung im August 2025 ist eine Reaktion auf das starke Wachstum des saudischen Marktes im Rahmen der Vision 2030. Dieses strategische Programm wurde vom Königreich Saudi-Arabien ins Leben gerufen, um die Abhängigkeit vom Öl zu verringern und die Wirtschaft des Landes zu diversifizieren. Nach Schätzungen der staatlichen Fashion Commission treibt die Organisation die Entwicklung des Modesektors im Königreich voran. Demnach wird der lokale Luxus- und Modesektor bis 2029 ein Volumen von 32,3 Milliarden US-Dollar erreichen.
Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 4,6 Prozent und macht bis zu drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Unser Ziel ist es, diese Dynamik zu nutzen. Deshalb bieten wir Bachelor- und Masterstudiengänge an, um junge Talente sowie lokale Führungskräfte in den Bereichen Mode, Beauty und Luxus-Hotellerie auszubilden.
Wie ist das Bildungsangebot in Saudi-Arabien strukturiert und wie fällt die Resonanz der lokalen Unternehmenslandschaft aus?
Dank des lokalen Kulturministeriums wurden unsere Studiengänge in Riad formal den europäischen Hochschulabschlüssen gleichgestellt. Für den neuen Master in Luxury Management haben wir eine Nachfrage verzeichnet, die unsere Erwartungen übertroffen hat. Das Interesse kommt insbesondere von jungen Gründer:innen saudischer Marken. Sie möchten Managementkompetenzen erwerben, um international skalierbare Marken aufzubauen. Es sind Kompetenzen mit hohem Mehrwert erforderlich, um auf ihren starken ästhetischen und kulturellen Codes aufzubauen. So können sie Projekte entwickeln, die auch im Ausland wachsen und bestehen können.
Istituto Marangoni setzt auch auf das Segment Beauty und ist kürzlich eine Allianz mit der staatlichen Universität Mailand eingegangen: Welche Kompetenzen möchten Sie aufbauen?
Nach den Masterstudiengängen in Business und Kommunikation mit dem italienischen Branchenverband Accademia del Profumo sowie mit italienischen Luxusmarken wie Dolce & Gabbana haben wir einen dreijährigen Bachelorstudiengang eingeführt. Diesen realisieren wir gemeinsam mit der Universität Mailand und Industriepartner:innen wie dem französischen Kosmetikkonzern L’Oréal. Das Kosmetik- und Duftsegment erfordert eine präzise Synthese aus kreativem Feingefühl, Markenvision und Formulierungschemie. Die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz der Universität mit unserem Management-Know-how ermöglicht es, hochqualifizierte Fachkräfte für große globale Konzerne auszubilden.
Viele Mode- und Luxusmarken haben mit Düften begonnen und sind dann zum Make-up übergegangen. In den letzten Jahren ist der Beauty-Markt regelrecht explodiert. Das Istituto Marangoni startete mit einem Master und baute anschließend einen dreijährigen Studiengang auf. In diesem Marktsegment ist es sehr wichtig, Produkte zu entwickeln, die vollkommen im Einklang mit der Marke stehen und deren DNA repräsentieren sowie interpretieren können.
Wie entwickelt sich die Unterstützung bei der Jobvermittlung der Studierenden angesichts der Digitalisierung und angewandter Werkzeuge der künstlichen Intelligenz?
Unsere Studierenden werden vom ersten Tag an vom Career Office betreut und darüber informiert, was die Technologie ihnen bieten kann. Sie halten ‘Superkräfte’ in den Händen, mit denen sie umgehen lernen müssen. Alles muss jedoch personalisiert sein und ihre eigene Vision ausdrücken. Wir betrachten künstliche Intelligenz als Prozessbeschleuniger und niemals als Selbstzweck. Im High-End-Segment bleiben persönliche Interaktion, Empathie und kreative Intuition unverwechselbare Elemente. Diese lassen sich nicht durch Algorithmen replizieren und stellen den wahren Wettbewerbsvorteil für zukünftige Fachkräfte dar.
Ab dem zweiten Jahr beginnen zudem die Career Days mit den Personalabteilungen der Marken. So können die Studierenden direkt verstehen, wonach die Unternehmen suchen. Auch die Modenschauen sind ein wichtiger Moment, denn viele von ihnen werden genau dann für zukünftige Positionen vorgemerkt. Unsere Vermittlungsquote liegt weltweit bei 91 Prozent ein Jahr nach dem Abschluss.
Pariser Standort feierte sein zwanzigjähriges Bestehen und bestätigte sich als wichtiger Knotenpunkt: Wie ist seine Positionierung im globalen Netzwerk?
Paris ist nach dem Standort Mailand unsere am schnellsten wachsende Schule. Die strategische Nähe zu den Hauptsitzen der großen französischen Luxuskonzerne und der Fokus auf Couture-Disziplinen ziehen ein hochkarätiges internationales Publikum an. Auch an diesem Standort wird die Marangoni-Methode angewandt, die dort natürlich stärker auf die Haute Couture ausgerichtet ist.
Heute zählt das Istituto Marangoni insgesamt rund 6.500 eingeschriebene Studierende in den Modemetropolen der Welt. Der Pariser Standort bestätigt sich dabei als unverzichtbares Labor, um die Führungsnetzwerke der Branche zu speisen.