Secondhand-Trends, die Händler:innen für Herbst/Winter 2026/27 sourcen sollten

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Secondhand-Trends Herbst/Winter 2026/27. Credits: ©Launchmetrics/spotlight
Von Guest Contributor

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Lange war Secondhand-Mode ein politisches Statement oder schlicht ein Schnäppchen. Heute ist sie ein gewöhnlicher Kaufreflex. Viele Verbraucher:innen sehen sich zuerst nach gebrauchter Ware um, bevor sie Neuware in Betracht ziehen, und beurteilen ein Kleidungsstück auch nach seinem Wiederverkaufswert. „Wenn die Kundschaft kaufen soll, müssen wir das anbieten, wonach sie zum richtigen Zeitpunkt in der Saison sucht. Der Preisvorteil allein reicht nicht mehr aus“, erklärt die Expertin Marjorie Biawa im neuesten Secondhand-Trendbuch von CrushOn, einem französischen Technologie-Startup für Kreislaufwirtschaft in der Modebranche.

Hier kommen die Trends ins Spiel. Die Saison Herbst/Winter 2026/27 setzt auf Kontraste. Kakaobraun und Khaki auf der einen Seite, elektrisches Pflaumenlila und Petrol auf der anderen. Voluminöse Mäntel treffen auf schmal geschnittene Hosen, Tartan auf Pailletten. Für den Secondhand-Markt sind das gute Nachrichten, denn ein von Natur aus heterogener Warenbestand passt perfekt zu dieser Saison. Daraus ergeben sich vier Dynamiken für Beschaffung und Verkauf.

Roman Noir: Neo-viktorianisch und Dark Preppy

Roman Noir: Neo-viktorianisch und Dark Preppy. Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Schwarz gehört ohnehin zum Winter, in dieser Saison erzählt es aber eine Geschichte. Spitze, Stehkragen, Korsetts, Capes und Faltenröcke im Uniformstil prägen die Silhouette, die sich beim viktorianischen Zeitgeist und bei der Internatsästhetik bedient, irgendwo zwischen Simone Rocha und Wednesday Addams. Dunkler Tartan kommt hinzu, Blumen erscheinen auf schwarzem Grund nächtlich, gestickt oder verwaschen.

Warum das im Secondhand funktioniert

Das Feld ist breit und bereits erschlossen. Uniform-Blazer mit Wappen, Spitzenkleider aus den 90er-Jahren, Kilts, Mäntel mit hohem Kragen, Mokassins und Dr. Martens. Dieser Fundus muss eher reaktiviert als neu aufgebaut werden. Fündig wird man bei Laura Ashley für Spitze und hohe Kragen, bei Pendleton und Royal Stewart für Kilts und Tartans sowie bei Marks & Spencer, Kookaï und Naf Naf für Blazer aus den 90er-Jahren.

Countryside Chic: Die Heritage-Garderobe aus dem Fundus

Countryside Chic: Die Heritage-Garderobe aus dem Fundus. Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Dieser Trend ist die winterliche Fortsetzung des im Frühjahr gesichteten „Poet Core“. Er orientiert sich am Landleben und an wärmenden Materialien wie Fair Isle, Tweed, Cord, grobem Zopfstrick und Wildleder. Der norwegische Jacquard-Pullover wird zum Key-Piece für Damen und Herren, ergänzt durch dicke Strickjacken, karierte Hemden und Wollmäntel.

Warum das im Secondhand funktioniert

Dies ist der von Natur aus zirkulärste Trend der Saison. Er basiert auf langlebigen Teilen, die bereits in großen Mengen vorhanden sind und deren wahrgenommener Wert mit dem Gebrauch steigt. Vintage-Kilts, -Plaids und skandinavische Pullover sind oft besser gestaltet als vergleichbare Neuware. Hier muss nichts angepasst werden, der Fundus trägt den Trend von selbst. Anhaltspunkte sind Marken wie Harris Tweed, Pendleton, Barbour und Dale of Norway bis hin zu den groben Strickwaren von Damart und Rodier aus den 80er- und 90er-Jahren.

Seconde Peau: Leder im Total-Look

Seconde Peau: Leder im Total-Look. Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Die Lederjacke wird wieder zum zentralen Element, und die Saison treibt sie bis zum Total-Look von Kopf bis Fuß. Entweder in einer klaren, skulpturalen Version als körpernaher Zweiteiler aus Leder oder in einer dunklen, patinierten Variante mit schmaler Silhouette im Stil von Patti Smith. Dunkler Raw Denim und Slipdresses aus Satin brechen das Material auf und verleihen ihm eine menschliche Note. Die Proportionen werden insgesamt schmaler. Nach mehreren Saisons der Weite kehrt die schmal geschnittene Linie zurück.

Warum das im Secondhand funktioniert

Vintage-Leder ist strukturell dem neuen Leder im Einstiegssegment überlegen, mit Vollnarbenleder, schweren Schnitten und einer nicht reproduzierbaren Patina. Die Abnutzung ist kein Makel mehr, der kaschiert werden muss, sondern wird zum Verkaufsargument. Schöne Stücke findet man bei Schott und Perfecto, Lewis Leathers, Belstaff und Chevignon oder bei Leder- und Raw-Denim-Teilen von Levi’s und Diesel aus den 90er- und 2000er-Jahren.

Clair-Obscur: Glanz, der die Dunkelheit durchbricht

Clair-Obscur: Glanz, der die Dunkelheit durchbricht. Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Die Abend-Silhouette dieser Saison definiert sich nicht über ein einzelnes Teil, sondern über das Material, das auf dunklem Grund das Licht einfängt. Samt in Juwelentönen, Pailletten, Lamé, Satin und Kettengeflecht. Schwarz wird durch Goldtöne aufgehellt, Bordeaux nimmt den Schimmer auf und Smaragdgrün glänzt im Halbdunkel. Das Ergebnis ist ein dichter, leicht theatralischer Glamour, weit entfernt von schrillem Glitzer.

Warum das im Secondhand funktioniert

Dies ist das am besten erhaltene Segment im Secondhand-Bestand. Abendgarderobe wird selten getragen, oft sorgfältig aufbewahrt und kaum gewaschen. Ein Vintage-Paillettenkleid ist auf schwerer Basis von Hand genäht und hat eine Stickdichte, die heute keine Produktion zu einem vergleichbaren Preis bietet. Tiefgründiger Samt und Satin lassen sich auch tagsüber tragen, was das Verkaufsfenster weit über die Feiertage hinaus erweitert. Diese Stücke finden sich bei Christian Lacroix, Ungaro und Cavalli, für Kettengeflecht bei Rabanne.

Trends als Hebel für die Beschaffung im Secondhand-Bereich

Mode ist zyklisch, und die Saison Herbst/Winter 2026/27 bestätigt das erneut. Neo-viktorianische Spitze, Heritage-Strick, patiniertes Leder und Abendstoffe sind bereits in großen Mengen in Secondhand-Beständen vorhanden. Für Fachleute der Branche geht es nicht darum, Neuheiten nachzujagen, sondern im bestehenden Angebot die Teile zu identifizieren, die dem Zeitgeist entsprechen. Die Saison belohnt Kontraste, Texturen und Farben mehr als den glatten Total-Look, und genau dort hat ein heterogener Bestand einen Vorteil. Eine an Trends orientierte Auswahl stärkt die Kohärenz des Angebots, vereinfacht das Merchandising und macht das Einkaufserlebnis attraktiver.

ÜBER DIE AUTORIN :
Rubis Levalois ist Leiterin für Kommunikation bei CrushOn. CrushOn ist der Business-to-Business-Partner (B2B) für Marken, die ein leistungsstarkes Secondhand-Angebot aufbauen möchten, online wie im Geschäft. Über seine Technologieplattform verbindet CrushOn Marken mit den besten professionellen Lieferant:innen und zentralisiert Beschaffung, Verwaltung und Steuerung des Angebots. Jede Saison veröffentlicht CrushOn ein Secondhand-Trendbuch, um den Akteur:innen der Branche zu helfen, die relevantesten Stücke zu beschaffen und die Nachfrage zu bedienen. Klicken Sie hier.
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