„Mode zum Anfassen“: GANG-CEO Marcus Grahm über die Doppeleröffnung in Düsseldorf und München

Das 1994 gegründete Denim-Brand GANG hat in Düsseldorf und München neue Showrooms eröffnet. CEO Marcus Grahm erklärt, warum Vertrieb für ihn persönlich bleiben muss.
Mode|Interview
Credits: GANG
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Eine Altbauvilla mit Fischgrätparkett in der Düsseldorfer Lützowstraße, ein lichtdurchfluteter Raum in der Münchner Fashion Mall: Mit zwei neuen Showrooms setzt das 1994 gegründete Denim-Brand GANG in diesem Sommer ein deutliches Zeichen für die physische Präsenz im Handel, in einer Zeit, in der sich Orderprozesse zunehmend ins Digitale verlagern. Für CEO Marcus Grahm, der das Unternehmen seit April führt, war die Doppeleröffnung dabei weniger ein groß angelegter Masterplan als das Zusammentreffen zweier lange gehegter Wünsche.

Zwei Wünsche, ein Sommer

In Düsseldorf wünschte sich GANG schon lange einen Showroom dort, wo die Einkäufer:innen ohnehin unterwegs sind. Bislang war das Unternehmen im benachbarten Neuss ansässig. Als sich die Gelegenheit für die Räume in der Lützowstraße bot, war die Entscheidung laut Grahm eigentlich schon gefallen, bevor er selbst als CEO an Bord kam: „Die Entscheidung wurde auch schon vor mir getroffen. Das war noch nicht mal ich als CEO, sondern diesen Wunsch hatte GANG schon lange." In der Nähe der Kaiserswerther Straße fühle man sich „sehr wohl", so Grahm, „das passt zum Unternehmen, das passt zu uns."

Fast zeitgleich ergab sich für die Münchner Vertriebsagentur die Möglichkeit, vom MTC in die Fashion Mall umzuziehen, und damit auch der Anlass, den dortigen Showroom komplett neu zu gestalten. „So hat sich das eigentlich mehr oder weniger zufällig ergeben", sagt Grahm, „und dennoch wollten wir natürlich auch beides kommunizieren und mit beiden neuen Showräumen auch im Vertrieb mehr Kraft bekommen."

Ein gesundes Unternehmen, gezielt gestärkt

Für seine Amtszeit hat Grahm angekündigt, die Präsenz in deutschen Großstädten auszubauen und die Distribution qualitativ zu stärken. Die beiden neuen Standorte fügen sich in eine Entwicklung ein, die er als durchgehend positiv beschreibt: „Wir haben 2022, 2023, 2024, 2025, aber auch 2026 eine sehr positive Entwicklung." Als CEO habe er dabei „wirklich das Privileg, aber auch die Herausforderung" gehabt: „ein sehr gesundes Unternehmen zu übernehmen, ein gesundes Unternehmen zu verantworten und dann noch ein gesundes Unternehmen für die Zukunft aufzustellen."

Bei der Wahl neuer Standorte und Partner geht GANG selektiv vor. Großstädte böten Potenzial, so Grahm, auch wenn sie zugleich unter sinkenden Frequenzen und schwindendem Facheinzelhandel litten: „Da muss dann schon sehr gut und positiv abgewogen werden: Welche Partner passen zu GANG? Mit welchen Partnern wollen wir auch in der Zukunft gemeinsam wachsen?" Eigene Retail-Flächen plant das Unternehmen dabei nicht. „Wir wollen das nicht um jeden Preis, weil das immer noch zu GANG passen muss. Wir werden auch nicht jetzt in eigene Retail-Strukturen investieren, aber wir wollen natürlich in starke Partnerschaften und Allianzen investieren."

Zwei Städte mit Strahlkraft

Düsseldorf und München zählten laut Grahm zu den Orderstandorten mit der größten Strahlkraft in Deutschland: gutes Publikum, hohe Touristenzahlen, ein Ruf als attraktive Städte. Gleichzeitig kämpften auch sie mit sinkenden Frequenzen, sinkenden Umsätzen und einem schrumpfenden Facheinzelhandel. „GANG möchte sich eigentlich mit guten Ertragszahlen und guten KPIs für starke Partnerschaften und Allianzen qualifizieren", erklärt Grahm. „Und natürlich wollen wir auch in Städten wie München und Düsseldorf absolut präsent sein."

Dass die Düsseldorfer Eröffnung mit den Düsseldorf Fashion Days zusammenviel, ist für Grahm mehr als ein Timing-Zufall. GANG wolle zur positiven Entwicklung der Fashion Days beitragen und Einkäufer:innen sowie Händler:innen die Gelegenheit geben, „die Marke kennenzulernen, sich Kollektionen anzuschauen, ein erstes Gefühl füreinander zu bekommen." Der Eventcharakter helfe dabei, die Marke greifbar zu machen: „Die Möglichkeit ist da, GANG kennenzulernen und anzufassen, dann ist das, glaube ich, genau der richtige Weg."

Zwei Standorte, zwei Konzepte

Auch wenn beide Showrooms fast zeitgleich eröffneten, verfolgt GANG an den beiden Standorten unterschiedliche Konzepte. „Wir müssen da schon unterscheiden", betont Grahm. Düsseldorf sei „ein ganz klarer Flagship-Showroom", betrieben von GANG selbst: „Da ist es ein One-Label-Showroom, GANG-Branding vom Anfang bis Ende." München dagegen entstehe in enger Abstimmung mit der dortigen Vertriebsagentur: „Dort sind wir kein GANG-Flagship-Showroom, sondern wir arbeiten dort sehr eng mit der Agentur zusammen." Darüber hinaus ist GANG mit einem Vertriebsteam in weiteren wichtigen Orderstädten vertreten, darunter Hamburg, Sindelfingen, Schkeuditz, Düsseldorf und Eschborn.

Die neuen Räume fallen zudem in eine für GANG erfolgreiche Ordersaison: Beide Showrooms präsentierten die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2027 bereits ab Juli, die ersten Kollektionsteile erreichen im Dezember den Handel. „Obwohl die Ordersaison sehr anspruchsvoll war, haben wir es geschafft, das Vorjahresergebnis zu übertreffen", so Grahm. Er schreibt das jedoch nicht allein den Showrooms zu: „In erster Linie natürlich einer sehr guten Kollektion, einer tollen Arbeit von Vertrieb, Produktion und Marketing, also immer ein Zusammenspiel." Die neuen Räume seien eher „das I-Tüpfelchen, das dann zu dem positiven Erfolg beigetragen hat."

Showroom Düsseldorf. Credits: GANG

Anfassen statt nur anklicken

Dass GANG trotz zunehmender Digitalisierung der Orderprozesse in physische Flächen investiert, begründet Grahm mit der Markenidentität. „Auch wenn digitale Strukturen wichtig sind und vielleicht sogar noch in der Zukunft wichtiger werden, glauben wir als GANG, dass wir ein Unternehmen sind, das für Leidenschaft steht, das für Anfassen steht, das für Persönlichkeit steht, das für Menschen steht." Vertrieb müsse deshalb auch künftig mit Anfassen funktionieren: „Wir wollen GANG erlebbar machen, wir wollen die Marke unseren Kunden näherbringen, und das stellen wir uns über digitale Strukturen nur sehr schwer vor." Für GANG bleibe entscheidend, „dass nach wie vor Vertrieb persönlich bleibt, Mode zum Anfassen da ist und wir wirklich auch so ein nahbares Brand sind für den Handel."

Ein Signal an den Handel

Die neuen Showrooms richten sich laut Grahm sowohl an bestehende als auch an neue Partner: „Wir wollen bestehende Partnerschaften und Geschäftsbeziehungen stärken und ausbauen, aber natürlich auch durch die Nähe zur Kaiserswerther Straße Neukunden gewinnen." Auf das aktuelle Marktumfeld für den deutschen Modehandel angesprochen, reagiert Grahm gelassen: Wichtiger als der Blick auf den Wettbewerb sei die eigene Philosophie. „Wenn wir da bei uns bleiben und unsere Philosophie jeden Tag ein bisschen besser umsetzen, dann werden wir auch in der Zukunft erfolgreich sein, unabhängig davon, was der eine oder andere Mitbewerber macht."

Weitere Showroom-Eröffnungen sind vorerst nicht geplant. Das bestehende Vertriebsnetz gibt Grahm bereits ausreichend Anlass zur Zufriedenheit, allen voran der Flagship in der Lützowstraße: „Das war eine große Herzensangelegenheit. Es passt perfekt zu GANG. Was will man mehr als eine tolle Altbauvilla mit Fischgrätparkett in der richtigen Größe, um sich zu präsentieren?"

Das Signal, das GANG mit der Doppeleröffnung an den Handel senden will, bringt Grahm auf den Punkt: „Das Signal ist klar: GANG als starker Partner für den Handel."

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