Menswear im Hitzetest: der Streetstyle der Pitti Uomo
Wird geladen...
Die Pitti Uomo gilt seit jeher als inoffizieller Auftakt der Menswear-Saison und versammelt auch in dieser Ausgabe das internationale Modepublikum in Florenz. Als Fixpunkt im Kalender der Herrenmode verbindet die Herrenmodemesse Präsentation und Inszenierung wie kaum ein anderes Format und setzt damit früh im Jahr die stilistische Tonalität für kommende Kollektionen und Street-Style-Diskurse. Die Sommerausgabe bringt dabei regelmäßig ihre eigenen Bedingungen mit sich, denn Florenz im Juni bedeutet vor allem eines, intensive Hitze.
In diesem Jahr stiegen die Temperaturen abermals auf über 35 Grad, doch das Publikum zeigte sich davon unbeeindruckt. Abseits der Ausstellungsflächen wurde deutlich, dass sich Stil und Sommerhitze keineswegs ausschließen müssen.
Siebzigerjahre Flair
Weite Hosen mit ausgestelltem Bein, breite Revers, offen getragene Kragen und Stoffe in Cremeweiß, Senfgelb und tiefem Marineblau: Auf der diesjährigen Pitti Uomo war der Einfluss der Siebzigerjahre auf dem Messegelände deutlich zu spüren. Die Anleihen wirkten dabei weniger wie bewusste Retro-Referenzen, sondern fügten sich selbstverständlich in aktuelle Proportionen und Kombinationen ein.
Zu sehen waren etwa ein cremefarbener Doppelreiher mit offenem Hemd und weitem Revers zu einer ausgestellten Hose oder ein senfgelber Leinenanzug, ergänzt durch einen Shopper im Zickzackmuster. Ein Must-have waren dabei vor allem aufgeknöpfte Hemdkragen, die über den Lapels der Anzüge getragen wurden. Insgesamt erinnerten die Silhouetten an die entspannte Eleganz der Dekade, ohne dabei in übertriebene Nostalgie zu verfallen.
Extra Sonnenschein
Gelb zeigte sich auf der diesjährigen Pitti Uomo nicht nur als vereinzelter Akzent, sondern als wiederkehrendes Farbthema. Von tiefen Senfgelbtönen bis hin zu hellen Pastellnuancen war die Farbe in unterschiedlichen Intensitäten und Kombinationen vertreten. Denkbar war die Farbe sowohl als kompletter Leinenanzug, aber auch als gestreiftes Camp-Shirt über oder als blassgelbe Jacke zum weißen T-Shirt.
Beinfreihheit
Die Pitti Uomo gilt nach wie vor als eine der traditionsreichsten und auf Schneiderkunst spezialisiertesten Veranstaltungen, insbesondere, wenn es um Streetstyle geht. Doch in diesem Jahr setzte die Hitze neue Impulse und machte kurze Hosen gewissermaßen zum inoffiziellen Dresscode.
Dabei griffen nur wenige Besucher:innen direkt zu Jorts oder gar klassischen Sportshorts. Vielmehr wurde die kurze Hose überwiegend in Kombination mit strukturierten Oberteilen getragen, etwa mit einem Leinensakko zu dunklen Shorts, einem Chore Coat über einer kurzen Hose in Verbindung mit weißen Socken und Sandalen oder einem gemusterten Leinenanzug im Matching-Set in Bermuda-Länge.
Denim trotzt Hitze
Auch bei sommerlichen Temperaturen war Denim-on-Denim auf der diesjährigen Pitti Uomo ein wiederkehrendes Bild. Kombiniert wurde der monochrome Look häufig mit Accessoires, die für Abwechslung sorgten.
Zu sehen waren unter anderem eine bordeauxrote Krawatte mit Pferdemotiven über einem Denim-Hemd sowie ein Jeanssakko mit gemusterter Krawatte und mehreren Anstecknadeln am Revers. Ein roter Pillbox-Hut einer Besucherin setzte zudem einen klaren Farbakzent gegen das durchgehende Blau.
Man(n) hat alles mit dabei
Neben Kleidung und Schuhen rückten in dieser Saison auch Taschen als eigenständiges Stilmittel für Männer in den Vordergrund. Die Auswahl reichte von einem patinierten Leder-Dokumententäschchen, auf dem eine sorgfältig eingerollte „Gazzetta dello Sport“ prangte, über einen bedruckten Baumwollshopper bis hin zu einer großzügig geschnittenen, cognacfarbenen Ledertasche, die ausreichend Raum bot, um für jede Eventualität gewappnet zu sein.