Marcel Ostertag: Made in Berlin; Making it in Manhattan

Marcel Ostertags F/S 2019 Kollektion namens “Muse” war ganz ‘Studio 54 meets the Kit Kat Klub’, ‘Showbiz-Glitterati meets Influencer-Bourgeoisie’ und eine unverfrorene Ode an gelenkige Damen (und die zugehörigen Herren), die sich die ganze Nacht auf Discokugel-beschienenen Tanzflächen drehen. So wie die ‘30er durch die disco-geblendeten Augen der ‘70er gesehen wurden, so werden die ‘70er durch die hungrigen Filter der sozialen Medien heute gesehen. Eine Palette aus Korallenrot, Sonnengelb, Flieder, Pink und verschiedenen Blautönen wurde durch Pailletten, Quasten und Rüschen unterstrichen. Es gab abgestufte, bodenlange Chiffon-Kleider mit bauschigen Ärmeln, Lurex-Freizeitanzüge mit Regenbogenstreifen und übers Knie reichende Stiefel für Nachteulen, die jeden noch so düsteren Anlass zur Ausschweifung machen würden. Und für die Herren eine Auswahl an bedruckten Seidenanzügen, Kaschmir- oder Broderie Anglaise-Hoodies und ungefütterte Trenchcoats in kornblumenblauer Guipure-Spitze.

Nach seiner NYFW-Show sprach der deutschstämmige Designer hinter der Bühne über die Wichtigkeit, seine Kollektion in den USA zu zeigen.

Es ist Ihre 6. Saison bei der NYFW und Sie zeigen auch in Berlin. Warum diese beiden Städte?

Berlin ist meine Heimatstadt und ich habe hier viele Fans und eine Menge Pressevertreter kommen her, um meine Kollektion zu sehen. Dann fügen wir mehr Outfits hinzu und zeigen die Kollektion hier, weil New York international ist. Journalisten aus Japan, aus China, jeder kommt hierher, während es in Berlin nur die deutsche, Schweizer und österreichische Presse ist, und das ist nicht genug für meine Kollektion.

Marcel Ostertag: Made in Berlin; Making it in Manhattan

Wie hat die Show in New York Ihre Geschäfte beeinflusst?

Wir haben unseren Umsatz in Europa verdoppelt - es ist verrückt!

Was sind die Gemeinsamkeiten zwischen Berlin und New York und wie zeigt sich das in der Mode?

Berlin ist wie New York in den ‘70ern. Wild, verrückt, offen.

Fühlen Sie sich unter Druck gesetzt, Ihre Einzelhandelspräsenz hier in den Vereinigten Staaten auszubauen?

Das war nicht meine Hauptabsicht, als ich meine erste Show startete. Ich denke, dass New York die perfekte Platzierung im Show-Kalendar hat, denn dann können wir auf den Messen in Mailand und in Paris sein. Wir müssen sehen, ob wir die richtige Agentur für uns finden, denn ich bin ein ziemlicher Familienmensch; ich brauche die richtige Person hier im Verkauf und bis jetzt habe ich noch niemanden gefunden, aber vielleicht in der Zukunft. Wir eröffnen gerade unseren Onlineshop in den USA.

Marcel Ostertag: Made in Berlin; Making it in Manhattan

Viele kleinere Designer––und sogar die größeren––haben Schwierigkeiten, ein Unternehmen aufzubauen, das komplett ‘Made in U.S.A.’ ist, aber Sie produzieren ausschließlich in Deutschland. Wie schaffen Sie das?

Ich habe zwei wunderbare Produktionsbetriebe; einen für Strickwaren und einen fürs Zuschneiden, und ich weiß, das alle Leute, alle Schneiderinnen, fantastische Arbeit leisten. Sie arbeiten gerne mit uns zusammen, da wir gute Bedingungen bieten: Wir zahlen deutsche Preise, wir produzieren ein Minimum an Abfall, was eines der nachhaltigsten Dinge ist, die wir tun. Es ist einfach eine Familienatmosphäre in meinem Unternehmen.

Ihre Kleider sind sehr schick. Gibt es eine Frau auf diesem Planeten, von der Sie gerne einen Anruf bekommen würden, um ein Kleid zu bestellen?

Cate Blanchett.

Nennen Sie einen Trend oder Style, den Sie gerne verschwinden lassen würden.

Zu viel nackte Haut zu zeigen.

Dies ist eine Übersetzung eines englischen Beitrags von Jackie Mallon. Fashion Editor Jackie Mallon unterrichtet auch und ist die Autorin von ‘Silk for the Feed Dogs’, ein Roman, der in der internationalen Modeindustrie spielt. Übersetzung: Simone Preuss.

Fotos: FashionUnited