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Ist Philipp Plein der meistgehasste Mann der Modewelt?

Von Don-Alvin Adegeest

18. Okt. 2018

Mode |MEINUNG

Der deutsche Designer, dessen Label für strahlend-funkelnde Exzesse und ein schamloses mehr-ist-mehr Design steht, hat eine loyale Fangemeinde unter den Neureichen, nicht viel anders als die Tribes, die Streetwear-Labels wie Marcelo Burlon oder sogar Supreme anhängen. Philipp Plein gibt zu, der meistgehasste Mann in der Mode zu sein, zumindest äußerte er eine solche Vermutung in einem Interview mit der britischen GQ.

Ich selbst wurde Augenzeuge der Hingabe seiner Follower, als ich in der vergangenen Saison an Pleins Männermodenschau in Mailand teilnahm. Bei diesen spektakulären Präsentationen zeigen seine Kunden und Superfans ihre Liebe und Loyalität zum Label - sehr zum peinlichen Berührtsein der versehentlich anwesenden Presse und Einkäufer (beide mit klar erkennbarem Gesichtsausdruck, der verriet, dass sie gerne woanders wären).

Ich erinnere mich, dass ich auf Sitzbänken für eine arenaähnliche Show neben einer Familie saß, die von Kopf bis Fuß in auffälliger Plein-Kleidung gekleidet war: Komplett in Schlangenlederhosen, kristallbesetzten Turnschuhen, hautengen Logo-T-Shirts - und das war nur das kleine Kind. Zurückhaltende und bescheidene Stücke sind bei dem Designer, zu dessen prominenten Fans Snoop Dogg, Iggy Azalea und Paris Hilton gehören, Fehlanzeige.

Aber auch wenn bei diesem Over The Top-Kitsch für die einen eine negative Konnotation mitschwingt, so bedeutet es für andere (Plein selbst) doch ein überaus erfolgreiches Geschäftsmodell. Allein 2017 soll das Unternehmen 230 Millionen Pfund (etwa 260 Millionen Euro) umgesetzt haben.

Und Plein weiß, mit wem er sich assoziieren muss, um erfolgreich zu bleiben. Trotz der wenig raffinierten Spektakel seiner Shows - einmal war es eine Testosteronparade von Sportwagen und Traktoren, ein andermal absolvierte er seine Verbeugungsrunde mit einem Motorrad - werden sie oft von Etienne Russo produziert, einem führenden Showproduzenten der von der ganzen Industrie für seine Sets für Häuser wie Chanel, Hermès, Celine und Dries van Noten geschätzt wird. Zusätzlich setzt er auf eine weitere Autorität: Die ehemalige französische Vogue-Redakteurin Carine Roitfeld stylt die Kollektionen von Plein und fungiert als Beraterin der Marke.

Auf Konfrontation mit der Modebranche

In einem Interview mit der britischen GQ, in dem Philipp Plein die Auszeichnung GQ Brand of the Year erhielt, erklärt Plein in der Tat: "Die Modebranche war von Anfang an gegen uns". Plein spricht davon, sich nicht anzupassen und seinen eigenen Weg zu gehen: "Ich lebe die Marke. Ich muss die Marke leben, wenn ich das nicht täte, wäre ich nicht erfolgreich." Ein Beweis: Auf Pleins offiziellem Instagramprofil sind die Fotos of mit "Living the Life of Plein" vertaggt, d.h. er steigt in einen Privatjet oder fährt mit seinem 500.000 Euro teuren Lamborghini Aventador durch die Straßen Monacos.

Der Modekritiker Luke Leitch sagte über seine Show in der vergangenen Saison: Pleins "persönliche Mischung aus Prahlerei und Eiern, plus einem Geschmacksniveau, das so unverschämt trashig ist, dass es schon fast wieder genial ist, hat ihm eine Nische beschert, die man schwerlich nicht bewundern kann".

Ob nun genial oder einfach ein cleverer Geschäftsmann, ein kurzer Blick auf die Website der Marke zeigt, dass eine einfache schwarze Jeansjacke für 1.250 Euro verkauft wird. Ein mit vielen Applikationen und Swarovski-Kristallen besetzter Parka kostet 2.250 Euro. Dies ist eine Marke für Kunden mit viel Bargeld in ihren mit Strasssteinen verzierten Händen, für die Plein der unerschrockene König ist, der ihre auffälligen Bedürfnisse befriedigt. Alles ohne die Bewunderung oder Unterstützung der Modebranche im Allgemeinen. Das an sich ist genial.

Dieser Artikel wurde zuvor von Don-Alvin Adegeest auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

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Foto: Philipp Plein Webseite