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Fashion Revolution: dieses Jahr eine ganze Woche lang

Von Simone Preuss

19. Apr. 2016

Mode

Bereits zum dritten Mal findet der Fashion Revolution Day statt, um einen traurigen Anlass in Aktivismus zu verwandeln: Am 24. April 2013 starben beim Einsturz des Rana Plaza Gebäudes in Dhaka, Bangladesch 1.134 Bekleidungsarbeiter und -arbeiterinnen und mehr als 2.500 wurden verletzt. In diesem Jahr wird der Tag auf eine Woche ausgeweitet und vom 18. bis 24. April 2016 die Fashion Revolution Week begangen. Unter dem Motto „Who made my clothes?“ werden wieder die Leute ins Rampenlicht gerückt, die hauptsächlich an der Kleidung beteiligt sind, die wir tragen. Zudem beleuchtet der Bericht „Trace my fashion“, wie transparent die Lieferkette der Modebranche wirklich ist.

Während am ersten Fashion Revolution Day im Jahr 2013 Zehntausende Menschen aus über 60 Ländern teilnahmen, waren es im am nächsten Jahr schon Beteiligte aus 71 Ländern. Zum Auftakt der ersten Fashion Revolution Week hat die weltweite Koalition, die aus Designern, Wissenschaftlern, Autoren, Wirtschaftsführern und Parlamentariern besteht, zunächst einmal ein trauriges Ergebnis zu verzeichnen: Das Transparenzniveau vieler Bekleidungsmarken und -einzelhändler ist immer noch „beschämend niedrig“, so der Bericht der Initiative.

Zusammen mit der Organisation Ethical Consumer hat Fashion Revolution die 40 größten Modemarken anhand der Transparenz ihrer Lieferkette bewertet. Dabei stellte sich heraus, dass 40 Prozent der untersuchten Unternehmen kein System eingeführt haben, die Übereinstimmung mit Arbeitsauflagen und - standards zu überprüfen, und dass nur 11 Unternehmen überhaupt mit Gewerkschaften oder NROen zusammen arbeiten, um die Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern zu verbessern - was übrigens nicht nur sogenannte Entwicklungsländer einschließt, sondern auch Länder wie Polen und die Tschechische Republik direkt vor unserer Haustür, die ebenfalls Verbesserungen benötigen, wie ein jüngst veröffentlichter Bericht der Kampagne für Saubere Kleidung zeigt.

Marken geben sich zugeknöpft, wenn es um Transparenz geht

Im Durchschnitt erzielten die untersuchten Unternehmen 42 Prozent von 100 und blieben damit weit hinter den Erwartungen zurück. Tatsächlich lag das beste Ergebnis, das Levi Strauss & Co. erzielte, bei nur 77 Prozent, dicht gefolgt von H&M und Inditex mit 76 Prozent, während Chanel, Hermes, Claire’s Accessories, Forever 21, Fendi, LVMH und Monsoon Accessorize mit knapp über und unter 10 Prozent die Schlusslichter bildeten. Nur fünf Unternehmen - Adidas, H&M, Levi Strauss & Co und Nike, einschließlich Converse, veröffentlichen eine Liste ihrer Bekleidungsfabriken und nur zwei - Adidas und H&M - geben die Details von Zweitlieferanten wie Stoff- und Garnhersteller und/oder Zwischenhändler bekannt.

„Die globale Modebranche ist undurchsichtig, ausbeuterisch, umweltbelastend und braucht dringend eine revolutionäre Veränderung. Fashion Revolution will eine Revolution entzünden, um die Art und Weise, wie unsere Kleidung beschafft, produziert und gekauft wird, radikal zu ändern. Wir glauben, dass Transparenz der erste Schritt ist, um die Industrie zu transformieren. Und es beginnt mit einer einfachen Frage: Wer hat meine Kleidung gemacht? […] Wir wollen, dass alle Beteiligten in der Lieferkette – Einzelhändler, Marken, Fabriken, Private-Label-Hersteller – Transparenz demonstrieren und uns die Menschen zeigen, die unsere Kleidung machen: mit dem Hashtag #imadeyourclothes“, erklärte Fashion Revolution-Mitbegründerin Carry Somers im Interview mit dem nachhaltigen Mode-Magazin Nouveaux.

Auch in diesem Jahr geht es bei der Fashion Revolution Week wieder darum, dass Verbraucher Marken und Einzelhändlern zeigen, dass es sie durchaus interessiert, woher ihre Kleidung stammt und wer sie gemacht hat. Also einfach das Etikett des Lieblingskleidungsstücks fotografieren und über die sozialen Medien mit anderen teilen oder noch besser, sich gleich an die Lieblingsmarke wenden und fragen, wer das Kleidungsstück hergestellt hat - auf fashionrevolution.org gibt es hierzu ein Muster. Und wer für einen Tag oder gar die ganze Woche seine Kleidung auf links trägt, um die Labels zu zeigen, wird mit Sicherheit für Gesprächsstoff sorgen und hoffentlich Diskussionen anregen. Also, worauf warten wir noch?