Der Luxussektor nimmt seine Produktion in einem krisengschüttelten Ökosystem wieder auf

Paris - Nach wochenlanger Zwangsschließung nimmt der Luxussektor in Italien und Frankreich, in einem durch die Covid-19-Pandemie stark geschwächten Ökosystem und mit einer Reihe von Subunternehmern in Schwierigkeiten, allmählich die Produktion wieder auf.

Von kleinen Manufakturen bis hin zu großen Mode- und Parfümhäusern hat der Sektor seit März Tonnen von Masken und hydroalkoholischem Gel hergestellt, um die Epidemie einzudämmen, eine "Kriegsanstrengung", die außerdem einem Teil der Beschäftigten Arbeit gegeben hat.

Die jüngsten Entwicklungen in China - einem Schlüsselmarkt, der wertmäßig 35 Prozent der weltweiten Luxusumsätze ausmacht - und dann in Europa — Erholung des Konsums mit der schrittweisen Wiedereröffnung von Boutiquen hat es den großen Konzernen ermöglicht, ihre Produktionszahlen schrittweise wieder zu steigern. "Wir haben Ende April allmählich wieder angefangen. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht möglich, Vorhersagen zu treffen", sagte Micaela Le Divelec Lemmi, Geschäftsführerin des Unternehmens Salvatore Ferragamo, gegenüber AFP über den Zeitpunkt einer Rückkehr zur Normalität.

"Zum einen, weil an den Produktionsstandorten besondere Bestimmungen mit sozialen Abstandsregelungen eingehalten werden müssen, zum anderen, weil ein guter Teil unseres Filialnetzes noch immer geschlossen ist", betont sie. Prada, eine weitere große italienische Marke, weist darauf hin, dass etwa 65 Prozent der Mitarbeiter an ihren Produktionsstandorten die Arbeit wieder aufgenommen haben.

Diese Erholung "dürfte es ermöglichen, dass die Herbst-Winter-Kollektionen Ende Juli und Anfang August, einen Monat später als normal, in die Geschäfte kommen", sagte der Chef der Gruppe, Patrizio Bertelli, kürzlich der Tageszeitung La Repubblica.

Er räumte zwar ein, dass das Jahr für Prada und die großen Akteure der Modebranche schwierig werden würde, aber er ist der Meinung, dass "diejenigen, die am meisten leiden werden, die kleinen Handwerker sind". Die Luxusgiganten stehen also "vor einem Dilemma: ob sie einige ihrer Lieferanten Pleite gehen lassen oder in diese kleinen Strukturen investieren", um sie zu retten, so Bernstein. Für Luca Solca, Bernsteins Luxusanalyst, "ist es wahrscheinlich, dass wir eine stärkere Integration (dieser Akteure) haben werden. Die großen Konzerne können nicht zulassen, dass ihre Lieferanten bankrott gehen", vor allem in Italien, wo es eine Vielzahl von kleinen Subunternehmern gibt, sei dies so.

Beihilfen aus von Konzernen

Es gibt öffentliche Beihilfen, aber die großen Konzerne werden dem Sektor helfen müssen, sich Know-how zu sichern, zum Beispiel in Form von Beihilfen oder eines Vorschusses auf künftige Aufträge", sagt Arnaud Cadart, Portfoliomanager bei Flornoy & Associés.

Die Situation ist je nach Art der Produkte unterschiedlich: "Lederwaren hatten nicht zu viele Lagerbestände. Aber auf der anderen Seite ist es für Frühjahr und Sommerkollektionen, die in die Geschäfte kommen ein Problem, denn es gibt bereits große Lagerbestände", kommentiert er. Auch in Frankreich ist die Lederindustrie wieder in Schwung gekommen, "aber es gibt noch nicht viel an Umsatz vorzuweisen - die Nachfrage ist stark zurückgegangen: 46 Prozent der französischen Lederwarenexporte gehen nach Asien, und der Markt ist sehr erschüttert worden", sagt Franck Boehly, Präsident des Nationalen Lederrates (CNC), ein Sektor, in dem 9.000 Unternehmen von der Tierhaltung bis zum Vertrieb zusammengeschlossen sind.

Während Lederwaren "den Schock abfedern sollten, gibt es viel mehr Sorgen um die Schuhebranche und ihre rund 5.000 Arbeitsplätze, die nur 30% ihrer Produktion exportieren: Die Verkaufsstellen sind hauptsächlich französische Einzelhändler, und die Geschäfte sind seit zwei Monaten geschlossen und haben noch ihren gesamten Bestand der letzten Saison", betont er.

Global gesehen wird der Luxusmarkt laut Bain und Co. im Jahr 2020 voraussichtlich um 20 bis 35 Prozent schrumpfen. Im ersten Quartal verzeichneten Kering (u.a. Gucci, Saint Laurent, Bottega Veneta) und LVMH (u.a. Louis Vuitton, Fendi, Christian Dior) einen Umsatzrückgang von rund 15 Prozent, Ferragamo von 30,1 Prozent und Tod's von 29,4 Prozent. Kurzfristig besteht die Schwierigkeit vor allem darin, die neuen Formen des Konsums nach der Ausgangssperre, Land für Land, zu antizipieren.

Die Reaktionen der Verbraucher werden unterschiedlich ausfallen: In Asien besteht ein echtes Konsumbedürfnis, die Bevölkerung ist jung und das chinesische Wachstum dürfte recht kräftig einsetzen. Die Vereinigten Staaten sind ebenfalls gut positioniert, um aus der Krise herauszukommen, Europa jedoch weniger", stellt Arnaud Cadart fest.(AFP)

Foto : Ferragamo / collection PE20

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.fr veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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