Auf der Mailänder Modewoche bleibt die Schattenseite der Branche unerwähnt
Handwerker:innen in weißen Kitteln begrüßten am Freitag die Gäste auf der Modenschau von Tod's in Mailand. Sie fertigten die Leder- und Handarbeitsartikel ‘Made in Italy’, für die das Unternehmen und das Land bekannt sind.
Doch trotz dieser Zurschaustellung von Handwerkskunst wurde auf der Mailänder Modewoche kaum über die vergessenen Arbeiter:innen der Branche gesprochen. Staatsanwält:innen hatten aufgedeckt, dass diese bei Subunternehmern vieler italienischer Luxusmarken, einschließlich Tod's, unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiteten.
Angesichts der glamourösen Laufstege, der Prominenten und des Überflusses an edler Kleidung schien die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich jemand mit den jüngsten Ermittlungen zu Arbeitsrechtsverletzungen befasste.
Nach der Show sagte der Gründer und Vorsitzende von Tod's, Diego Della Valle, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass die Entscheidung des Unternehmens, sein handwerkliches Erbe hervorzuheben, in keiner Weise mit den jüngsten Ermittlungen zusammenhänge.
„Keine Kontroverse – ich denke, wir werden gemeinsam mit den Gerichten und den Wirtschaftsverbänden Gutes tun. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Della Valle.
Am Dienstag legte Tod's einem Mailänder Gericht eine Liste von Maßnahmen zur Stärkung seiner Lieferkette vor. Dazu gehören die Schaffung einer Plattform zur besseren Rückverfolgung der Aktivitäten von Lieferanten und erweiterte Audits.
„Ich denke, dass durch eine solche Zusammenarbeit alle an einer Lösung beteiligt sein werden“, sagte er und fügte hinzu, dass die italienischen Gesetze überarbeitet werden müssten, ‚um Menschen und Handwerker:innen zu schützen‘.
‚Produkt zuerst‘
Viele internationale Gäste der Show hatten von den Vorwürfen der Ausbeutung von Arbeitsmigrant:innen nichts gehört. Diese wurden letztes Jahr gegen mehr als ein Dutzend der größten Namen der Luxusbranche erhoben, darunter Gucci, Loro Piana, Prada, Dolce & Gabbana und Ferragamo.
Zu den Vorwürfen gehören Arbeitszeiten rund um die Uhr, eine unterdurchschnittliche Bezahlung, Verstöße gegen Sicherheitsmaßnahmen und provisorische Schlafplätze in kleinen Werkstätten.
Auf die Frage, ob dies für Luxuskund:innen von Bedeutung sei, deutete die Vizepräsidentin und Modedirektorin von Nordstrom, Rickie De Sole, an, dass die Antwort Ja und Nein lauten könnte.
„Ich denke, die Integrität von ‚Made in Italy‘ ist unglaublich wichtig. Und ich glaube, dass für die Kund:innen am Ende des Tages das Produkt an erster Stelle steht, oder?“, sagte sie gegenüber AFP.
Die einflussreiche Modekritikerin und Journalistin Suzy Menkes saß in der ersten Reihe. Sie merkte an, dass sie die Fälle in Italien nicht verfolgt habe, sagte aber: „Die Leute interessieren sich dafür, wenn bestimmte Dinge ans Licht kommen“.
„Aber ich glaube nicht, dass es sich von Lebensmitteln und verschiedenen anderen Dingen unterscheidet. Man hofft, dass je größer das Unternehmen ist, desto ernster nimmt es die Sache.“
Die 26-jährige Content Creatorin Stephanie Hui aus Hongkong war von Kopf bis Fuß in Tod's gekleidet. Sie sagte, die Menschen seien gegenüber Geschichten über ausbeuterische Arbeitsbedingungen in der Modebranche „abgestumpft“. Die Verbraucher:innen fühlten sich machtlos, etwas zu verändern.
„Es braucht viele Menschen, die sich zusammenschließen, um wirklich eine Veränderung zu bewirken. Es liegt nicht wirklich in unserer Hand, aber ich denke, wenn die Verbraucher:innen weniger ausgeben, wird das den Marken eine Art Weckruf sein“, sagte sie.
‚Gesehen werden wollen‘
Insider:innen der Modebranche sagen, dass die Kontrolle jedes Glieds der Lieferkette umso komplizierter ist, je größer das Unternehmen ist.
Stefano Aimone, Chief Executive Officer (CEO) und Kreativdirektor von Agnona, sagte in einem Interview mit AFP, dass es von der Größe des Unternehmens abhänge.
„Wenn man kleiner ist, hat man mehr Kontrolle und kann wirklich alle seine Mitarbeitenden und Berater:innen mit Namen kennen und überprüfen. Wenn man es mit 400 zu tun hat, sind es nur noch Nummern, und es ist undenkbar, alles zu kontrollieren“, sagte er.
„Etwas wird trotzdem durchrutschen, denn selbst wenn man Verträge mit diesem oder jenem Subunternehmer hat, weiß man nicht, was dieser dann wiederum tut“, sagte Aimone.
Auf die Frage, ob Modekund:innen darauf achten würden, sagte Aimone, dass es trotz einiger Schlagzeilen ein ‚B2B-Thema‘ (Business-to-Business) bleibe.
„Die Endkund:innen wissen es nicht.“
Und selbst wenn die Lieferketten besser bekannt wären, würde es die Kund:innen vielleicht nicht interessieren, sagte Iuliana Stetco, eine 21-jährige Studentin für Modemarketing in Mailand.
„Sie wollen gesehen werden. Sie wollen mit einer bestimmten Marke, einem bestimmten Label gesehen werden, und deshalb ist es ihnen nicht so wichtig.“(AFP)
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