Re-Start der OutDoor-Messe in Riva del Garda: Premiere gelungen
Am Mittwoch ging im italienischen Riva del Garda die European Outdoor Week mit der neuen OutDoor Messe zu Ende. Das einhellige Feedback der Branche: Wer nicht dort war, hat etwas verpasst.
Über 8.000 Fachbesucher:innen, 250 Ausstellende mit mehr als 400 Marken und 2.700 Einkäufer:innen aus 59 Ländern – so liest sich die offizielle Bilanz der OutDoor Messe, die vom 17. bis 19. Mai 2026 erstmals am Nordufer des Gardasees stattgefunden hat. Damit ist eingetroffen, was viele gehofft haben: Die Premiere war gelungen. Zwar erreichte die Messe noch lange nicht die Größe vergangener Veranstaltungen aus den Boom-Jahren der Outdoor-Branche, doch im Gegensatz zu früher herrschte eine durchweg positive Stimmung und geradezu Erleichterung, dass das neue Konzept aufzugehen scheint.
„Als wir das Konzept für die European Outdoor Week vorgestellt haben, waren wir zuversichtlich, dass das von uns präsentierte Format den Anforderungen unserer Branchenkolleg:innen gerecht wird“, erklärt Christian Schneidermeier, Managing Director der European Outdoor Group (EOG) und damit Veranstalter der Messe. „Aber der entscheidende Erfolgsfaktor war immer, ob sie kommen werden“, so Schneidermeier weiter.
Sie sind gekommen. Zu den ausstellenden Marken gehörten beispielsweise Gore-Tex, Columbia, Salomon, Patagonia, Merrell, The North Face, Picture Organic Clothing, Mammut, Vaude, Lowa, Meindl, UYN, Devold, Fjällräven, Hanwag, Houdini, Maloja, La Sportiva, La Munt, Salewa, Klättermusen, Mountain Equipment, Rab, Millet und viele mehr.
Der neue Termin für 2027
„All dies bestätigt unser klares Verständnis bei der European Outdoor Group, dass die Branche Präsenzveranstaltungen wie diese will – und braucht“, ergänzt Schneidermeier. Daher wurde auf der Messe auch das Geheimnis um die Folgeveranstaltung im nächsten Jahr gelüftet: Sie soll vom 8. bis 13. Mai 2027 erneut in Riva stattfinden und dann eine noch „größere und bessere Präsentation für den Outdoor-Sektor“ bieten. Auch das Konzept der European Outdoor Week, die die Messe mit zahlreichen Veranstaltungen für die Branche und Konsument:innen ergänzen sollte, fand regen Anklang bei Brands und Konsument:innen gleichermaßen.
Die Branche unterstützt den neuen Standort, wie etwa Stefan Stütler, der für Österreich die Sport- und Lifestylemarke Maloja vertritt. „Mir war schon vorab klar, dass die Branche den neuen Standort gut finden würde, deshalb war es auch klar, dass wir hier ausstellen.“ Auch Helder Maurao, Sales Director Europa vom jungen italienischen Outdoor Label Roa ist mehr als zufrieden: „Ich empfinde die Messe als sehr positiv. Das fühlt sich wie ein richtiges Outdoor Event an.“ Auch die geschäftliche Perspektive scheint zu stimmen: „Viele Händler:innen kennen uns noch nicht und sehen uns hier zum ersten Mal. Das Feedback ist sehr positiv.“
Trailrunning als klarer Branchentrend
Inhaltlich zeigte die Messe vor allem eines: Trailrunning bleibt das große Trendthema der Outdoorbranche. Zahlreiche Marken präsentierten neue, besonders leichte und performanceorientierte Produkte. So stellte Lowa nicht nur sein neues Markenkonzept vor, sondern auch einen extrem leichten Trailrunningschuh. Auch Maloja setzt künftig stärker auf das Segment, während das italienische Label Roa die nächste Generation seines Trailrunningschuhs von ursprünglich 351 auf nur noch 218 Gramm reduziert hat. Das schwedische Outdoorlabel Houdini wiederum präsentierte überhaupt erstmals einen eigenen Schuh. Ortovox hingegen stellte erstmals eine eigene Bike-Kapselkollektion vor.
Innovationen bei Materialien und beim European Outdoor Award
Innovationen gab es zudem bei den Materialien und der Produktion: Das Unternehmen Notape entwickelte einen Reißverschluss, dessen Zähne direkt auf den Stoff verschweißt werden – ganz ohne klassisches Trägertape. Passend dazu bietet die Firma auch die entsprechende Maschine zur Verarbeitung an. Auch beim European Outdoor Award standen Materialinnovationen im Mittelpunkt, etwa ein Schlafsack von Nordisk aus biobasierten Materialien mit natürlicher Färbung aus Zwiebeln. Peak Performance wurde zudem für ein modulares, vierteiliges Jubiläumsoutfit zum Skifahren ausgezeichnet. Überraschungssieger war jedoch Decathlon. Der Händler hat ein Gerät entwickelt, mit dessen Hilfe man innerhalb von Sekunden Löcher in Isomatten ausfindig machen kann. Isomatten gehören zu den häufigsten Reklamationen bei Decathlon, doch die Reparatur war bisher aufgrund der schwierigen Lecksuche nicht wirtschaftlich. „Mit dem Gerät können wir unsere Service-Angebote wie Reparatur, Secondhand und Verleih auf eine neue Stufe stellen“, sagte Mattias Schul, Service Center Director Decathlon Deutschland.
Herausforderungen: Internationalität und Logistik
Trotz der insgesamt positiven Stimmung war auch eine gewisse Vorsicht der Brands zu erkennen, zumindest was die personelle Ausstattung der Stände betraf. Hier waren vor allem die regionalen Vertriebsteams aus Italien und der DACH-Region anzutreffen, weniger Vertreter:innen aus den Unternehmenszentralen. Auch die Messehallen – die gerade renoviert werden – sorgten für Herausforderungen aufgrund unübersichtlicher Beschilderungen und somit einer manchmal schwierigen Orientierung.
Für den meisten Gesprächsstoff sorgte jedoch die Frage, wie man überhaupt nach Riva kommt – eine Stadt, die weder per Bahn noch per Flugzeug direkt erreichbar ist, sondern nur mit dem Bus, etwa ab Rovereto, oder dem Auto. Diese Situation hatte einen nahezu nostalgischen Charakter und erinnerte nicht nur an frühere Zeiten in Friedrichshafen, wo die Messe bis 2018 stattfand, sondern weckte zugleich den Ehrgeiz der Outdoor-Branche. So reisten einige Besucher:innen konsequenterweise mit dem Zug und dem Fahrrad an. Auch Messechef Christian Schneidermeier war in Riva ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs. Der Unternehmensberater und Outdoorkenner Sebastien Willefert attestiert der Branche auf LinkedIn daher ein „irrationales Bedürfnis“, sich „an einigen der entlegensten Orte, die man sich vorstellen kann, zusammenzukommen, um eine Messe zu veranstalten“.
Rückblick und Ausgangssituation der OutDoor
In den letzten Jahren wurde intensiv über den Standort und die genaue Ausrichtung der OutDoor-Messe diskutiert. Nach vielen erfolgreichen (und zuletzt weniger erfolgreichen) Jahren in Friedrichshafen am Bodensee, wurde die Messe 2019 erstmals unter dem Titel „OutDoor by Ispo“ in München veranstaltet. Es folgten zwei Corona-Jahre, in denen das junge Messe-Pflänzchen eine Zwangspause einlegen musste. In den Jahren 2022 und 2023 fand sie wesentlich kleiner im Münchner MOC statt. 2024 kehrte sie endlich wieder im großen Rahmen auf das Münchner Messegelände zurück, allerdings nur für kurze Zeit: 2025 musste sie aufgrund mangelnden Interesses kurzfristig abgesagt werden.
Das war die Ausgangslage, von der aus die European Outdoor Group (EOG) nun in Kooperation mit der Messegesellschaft MagNet einen Neustart des Formats versuchen wollte.