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Première Vision: Veredeltes Leder und Stoffe im ‘Used Look’ prägen HW25/26

Von Florence Julienne

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Messen |In Bildern

Die Messe Première Vision im Juli 2024. Bild: F. Julienne

Wie bewerten die Expert:innen der Première Vision die Leder- und Stofftrends für die Herbst/Winter-Saison 2025-2026?

Die Messe, die vom 2. bis 4. Juli im Pariser Kongresszentrum Nord Villepinte stattfand, war aufgrund der terminlichen Nähe zu den Olympischen Spielen eine etwas ungewöhnliche Veranstaltung. Florence Rousson, die neue Präsidentin der Première Vision, hatte einen Rückgang der Besucher:innen aufgrund der kollidierenden Termine erwartet. Dennoch nahmen 937 Ausstellende teil.

Es scheint sich um eine ruhige Saison zu handeln, eine Art Atempause zwischen den beiden Runden der französischen Parlamentswahlen, die am 30. Juni und am 7. Juli stattfanden. Gleichzeitig ist sie jedoch reich an Neuheiten, die Lederexpertin Carine Montarras, die Modedirektorin Desolina Suter und die Projektleiterin für Mode Lucie Jeannot der Première Vision betonen.

Carine Montarras, Lederexpertin bei Première Vision. Bild: F. Julienne
Desolina Suter, Modedirektorin, und Lucie Jeannot, Projektmanagerin für Mode bei Première Vision. Bild: F. Julienne

Fokus auf Gerbereien zur Rückverfolgbarkeit des Leders

Bei ökologisch verantwortungsvollem Leder geht es heutzutage weniger um die spezifische Behandlung oder Gerbung eines Produkts. Vielmehr ist es von Bedeutung, ein engagiertes Unternehmen zu wählen, das den eigenen Werten entspricht. Dies beginnt bereits bei der Auswahl der Gerberei. Die größte Herausforderung der Branche liegt in der Rückverfolgbarkeit. Aufgrund von zunehmend strengeren Vorschriften müssen Unternehmen verstärkt Rechenschaft über ihre Umweltauswirkungen ablegen. In Zukunft wird es erforderlich sein, zu zertifizieren, dass Produkte, die in Europa hergestellt werden, nicht mit der Abholzung von Wäldern in Verbindung stehen. Auch wenn diese Daten noch nicht hoch im Kurs stehen, so sind sie doch von grundlegender Bedeutung.

Gerbereien-Fokus bei der Première Vision im Juli. Bild: F. Julienne

Anspruchsvolles Leder: Pflanzliche Gerbung auf dem Vormarsch

Einkäufer:innen zeigen starkes Interesse an pflanzlich gegerbten Lederarten, die traditionell als steif und schwer zu färben gelten, jedoch weniger umweltbelastend sind. Eine neue Generation von weichen Ledern in verschiedenen Farben und Ausführungen, wie Lamm-Stretchleder, das mit pflanzlichen Extrakten gegerbt wird, gewinnt an Bedeutung. Hierbei werden Baumrinden wie Quebracho, Oliven und Rhabarber verwendet.

Die Messe Première Vision im Juli 2024. Bild: F. Julienne

Veredeltes Leder von Les Teintures de France

Für die HW25/26 präsentierte Première Vision eine Zusammenarbeit mit Les Teintures de France. Die von dem französischen Veredelungsunternehmen hergestellten technischen Versionen des Leders weisen Lasergravuren und -perforationen, digitale Stickereien mit weißem Garn, das während des Digitaldrucks eingefärbt wird, sowie 3D-Drucke von Mikronoppen auf.

Les Teintures de France bei der Première Vision. Bild: F. Julienne
Les Teintures de France bei der Première Vision. Bild: F. Julienne

Stoffe: Auf Alt gemacht, abgenutzt oder upgecycelt

HW25/26 zeichnet sich auch dadurch aus, dass es die Generationen zusammenbringt: Was abgenutzt ist, kann auch schön sein. Alte Referenzen werden mit neuen Technologien vermischt, um die Vergangenheit neu zu formulieren. Bei den Materialien sind Spitzen mit ungewöhnlichen Effekten und scheinbar abgenutzte Seidenstoffe, die den Eindruck erwecken, dass der Stoff tatsächlich durchlöchert ist, zu sehen. Darüber hinaus finden sich im Angebot erhabene Falten, Wollstoffe mit abgetragener, mottenzerfressener Optik und Materialien mit anderen dekorativen Abnutzungserscheinungen. Effekte, die an die Unbeholfenheit von ‘Do It Yourself’ erinnern, sind weit verbreitet. Neue Stoffe sind hierbei ebenso zu sehen wie alte und recycelte.

Première Vision. Bild: F. Julienne
Première Vision. Bild: F. Julienne

Greifbare Stoffe, die sich an den Körper schmiegen

Diese Saison bewegt sich weg von der Fantasie des Metaverse und der künstlichen Intelligenz hin zu Stoffen, die konkreter und greifbarer sind. Die Beziehung zum Körper entwickelt sich weiter und rückt wieder in den Mittelpunkt des Designs. Das Ergebnis sind Stoffe, die sich leicht drapieren lassen, fließende Bewegungen zeigen oder strukturelle Formen ermöglichen. Dazu zählen Qualitäten wie Strick, Seide, Jersey, Baumwolle, wärmendes Mohair, Samt und Damast. In der Sportwelt findet sich dieser Einfluss in Kombination mit technischen Stoffen wieder.

Première Vision. Bild: F. Julienne

Dichte Materialien für strukturierte Silhouetten

Besondere Mischungen aus feinen Garnen und dichten Zusammensetzungen erinnern an strukturiertes Volumen im Stil des spanischen Modehauses Balenciaga. Der Fokus liegt auf der Verwendung langlebiger Materialien, die über modische Effekte hinausgehen. Vor allem Seide steht im Mittelpunkt dieses Trends, kombiniert mit Naturfasern wie Lyocell, Modal, Leinen und Baumwolle. Dadurch wird weniger auf Synthetik und chemische Ausrüstung gesetzt, wie Woll-Kaschmir-Mischungen und Zibelinato-Kaschmir, der einen von Disteln erzeugten Glanz und leichte Wellen aufweist, demonstrieren. Derartige Ansätze zeigen, dass ökologische Verantwortung auch durch Qualität und nicht nur durch Zertifizierungen oder den Verzicht auf Veredelungen erreicht werden kann.

Première Vision. Bild: F. Julienne

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf FashionUnited.fr. Übersetzt und bearbeitet von Heide Halama.

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