OutDoor Debakel: Friedrichshafen will jetzt eigene Outdoor Messe starten

Nachdem die Messe München am vergangenen Donnerstag verkündet hatte, dass die European Outdoor Group (EOG) den Standort der OutDoor Messe 2019 von Friedrichshafen nach München verlegen will, kündigt die Messe Friedrichshafen eigene Schritte an.

Enttäuschung über Wahlniederlage

„Mit großer Enttäuschung stellen wir uns dem Wahlergebnis - schließlich ist die OutDoor vor einem viertel Jahrhundert am Bodensee geboren und wir haben hier für diese Branche eine einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben“, kommentiert Messe Friedrichshafen-Geschäftsführer Klaus Wellmann das Verbandsvotum. Die EOG als Zusammenschluss der 96 größten Outdoor Brands Europas, hatte in der Woche nach der Ispo Munich ihre Mitglieder in einem einwöchigen Votum nach dem bevorzugten Standort für die OutDoor Messe befragt. Dabei fiel das Ergebnis für München aus und gegen Friedrichshafen sowie weitere Bewerber. Dieser Abstimmung ging eine zweieinhalbjährige Erhebung der EOG voran, bei der auch Retailer in verschiedenen Ländern und andere Mitglieder nach ihren Bedürfnissen befragt wurden.

Kritik aus Friedrichshafen: EOG repräsentiert nicht den gesamten Outdoormarkt

Aus Sicht der Messe Friedrichshafen spricht das Votum aber nicht für die gesamte Branche, in der eben nur ein Teil Mitglied des Branchenverbands EOG ist. Das Votum repräsentiere damit nicht den Willen aller Outdoorakteure. OutDoor/Eurobike-Bereichsleiter Stefan Reisinger erklärt: „Bereits vor der Wahl haben wir schon starkes Feedback für unsere Vision einer künftigen Outdoor-Messe erhalten. Dieses stammt sowohl von einigen der 96 EOG-Mitglieder, aber auch von vielen der 869 weiteren Aussteller, die wir zur letzten Veranstaltung an Bord hatten und die in der Verbandserhebung nicht befragt wurden.“ Viele seien der Meinung, dass der bisherige Standort und der dortige Service in der Vergangenheit entscheidend zum OutDoor-Erfolg beigetragen haben, eine Verpflanzung nach München werde dagegen mit Skepsis betrachtet.

EOG: Votum für München sei eindeutig

Auch die EOG hat sich inzwischen in einer weiteren Pressemitteilung erklärt und darauf hingewiesen, dass die Abstimmung sehr wohl repräsentativ für den gesamten europäischen Outdoormarkt und das Votum mit überwältigender Klarheit ausgefallen sei: Die Stimmen für München seien dreimal so hoch gewesen wie für den Zweitplatzierten, den die EOG allerdings nicht namentlich nennt. Als weiteren Standort hatte sich auch Hamburg um die Ausrichtung der OutDoor beworben, ebenso wie Stuttgart und Mailand, die aber schon vorab ausgeschieden waren. "Die Hauptziele der EOG waren, die Branche zusammenzuhalten und sicherzustellen, dass sie die richtige Messeplattform für die digitale Outdoor-Industrie des 21. Jahrhunderts hat", schreibt der Verbad in der Stellungnahme.

Spaltung der Branche

Ihre langjährige Erfahrung mit und in der Outdoor-Branche wollen die Messemacher aus Friedrichshafen jetzt nutzen, um eine eigene Messe – ohne Kooperation mit der EOG – auf die Beine zu stellen. Derzeit arbeite man bereits an der künftigen Veranstaltungskonzeption. „Den Rückhalt aus der Branche für eine neue Eigenveranstaltung erfahren die Organisatoren bereits“, heißt es aus Friedrichshafen. Welche Brands sich für den Verbleib in Friedrichshafen ausgesprochen haben erklärt die Messe jedoch nicht, lediglich von „Branchengrößen“ ist die Rede.

Sollte sich der Plan bewahrheiten, gäbe es im Sommer 2019 zwei Outdoormessen in Deutschland und ein Kopf-an-Kopf-Rennen um jeden einzelnen Aussteller und Messebesucher. Eine Situation, bei der beide Veranstaltungen nur verlieren können.

So heikel wie nie: OutDoor 2018

Klar ist damit im Moment nur eines: Auf der bevorstehenden 25. OutDoor in Friedrichshafen werden es die Veranstalter den Ausstellern und Besuchern nicht leicht machen, ihre bisherige OutDoor Messe zu verlassen. Zum Anmeldeschluss Mitte Januar stand schon fest, dass zur Jubiläumsauflage rund 900 Aussteller aus über 40 Nationen vertreten sein werden. Premiere wird auch die Integration von Endkonsumenten haben: So wird am 16. und 17. Juni in Messehalle B5 die Deutsche Meisterschaft im Bouldern vor Publikum ausgetragen –parallel startet am 17. Juni die OutDoor 2018 und geht bis Mittwoch, 20. Juni 2018.

Foto: OutDoor 2017 / Messe Friedrichshafen