Munich Fabric Start: Neue Klassik, Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Die 45. Munich Fabric Start, die am 6. September zu Ende gegangen ist, präsentierte die Trends für die Saison Herbst/Winter 2019/20. Das Fazit: Ein neuer Rekord bei der Ausstellerzahl und die größte Bluezone, die es jemals gab. Neben Stofftrends spielten die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung eine zunehmend wichtige Rolle.

Die Munich Fabric Start hat sich zur Präsentation der neuen Stofftrends für Herbst/Winter 2019/20 von ihrer besten Seite gezeigt: Die Zeichen stehen auf Wachstum. So verbuchte die Veranstaltung eine erneute Rekordausstellerzahl mit ca. 1.050 Anbietern und ca. 1.800 Kollektionen in den Bereichen Fabrics, Additionals, Denim & Sportswear. Vor allem die Bereiche Denim verzeichneten einen erneuten Zuwachs, der auch eine Flächenerweiterung auf dem Zenith Gelände erforderte. Mit ca. 20.000 Besuchern blieb die Zahl der Messebesucher im Vergleich zum Vorjahr konstant.

Fabric Trends: Es dominieren die Gegensätze

Schon seit mehreren Saisons ist die Modebranche auf der Suche nach starken Gegensätzen und Kontrasten, die mal mit Farben, mal mit Materialien und Strukturen herbeigeführt werden. Auch Stilbrüche stehen nach wie vor hoch im Kurs: Von High Fashion vs No Fashion, von Futurist vs Realist, von Optimist vs Aktivist. Was eigentlich nicht zusammenpasst schafft die größten Emotionen, was scheinbar nicht passt, ist genau deshalb interessant. Darum geht es den Kreateuren. Die neuen Trends erscheinen ebenso komplex wie progressiv.

Munich Fabric Start: Neue Klassik, Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Womenswear: Der Mix macht‘s

In einzelnen Themen gebündelt changiert die neue Mode zwischen romantischen Folklore-Looks, betont klassischen und sportlichen Einflüssen bei den Frauen. Es wird viel gemischt, folkloristische Motive lassen sich kaum mehr einer bestimmten Region zuordnen. Fake Furs und Fleeces liegen im Trend, ebenso Wollstoffe. Klassische Schnitte und Stoffmuster wie Karos demonstrieren die Abkehr von der Fast Fashion und werden zum neuen Fashion Statement erkoren. Aber immer lässig und gerne kombiniert mit Denim, das auch in der übernächsten Wintersaison nichts an Aktualität einbüßen wird. Sportlichkeit wird vor allem durch technische Materialien ausgedrückt. Calvin Klein zelebrierte Reflektor-Bänder wie sie Straßenarbeiter tragen in der Kollektion – ähnlich plakativ oder subtiler sehen die Designer auch den Trend für HW 2019/20. Stoffe wie aus der Workwear gelten als Trendthema. Dark Colors gelten als Trend, und kommen als dunkles Lila, Braun, Grau und Petrol. Die wichtigsten Farbreize werden durch Grüntöne erzeugt, auch in Farbtönen wie Flaschengrün oder Jade. Neutrals sind nach wie vor dominant. Die Opulenz vergangener Saisons schwächt sich ab.

Menswear: Classic trifft Rave

Wie bei den Frauenkollektionen sind es die Kombinationen, die den Look bestimmen. Viele klassische Stoffe wie Karos, Beige- und Brauntöne spielen im modischen Segment eine zunehmend wichtige Rolle. Modernität wird z.B. durch übergroße Rapporte und 3-D-Surfaces ausgedrückt, durch technische zipper, Hoodies oder Velcros. Neue Längen dominieren die neue Männermode: Hosensäume rücken nach oben, ebenso wie die der Oberteile und Anoraks. Mäntel dagegen gehen bis übers Knie. Sportlicher feiert das Thema Acid Jazz und das Revival der 1990er Jahre ein Comeback. Hier steckt viel Potenzial im Einzelteil und im Zusammentreffen starker Gegensätze. Auch bei den Männern bleibt Denim als Kontrastgeber und entscheidenden Akzent wichtig. Wichtige Farben: Brauntöne, Curry, Oliv, ebenso wie verschiedene Grautöne und knallige Akzente in Blau oder Rot.

Bluezone: Denim & Workwear

Die aktuelle Bluezone war die stärkste und best besetzte seit Bestehen. Mehr als 120 international führende Brands von Denim & Sportswear zeigen ihre neuesten saisonal übergreifenden Fabric Innovations, vielfach bereits umgesetzt in trendweisende Samples mit neuartigen Finishings und Washings. Die Messe betonte das Comeback der Workwear. Als Teil des Konferenzprogramms wurde auch die Geschichte der Berufsbekleidung und ihren Einfluss auf die Workwear vorgestellt. Als Trend-Pieces stachen Denim-Overalls ins Auge, die an vielen Ständen präsentiert wurden, ebenso wie Oversize Jeans und Jacken aus den 80er Jahren. Denim-Experten erwarten außerdem ein starkes Comeback von Black Denim. Viele Gespräche drehten sich sowohl um neue Performance Qualitäten bei Denim, um softe Haptik und sportive Looks zu erzielen, aber auch um die Neuinterpretationen von Rigid und Raw Denim für authentische Heritage Looks. Über all dem aber stand das Thema Nachhaltigkeit in der Denim Produktion, das in zahlreichen Vorträgen und Diskussionsrunden auf Seiten von Herstellern wie der Modeindustrie diskutiert wurde.

Auch neue nachhaltige Technologien wurden präsentiert, wie z.B. von Hyosung. „Für 2019/20 sehen wir Nachhaltigkeit und Performance, neben neuen Designs, als zentralen Trend auf dem Denim-Markt“, sagt Mike Simko, Global Marketing Director der Hyosung Corporation. Hyosung ist mit creora der weltweit größte Elastan-Hersteller. Auf der Messe stellte der Textil-Profi das neue creora Fit2 mit verbesserter Performance für trendiges Denim vor. Außerdem zeigte Hyosung die nachhaltige Elastan-Linie creora eco-soft, die bei geringer Hitze gefertigt wird, sowie die neuesten Denim-Styles.

Munich Fabric Start: Neue Klassik, Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Sourcing im Wandel

Ergänzend zu den Fabrics bot die Messe wie schon zuvor auch neuen Technologien ein Forum. Ausgewählte Unternehmen konnten ihre Produkt- und Serviceleistung rund um Manufacturing Sourcing in exklusiven Sourcing Showrooms vorstellen. Am ersten und zweiten Messetag informieren Industriepartner aus Zentral- und Osteuropa über Neuheiten und Produktionsprozesse. ReSource, eine neue Meta-Sourcing-Plattform, vereint innovative und nachhaltig produzierte Stoffe und zusätzliche Materialien und zeigt die neuesten Trends aus den Bereichen Eco-Fashion und Fair Trade.

Aber die Beschaffung beginnt mit dem Design. Die Modebranche befindet sich in einer technologischen Revolution - immer mehr Kleidungsstücke werden mit 3D-Software digital entworfen. Eine realistische Darstellung von Farbe und Materialien ermöglicht es, die Anzahl der Prototypen deutlich zu reduzieren - und das spart Zeit und Kosten. Auf der Munich Fabric Start zeigten Assyst und seine Partnerunternehmen Color Digital, Epson, X-Rite Pantone und Peter Buedel Accessoires, wie die Vidya-Software durch die Integration digitalisierter Materialien die nächste Stufe der 3D-Simulation erreicht. „Sourcing ist ein immens wichtiges und die Branche bewegendes Thema. Als Messe und Initiator sehen wir hier einen klaren Auftrag, der wachsenden Nachfrage nach Sourcing-Möglichkeiten am Standort München eine Plattform zu bieten. Diesen Konzeptansatz werden wir forcieren und kontinuierlich ausbauen“, sagt Wolfgang Klinder, Managing Director Munich Fabric Start.

Munich Fabric Start: Neue Klassik, Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Neue nachhaltige Technologien

„Unser Ziel ist es, immer wieder neue Impulse zu setzen, Anregungen zu geben und die Branche in Bewegung zu halten. Nachhaltigkeit ist ein ganzheitliches Konzept, das nicht im Alleingang funktioniert. Wir alle müssen daher an einem Strang ziehen“, sagt Frank Junker, Creative Director Munich Fabric Start.

Ein Appell, der auch im Keyhouse der Messe aufgegriffen wurde. Vorgestellt wurden Projekte, die Materialprofis zum nachhaltigen Denken und Handeln anregen sollen und motivieren, neue Wege zu gehen. Unkonventionelle Materialien entstehen zu anspruchsvollem Design mit umweltschonenden Faktoren. Beispielsweise neue Färbeverfahren mit Bakterien, die frei von Chemikalien sowie wasser- und ressourcenschonend sind.

Fotos: Munich Fabric Start

 

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