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Ungeplante Ikone: Berühmtes Che-Porträt wird 65

Von DPA

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Kultur
Berühmtes Che-Porträt wir 65 und ziert noch heute viele Kleidungsstücke Credits: Jean Marc Bonnel / Pexels

Das Konterfei von Che Guevara ziert millionenfach Plakate, T-Shirts und Souvenirs - längst ist das Porträt Teil der globalen Ikonographie. Dabei ist das berühmte Bild „Guerrillero Heroico“ (Heldenhafter Guerillero) vor 65 Jahren als reiner Glückstreffer entstanden. Heute gehört die Aufnahme zu den meist reproduzierten weltweit.

Der kubanische Fotograf Alberto Korda schießt das Bild am 5. März 1960 auf einer Trauerfeier in Havanna. Tags zuvor sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen, als der französische Frachter „La Coubre“ bei der Entladung von Munition und Granaten im Hafen der kubanischen Hauptstadt explodiert. Revolutionsführer Fidel Castro wirft den USA Sabotage vor.

Zu der Trauerveranstaltung kommen Castro und Gäste wie die französischen Intellektuellen Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Korda ist für die kubanische Zeitung „Revolución“ unterwegs. Ernesto „Che“ Guevara hält sich auf der Bühne zunächst im Hintergrund. Dann tritt er plötzlich vor und schaut kurz über die trauernde Menschenmenge. In diesem Moment drückt der Fotograf den Auslöser seiner Kamera.

Der Blick des Rebellen beeindruckte Korda

„Es war ein 'pac, pac': zwei Aufnahmen und das war's“, beschreibt Korda (1928-2001) in einem Interview das Geräusch seiner Leica. Einmal quer, einmal hoch. „Ich war überrascht. Sein intensiver Blick hat mich beinahe erschreckt“. Dann verschwindet Guevara wieder aus dem Blickfeld.

Nach der Aufnahme entscheidet sich Korda, mit bürgerlichem Namen Alberto Díaz Gutiérrez, für die horizontale Aufnahme. Einen Palmenzweig und einen Kopf schneidet der frühere Werbe- und Modefotograf auf der linken und rechten Seite der Aufnahme ab.

Das Foto zeigt das Gesicht des linken Widerstandskämpfers leicht von unten aufgenommen. Sein Blick geht in die Ferne. Auf dem Kopf trägt er ein schwarzes Barett mit einem fünfzackigen Stern. Das gewellte Haar reicht fast bis zur Schulter.

Auf dem Bikini und als Tattoo

Bis heute wird das Bild in den unterschiedlichsten Zusammenhängen verwendet. Bei der jüngsten Welttournee von Pop-Ikone Madonna wurde es auf die Bühne projiziert. Supermodel Gisele Bündchen präsentierte es auf einem Bikini. Box-Idol Mike Tyson und Ex-Fußballstar Diego Armando Maradona ließen sich Guevaras Porträt tätowieren.

Der irische Künstler Jim Fitzpatrick fertigte 1968 inspiriert von dem Foto eine ebenfalls berühmte Grafik an. Ein Assistent von Andy Warhol schuf eine Pop-Art-Version des Bildes.

Das ikonische Porträt trug wesentlich zum Mythos von Che Guevara als idealistischer Guerillero bei. Seine Kritiker:innen sehen ihn dagegen als gnadenlosen Mörder. Der Argentinier kämpfte an der Seite der Castro-Brüder in der kubanischen Revolution und besetzte nach dem Sieg der Rebellen verschiedene Regierungsämter.

Die Bedeutung des Fotos weiterentwickelt

„Das Bild ist zu einer Idee geworden. Es geht nicht mehr um eine Person, sondern um ein Symbol“, sagt Mariana Huerta vom Bildzentrum des mexikanischen Kulturministeriums. Dort wird ein von Korda signierter Abzug aufbewahrt. Widerstand, Verwandlung, Ideale: Die Botschaft des Fotos ist laut Huerta weit über den konkreten Kontext hinausgewachsen, in dem es entstanden ist.

Dabei wurde das Foto nicht sofort weltberühmt. Nach der Trauerfeier verwendet es Kordas Zeitung zunächst nicht, da Guevara nicht die Hauptfigur des Tags war. Das Foto wird 1961 in einem kleinen Format veröffentlicht, um eine TV-Ansprache von Guevara als Kubas Industrieminister anzukündigen.

Jahrelang hängt das Bild dann an der Wand von Kordas Fotostudio. Dort besucht ihn 1967 der italienische Verleger und kommunistische Aktivist Giangiacomo Feltrinelli. Er braucht ein Foto von „Che“, und Korda gibt ihm zwei Abzüge - kostenlos.

Nach dem Tod von Guevara wird das Porträt zur Ikone

Die Spur des Bildes führt dann nach Europa. Im August 1967 erscheint es in der Zeitschrift „Paris Match“», ohne den Namen des Fotografen zu nennen. „Che Guevara: Où est-il donc?“ (Che Guevara: Wo ist er also?) titelt das Magazin. Der Guerillero ist untergetaucht, um in Bolivien eine Revolution anzuzetteln.

Zwei Monate später wird Guevara im Alter von 39 Jahren von bolivianischen Soldaten erschossen. Damit beginnt der Siegeszug des Fotos. Feltrinelli lässt Hunderttausende Poster mit dem Bild drucken. Bei den Student:innenprotesten von 1968 ist das Porträt allgegenwärtig. Der Guerillero wird zur Kultfigur der Linken und zum Objekt des Kapitalismus.

„Ein Che starb, aber andere Ches wurden geboren“, sagt Kordas Tochter, Diana Díaz, in dem Dokumentarfilm „Chevolution“ (2008) von Luis López und Trisha Ziff. Korda war ein überzeugter Unterstützer der kubanischen Revolution. Die Reproduktionsrechte waren ihm nicht wichtig.

Entschädigung wegen Wodka-Werbung

Erst Ende der 1990er-Jahre begannen Korda und seine Familie, große Unternehmen wie den Wodka-Hersteller Smirnoff und den Uhrmacher Swatch wegen der kommerziellen Nutzung des Bildes erfolgreich zu verklagen. 2001 erlag Korda im Alter von 72 Jahren in Paris einem Herzinfarkt. Er war für eine Ausstellung in die französische Hauptstadt gereist.

„Das Foto hat ihn nicht reich gemacht“, sagt seine Tochter im Film. Es habe sein Leben vor allem emotional verändert. Er sei stolz auf das Bild gewesen. „Zu mir sagte er: Stell dir vor, wie berühmt ich durch dieses Foto geworden bin. Und ich habe ja nichts dafür getan“.