Ein Ausstellungsturm aus Glas und verschiebbare Decken: Mit seiner Pariser Kunststiftung hat das Luxuskaufhaus Galeries Lafayette einen ungewöhnlichen Ort geschaffen. Nicht nur mit Blick auf die Architektur von Rem Koolhaas.

Vom dritten Stockwerk aus blickt man auf den Himmel und die Dächer von Paris, vom zweiten Stockwerk auf das erste und direkt in die Ausstellungsräume. Mit ihrer Kunststiftung hat die Luxuskaufhauskette Galeries Lafayette einen einzigartigen Ort geschaffen. Denn das von dem niederländischen Star-Architekten Rem Koolhaas entworfene Stahl- und Glasgebäude gleicht in seiner Art keinem der in den vergangenen Jahren in Paris entworfenen Kunsttempel. Der Ort will ein Laboratorium für Künstler sein. Die Werke entstehen direkt in der Stiftung.

Neu, innovativ und nützlich: So beschreibt Guillaume Houzé, der Direktor der Stiftung, die neue Kunsteinrichtung nur wenige Meter vom Centre Pompidou entfernt. Sie liegt in einem ehemaligen Industriegebäude aus dem Jahr 1891. An die historische Fassade hat Koolhaas nicht Hand angelegt, innen jedoch hat er das Gebäude völlig ausgehöhlt.

Geblieben ist eine 2 200 Quadratmeter große Struktur in U-Form. Die Ausstellungen finden in einem rund 20 Meter hohen gläsernen Turm statt. Dabei können die vier Decken beliebig nach oben und unten verschoben werden. Ein System, das maximale Flexibilität bietet. Eröffnet wird die Stiftung offiziell am 10. März.

Houzé ist Mitglied des Aufsichtsrats der Gruppe Galeries Lafayette, Direktor für Image und Kommunikation und repräsentiert die dritte Generation des Ende 1893 gegründeten Familienunternehmens. «Kunst spielte innerhalb der Familie Moulin und Houzé schon immer eine bedeutende Rolle», sagte der 36-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Die Kunstleidenschaft gehe auf seine Großmutter Ginette Moulin zurück, die den Grundstock zu einer beachtlichen Sammlung legte.

Die ersten Kunstevents organisierte das Unternehmen schon vor mehr als einem halben Jahrhundert. Im Jahr 1946 fand in den Galeries Lafayette der Pariser Kunstsalon «Salon de Mai» statt, 1978 wurden die Werke von Jean Dubuffet ausgestellt. Im Jahr 2001 hat der Pariser Shopping-Tempel im ersten Stock den Ausstellungsbereich «La Galerie des Galeries» eröffnet, in dem jährlich vier Schauen über zeitgenössische Kunst stattfinden. Der Eintritt ist frei.

Die Kunststiftung heißt «Lafayette Anticipations». Der Name ist nicht sehr poetisch, steht aber für ein ganzes Programm. Denn die neue Einrichtung im Marais-Viertel ist kein klassischer Ausstellungstempel. Die «Lafayette Anticipations» wolle eine Produktionsstätte sein, ein Laboratorium, in dem die Künstler ihren Ideen freien Lauf lassen können, so Houzé.

Die Werke entstehen im Erdgeschoss, wo den Künstlern die neuesten Techniken und Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Dem Künstler bei der Arbeit zuschauen darf der Besucher nicht. Das Ergebnis jedoch kann er in den oberen Etagen besichtigen.

So ganz uneigennützig ist die Einrichtung nicht. Denn seit 2003 sind in Frankreich Investitionen in Kunst steuerlich bis zu 60 Prozent absetzbar. In den nächsten fünf Jahren steht der Stiftung das beachtliche Budget von 21 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Kosten für den Umbau sind Teil eines größeren Projekts, das sich auf über 100 Millionen Euro belaufen soll. Dazu gehören auch neue Geschäfte und Innenhöfe im Marais-Viertel, die für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. (dpa)

 

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