‘Luxury for Good’: Crafted Society will italienisches Handwerk retten

"Sie sind irgendwie wie Robin Hood". So definiert Marco Cini, Inhaber des traditionsreichen Textilunternehmens Lanificio Arca in Prato, Italien, seinen neuen Partner, das in Amsterdam ansässige Label Crafted Society. Das im Jahr 2015 von Ehepaar Martin Johnston und Lise Bonnet gegründete Luxuslabel für Bekleidung und Lederwaren hat sich zum Ziel gesetzt, jahrhundertealte Handwerkskunst vor dem Aussterben zu bewahren und zu fördern. "Schließlich sind das die wahren Helden des Luxus", sagt Johnston.

Obwohl Cini's Unternehmen stolz darauf ist, mit einigen der größten Luxusmarken der Welt zusammenzuarbeiten, versuchen viele von ihnen oft, die Gewinnspanne zu erhöhen, indem sie weniger an die Handwerker zahlen. Außerdem täuschen einige Labels sogar die Verbraucher, indem sie behaupten, dass ihre Produkte "Made in Italy" seien, obwohl ein Teil ihrer Produktion an einen anderen Ort verlagert wurde - "meist billigere Lieferanten aus Bulgarien und China", sagt Bonnet. Darüber hinaus kämpfen die italienischen Handwerker mit der Suche nach jungen Mitarbeitern. "Ich komme aus einer dritten Generation von Textilunternehmern, aber viele Menschen, die in meinem Unternehmen arbeiten, gehören zur zweiten Generation. Einer meiner Mitarbeiter ist 76 Jahre alt. Sie haben immer noch Poesie in der Hand, aber wir brauchen junge Leute, die kommen und das Handwerk erlernen, und das braucht Zeit und Geld. In unserem Bereich gibt es keine Schule, wir müssen Menschen selber ausbilden", erklärt Cini.

“Wir müssen eine Gesellschaft bewahren, in der die Menschen von Hand gefertigte Dinge schätzen, sonst können unsere eigenen Kinder und Enkelkinder sie vielleicht nie kennenlernen".

Das Label Crafted Society hilft italienischen Handwerkern auf zwei Arten. Die erste ist, ihnen Anerkennung zu gewähren, wo Anerkennung fällig ist. "Wir sind ein völlig transparentes Unternehmen", sagt Johnston. Das bedeutet, dass Partner nicht nur auf der Website der Marke, sondern auch auf den Produkten selbst offengelegt werden. Alle Etiketten auf den Produkten von Crafted Society tragen sowohl das Logo des Labels als auch die Namen der italienischen Unternehmen, die sie hergestellt haben. Zweitens spendet das Unternehmen ein Prozent seines Jahresumsatzes an wohltätige Organisationen, die den Zugang zu Ausbildung in exquisiter Handwerkskunst fördern.

In der Zukunft beabsichtigt Crafted Society, ein Stipendium einzurichten, "um Handwerker und Menschen in Not miteinander zu verbinden" - eine Idee, die von der amerikanischen Schuhmarke Toms inspiriert ist, für die Johnston zuletzt gearbeitet hat, bevor er sein eigenes Unternehmen gründete. Für jedes verkaufte Paar Schuhe spendet Toms ein weiteres an ein bedürftiges Kind. Johnston und Bonnet setzen auch auf die Möglichkeit, mit Handwerkern aus anderen Ländern zusammenzuarbeiten. "Aber wir werden uns nur dann in neue Märkte wagen, wenn die Tradition dieses Handwerks wirklich bekannt ist. Wenn wir uns zum Beispiel jemals entscheiden, Düfte zu verkaufen, gehen wir nach Grasse, Frankreich".

Die Verteidigung einer Gesellschaft, in der sich die Dinge langsamer bewegen, kommt auch im Stil des Labels zum Ausdruck. "Wir glauben nicht daran, Dinge um des Kaufens willen zu kaufen, deshalb werden alle unsere Produkte in begrenzten Mengen hergestellt und wir bieten saisonal unabhängige Artikel an, die unsere Kunden lange Zeit tragen können", erklärt Bonnet.

‘Luxury for Good’: Crafted Society will italienisches Handwerk retten

Neuer Showroom in Amsterdam

Zuerst war Crafted Society ein reiner Online-Player, aber das Paar entschied sich letztes Jahr, den stationären Einzelhandel mit einem Popup-Shop in Amsterdam zu auszutesten. Es lief so gut, dass sie 2018 fünf weitere Pop-ups in der niederländischen Hauptstadt eröffnet haben. Johnston und Bonnet bemerkten jedoch, dass die meisten Kunden in diesen Popup-Shops Touristen waren, die die Einkäufe in ihre Heimatländer senden lassen wollten, weshalb sie sich für ein Showroom-Modell für den ersten festen Standort des Labels entschieden haben.

Diesen Laden eröffneten sie vor einem Monat im Herzen der niederländischen Hauptstadt, jedoch hat der Laden kein Inventar. "Wir denken, dass dieses Verschmelzen der digitalen Welt und der physischen Welt, aber auf eine neue Weise, die Zukunft sein wird. Die Einzelhandelsformate der Vergangenheit sterben, das ist eine Tatsache", sagt Johnston. Der Laden von Crafted Society sieht fast nicht wie ein Laden aus, da der Raum über eine Küche verfügt und die Gründer dort auf ein Pläuschchen angetroffen werden können. "Das ist wie vor 30 Jahren. Eine kleine Boutique, die sich sehr gemütlich anfühlt. Die Resonanz war bisher fantastisch", freut sich Johnston.

Obwohl der erste permanente Laden gerade erst eröffnet wurde, wird es nicht lange dauern, bis die Showrooms von Crafted Society auch in andere Städten kommen. "Ich kann jetzt mit meinen alten Vertriebspartnern zusammenarbeiten, sie wollen Franchises in mehreren Ländern eröffnen. Jetzt können wir also damit beginnen, Crafted Society tatsächlich aus digitaler und stationärer Sicht zu skalieren", sagt Johnston und fügt hinzu, dass das Unternehmen beabsichtigt, in "wichtige europäische Hauptstädte" und die Vereinigten Staaten zu expandieren. "Irgendwann in den nächsten ein bis zwei Jahren wird diese Marke perfekt für die USA sein. Sie haben eine hohe Wertschätzung für Made in Italy und ein hohes Verständnis für Direct-to-Consumer und Online-Shopping". Bonnet fügt hinzu: "Sie sind auch an den sozialen Aspekt gewöhnt. Sie verstehen das Konzept, Business als Kraft für Gutes zu nutzen".

Die erste Verbindung in die USA ist bereits hergestellt: Anlässlich der Eröffnung ihres ersten permanenten Ladens hat die Marke einen Schal des amerikanischen Künstlers Roger Selden in limitierter Auflage auf den Markt gebracht. Er lebt in Mailand und ist ein langjähriger Freund von Cini.

‘Luxury for Good’: Crafted Society will italienisches Handwerk retten

Marco Cini und Roger Selden mit dem Schal, den Selden für Crafted Society entworfen hat.

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Fotos: Crafted Society

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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