Blockade bei H&M: Spannungen in Belgien gefährden die europäische Versorgung
Die angekündigte Schließung des europäischen Vertriebszentrums des schwedischen Modekonzerns H&M im belgischen Ghlin sorgt für Unruhe. Die Folgen sind über die Landesgrenzen hinaus spürbar.
Das belgische Medium Retail Detail berichtet, dass die endgültige Schließung des Standorts im Herbst 2026 zum Abbau von 440 Arbeitsplätzen führen wird. Die Verhandlungen zwischen der Geschäftsleitung und den Sozialpartner:innen sind derzeit festgefahren. Die Mitarbeitenden haben den Zugang zum Standort blockiert. Dies birgt das Risiko von Engpässen für das Filialnetz des schwedischen Unternehmens in Südeuropa, eine Situation, die von Branchenexpert:innen aufmerksam beobachtet wird.
Logistischer Druck vor den Sommerkollektionen
Seit der Ankündigung im März 2026, die Aktivitäten des Vertriebszentrums in Ghlin einzustellen, wächst der Unmut unter den betroffenen Mitarbeitenden. „Bertrand Merlevede, Regionalsekretär bei CSC Transcom, fragt sich, warum Belgien für diesen drastischen Einschnitt ausgewählt wurde und nicht eines der beiden anderen großen Lager in Südeuropa“, erklärte die Gewerkschaft CSC in einer Mitteilung.
Das Logistikzentrum in Ghlin beliefert die H&M-Geschäfte in Belgien, Deutschland und den Niederlanden. Die Blockade beunruhigt die Geschäftsleitung. Diese soll laut Retail Detail am vergangenen Freitag einen außergewöhnlichen Auftrag erteilt haben: den sofortigen Versand von 720.000 der 1,2 Millionen vorrätigen Artikel bis zum darauffolgenden Dienstag. Zum Vergleich: Eine übliche Großlieferung umfasst zwischen 50.000 und 60.000 Teile.
Diese ungewöhnliche Anforderung deutet auf eine schnelle Erschöpfung der Lagerbestände in den italienischen und spanischen Filialen hin. Diese leiden noch unter den Nachwirkungen eines früheren Streiks im April. Die Situation ist umso besorgniserregender, da der strategisch wichtige Sommerschlussverkauf bevorsteht.
Die am 18. Mai begonnenen Gespräche über den Sozialplan haben zu keinem Kompromiss geführt. Der Dialog zwischen den Gewerkschaften und der Geschäftsleitung scheint nun zum Erliegen gekommen zu sein.
Philippe Dumortier, Vertreter der Gewerkschaft FGTB, betonte die festgefahrene Situation gegenüber der Nachrichtenagentur Belga: „Ein für Mittwoch geplantes Treffen wurde verschoben, und seitdem ist der soziale Dialog unterbrochen.“ Angesichts des ihrer Meinung nach vollständigen Abbruchs der Verhandlungen haben die Gewerkschaftsvertreter:innen die direkte Intervention der schwedischen Konzernleitung gefordert, damit ein:e neue:r Verhandlungsführer:in ernannt wird.
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