Vom Laufladen zur Franchise-Marke: Wie Quatorze vom Running-Boom in Frankreich profitiert

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Ein Mann beim Laufen Credits: Isaac Wendland for Unsplash
Von Diane Vanderschelden

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Was kann der stationäre Sportfachhandel dem wachsenden Onlinehandel entgegensetzen? Eine mögliche Antwort kommt aus Frankreich: Quatorze Running hat sich ganz auf Running und Trailrunning spezialisiert und will nun über Franchise weiter wachsen. Das Beispiel ist auch für Deutschland interessant, denn der deutsche Sporthandel steht vor derselben Frage: Wie lässt sich mit Beratung, Expertise und Community ein Mehrwert schaffen, den ein Online-Produktvergleich nicht bieten kann?

Running ist keine Nische mehr

Ein nur auf Running und Trailrunning spezialisiertes Geschäft? Das klingt zunächst nach einer Nische. Tatsächlich steht dahinter jedoch ein Markt, der längst weit darüber hinausgewachsen ist. In Frankreich gibt es inzwischen fünf Millionen regelmäßige Läufer:innen. Hinzu kommen vier Millionen Menschen, die gelegentlich laufen.

Zudem wächst der Markt: So ist der französische Running-Markt 2025 um 17 Prozent gewachsen, während der gesamte Sportartikelhandel insgesamt um 0,3 Prozent zurückging. Die positive Entwicklung dürfte sich fortsetzen: Zwei Drittel der Läufer:innen planen, ihre Ausgaben 2026 beizubehalten oder zu erhöhen – insbesondere für Laufausrüstung.

Auch die Zahl der Läufer:innen wächst weiter. Besonders dynamisch entwickelt sich der organisierte Laufsport: 2025 wurden in Frankreich bei 13.200 Veranstaltungen insgesamt 4,12 Millionen Ergebnisse erfasst. Über einen Zeitraum von zehn Jahren legten Straßenläufe um 40 Prozent zu. Noch stärker wuchs das Trailrunning: Mit einem Plus von 150 Prozent erreichte die Disziplin 2025 1,44 Millionen Teilnehmende.

Auch in Deutschland hat sich Running von einer klassischen Sportdisziplin zu einem breiten Freizeit- und Gesundheitsmarkt entwickelt. Studien gehen von rund 20 Millionen regelmäßigen und gelegentlichen Läufer:innen in Deutschland bzw. über 24 Millionen im DACH-Raum aus. Der deutsche Laufschuhmarkt ist 2024/25 um rund 20 Prozent gewachsen. Das merkt auch der Handel: Bei Sport 2000 Deutschland wuchs die Kategorie Running 2025 im Abverkaufspanel um 18,5 Prozent und war damit einer der stärksten Wachstumstreiber. Das macht Lust, in diesen Markt einzusteigen. Doch man darf nicht vergessen, dass Begeisterung allein noch kein Geschäftsmodell ist.

Vom Sporttrend zum Fachgeschäft

Für den stationären Fachhandel eröffnet das Chancen, allerdings nur dann, wenn er mehr bietet als das gleiche Sortiment, das Kund:innen auch online finden. Genau hier wird das französische Unternehmen Quatorze Running interessant.

Das Unternehmen wurde 2017 von Nicolas E. in Paris gegründet. Es positionierte sich bewusst nicht nur als Händler für Schuhe und Zubehör. Der Ansatz ist eine tiefgehende Spezialisierung: Jede:r Läufer:in soll eine Ausrüstung finden, die zu seiner Praxis, seinem Niveau und seinem Gefühl passt.

Diese Positionierung stützt sich insbesondere auf das ‚Quatorze Lab‘. Dabei handelt es sich um ein Analysesystem, das vernetzte Einlegesohlen und ein Laufband nutzt, um Daten über den Laufstil zu sammeln. Die Kund:innen können anschließend mehrere Modelle testen und die Ergebnisse vergleichen.

Hier entfaltet das ‚Quatorze Lab‘ seine volle Wirkung. Die Daten sollen die Verkäufer:innen nicht ersetzen, sondern ihre Beratung fundierter machen. Das ist ein wichtiger Unterschied in einer Zeit, in der auch große Marken versuchen, die Kund:innenbeziehung wieder selbst in die Hand zu nehmen. Diese Frage ist im Running-Bereich besonders relevant. Ein Schuh kann mit einer Carbonplatte, einem reaktionsfreudigen Schaumstoff oder einer speziellen Geometrie ausgestattet sein. Er kann auch für einen sehr spezifischen Zweck entwickelt worden sein. Wer hilft den Verbraucher:innen da noch zu verstehen, was sie kaufen?

Der US-amerikanische Sportartikelhersteller Nike hat diese Erfahrung auf die harte Tour gemacht. Durch die jahrelange Bevorzugung des Direktvertriebs, insbesondere online, verringerte das Unternehmen seine Abhängigkeit von Multimarken-Händler:innen. Diese Strategie entfernte die Marke jedoch auch von einem wichtigen Glied der Kund:innenbeziehung: den Verkäufer:innen, die Produkte anprobieren lassen, vergleichen und beraten können. Gleichzeitig gewannen Hoka, On oder New Balance an Boden. Reuters berichtete bereits 2024, dass die Umstellung auf den Direktvertrieb den Konkurrenten von Nike mehr Raum gelassen hat.

An diesem Punkt gewinnt das Fachgeschäft eine Funktion zurück, die der E-Commerce nicht vollständig ersetzen kann. Es geht nicht unbedingt darum, mehr Modelle anzubieten, sondern die Auswahl verständlicher zu machen.

Ein attraktiver Markt, aber nicht ohne Wettbewerb

Die Nische ist vielversprechend, aber keineswegs unbesetzt. Quatorze Running konkurriert in Frankreich mit bereits etablierten Fachhandelsketten wie Terre de Running oder i-Run. Hinzu kommen allgemeine Sportgeschäfte wie Decathlon und die eigenen Läden der großen Marken der Branche. In Deutschland ist die Situation nicht anders.

Der Unterschied kann sich also nicht auf das Sortiment beschränken. Die spezialisierten Akteur:innen haben nach und nach verstanden, dass das Geschäft ein Ort der Expertise und der Begegnung werden muss. Schuhtests, Laufanalysen, gemeinsame Läufe, Events und Läufer:innen-Communitys gehören mittlerweile zum Standard im Running-Handel. Der Markt basiert nicht mehr nur auf dem Streben nach Leistung. Laufen ist zu einer alltäglichen Aktivität geworden, die oft nichts mit der Stoppuhr zu tun hat. Gesundheit, Wohlbefinden, Freude am Laufen oder der Wunsch, den Kopf freizubekommen, sind heute Gründe, die Laufschuhe anzuziehen.

Das ‚Observatoire du Running 2026‘ zeigt für Frankreich, dass der Sport weit über den Wettkampf hinausgeht. Die Anzahl der Läufer:innen wird immer größer und vielfältiger. Bei den 25- bis 34-Jährigen nennen 81 Prozent einen gesunden Lebensstil als Motivation. 75 Prozent der Neulinge nehmen bereits im ersten Jahr an einem Rennen teil. Mit anderen Worten: Die Kund:innen im Running-Bereich sind nicht mehr nur die erfahrenen Läufer:innen, die ihre Jahresausrüstung kaufen. Es sind auch Anfänger:innen, Gelegenheitsläufer:innen und diejenigen, die für ihren ersten 10-Kilometer-Lauf oder Marathon trainieren. Auch Trailrunner:innen, die Sport und Natur verbinden wollen, gehören dazu.

Für ein Fachgeschäft erweitert dies den potenziellen Beratungsmarkt erheblich.

Quatorze: Vom Pariser Geschäft zum nationalen Netzwerk

Auf diesem Wertversprechen baute Quatorze Running seine ersten Entwicklungsjahre auf. Der Name des Unternehmens verweist direkt auf seine Geschichte. Das Abenteuer begann 2017 in der Rue de l'Ouest 14, im 14. Arrondissement von Paris. Gründer Nicolas E. ist mit dem Fachhandel und dem Franchise-System bereits vertraut. Vor der Gründung von Quatorze war er unter anderem bei Endurance Shop tätig. Dort war er für die Entwicklung des Franchise-Geschäfts verantwortlich. Dennoch setzte Quatorze mehrere Jahre lang auf eine Expansion in Eigenregie. Das Unternehmen etablierte sein Konzept schrittweise in mehreren französischen Städten, bevor es eine neue Entwicklungsphase einleitete.

Im Jahr 2026 beschleunigt das Unternehmen nun das Franchise-Geschäft. Nach La Rochelle, dem ersten Franchise-Standort, eröffnete Quatorze kürzlich zwei weitere Franchise-Filialen in Caen und Dijon. Aber wie weit lässt sich ein auf Expertise basierendes Modell ausrollen, ohne das Versprechen zu verwässern? Durch die Kombination von eigenen Filialen und Franchise-Standorten stellt sich die Frage, ob das maßgeschneiderte Erlebnis in großem Stil reproduzierbar ist?

Franchise als Beschleuniger, nicht als Neupositionierung

Quatorze Running betont, das Franchise-System „sehr selektiv“ ausbauen zu wollen. Diese Vorsicht könnte sich als wichtig erweisen. In einem Geschäft, dessen Erfolg stark von der Kompetenz der Teams, der Beratungsqualität und der Bedarfsanalyse abhängt, sind die Franchisenehmer:innen mehr als nur Finanzgeber:innen oder Betreiber:innen. Sie werden zu lokalen Botschafter:innen des Konzepts.

Das ist wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen in der neuen Entwicklungsphase von Quatorze. Das Unternehmen will nicht nur die Anzahl der Verkaufsstellen erhöhen. Es versucht, ein ganzheitliches Erlebnis zu reproduzieren: Analyse, Produktauswahl, Betreuung, Events und Community. Die Wette beim Franchising besteht also darin, Unternehmer:innen zu finden, die dieses Versprechen in ihrer Stadt verkörpern können.

Das eigentliche Produkt: Die richtige Wahl

Die Kompetenz von Quatorze Running liegt weniger im Angebot der Schuhe als in der Art und Weise, wie das Unternehmen bei der Auswahl hilft. In einer Branche, in der Verbraucher:innen fast jedes Modell online kaufen können, oft sogar günstiger, muss das stationäre Geschäft einen Mehrwert bieten. Die Beratung wird so zu einem eigenständigen Produkt.

Das macht Running für den Fachhandel besonders interessant. Der Schuh ist ein technisches, persönliches und regelmäßig erneuertes Ausrüstungsteil. Die Wahl hängt von der Morphologie, dem Laufstil, dem Untergrund, dem Trainingsumfang und den Zielen ab. Ein Vergleich zwischen Modellen lässt sich kaum auf ein Produktdatenblatt reduzieren.

Im Unternehmertum gibt es eine einfache Idee, um vielversprechende Märkte zu erkennen: Man sollte an Enthusiast:innen verkaufen, die bereit sind, regelmäßig in ihr Hobby zu investieren. Eine amerikanische Unternehmerin fasste es so zusammen: „sell to those who have expensive hobbies“ („Verkaufen Sie an diejenigen, die teure Hobbys haben“).

Running ist natürlich nicht mit Hochseefischen, Segeln, Reiten oder Amateurastronomie zu vergleichen. Bei diesen Hobbys kann die Ausrüstung schnell mehrere Tausend Euro kosten. Aber genau das macht das Modell interessant. Der Einstieg ist relativ erschwinglich, während die Ausgaben mit zunehmender Praxis steigen können. Ein Paar Schuhe für das Training, ein weiteres für den Wettkampf, Funktionskleidung, eine Uhr, Kopfhörer, Ernährung und schließlich vielleicht noch die Trail-Ausrüstung: Die Leidenschaft baut sich schichtweise auf.

Vor allem aber betreffen diese potenziellen Ausgaben keine kleine Zielgruppe. Running spricht heute Anfänger:innen ebenso an wie erfahrene Marathonläufer:innen, Sonntagsjogger:innen und Trailrunner:innen. Es ist weniger ein teures Hobby als vielmehr ein Hobby, dessen Konsum-Ökosystem beträchtlich werden kann. Genau das macht die Nische für einen Spezialisten wie Quatorze interessant. Das Unternehmen verkauft nicht nur ein Produkt an Läufer:innen. Es kann die Entwicklung ihrer Praxis und damit auch ihrer Bedürfnisse begleiten.

Vom Modephänomen zum strukturierten Markt

Hier entscheidet sich wahrscheinlich die Zukunft von Quatorze Running. Das Unternehmen setzt nicht nur darauf, dass die Franzosen mehr laufen. Es setzt darauf, dass sie mehr für ihr Hobby ausgeben, ihre Ausrüstung besser verstehen wollen und bereit sind, für eine begleitende Beratung zu bezahlen.

Das Wachstum des Trailrunnings verstärkt diese Logik zusätzlich. Mit 1,44 Millionen registrierten Teilnehmenden bei Trail-Veranstaltungen in Frankreich im Jahr 2025, was einem Anstieg von 150 Prozent in zehn Jahren entspricht, hat sich um diese Disziplin ein ganzes Universum an Produkten, Technologien und spezifischen Bedürfnissen entwickelt. Zahlreiche Outdoor- und Runningbrands expandieren in diese Richtung.

Für Quatorze geht es also nicht mehr nur darum, Geschäfte zu eröffnen. Es geht nun darum zu beweisen, dass ein auf Expertise aufgebautes Konzept wachsen kann, ohne seine Einzigartigkeit zu verlieren. Das Franchise-Modell wird in dieser Hinsicht ein echter Praxistest sein.

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