Verdi hat die Supermarktkette Real aufgefordert, neue Verhandlungen mit der Gewerkschaft über einen Tarifvertrag für die 34 000 Real-Beschäftigten aufzunehmen. «Wer es mit den Beschäftigten ernst meint, kann auch einen rechtsgültigen Tarifvertrag für sie abschließen», sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Freitag nach einer Sitzung der Tarifkommission in Düsseldorf. So könnten nach der «Tarifflucht» des Handelskonzerns noch unnötige juristische Auseinandersetzungen und Arbeitskampfmaßnahmen verhindert werden.

Der seit Jahren schwelende Tarifstreit bei der angeschlagenen Supermarktkette Real hatte sich in den vergangenen Monaten zugespitzt. Im März hatte der Chef des Real-Mutterkonzerns Metro Olaf Koch auf Grund der «offenkundigen Blockadesituation» einen Schlussstrich unter die seit zwei Jahren andauernden Verhandlungen mit Verdi gezogen. Das Unternehmen stellte danach die Weichen, um durch eine Umstrukturierung einen Tarifvertrag unter Umgehung von Verdi abschließen zu können. Als möglicher Kandidat galt die Gewerkschaft DHV. Doch erteilte die DHV den Metro-Plänen im April erst einmal eine Abfuhr und erklärte, «Winkelzüge zum Drücken der Gehälter» trage sie nicht mit.

Grundlage für die neuen Tarifverhandlungen zwischen Real und Verdi soll nach dem Willen der Tarifkommission der Flächentarifvertrag der Gewerkschaft sein. Metro-Chef Koch beklagte sich in der Vergangenheit allerdings immer wieder darüber, dass die Branchentarifverträge bei Real zu Personalkosten führten, die nicht wettbewerbsfähig seien. Schließlich seien viele Konkurrenten nicht tarifgebunden. Von der Metro war zunächst keine Stellungnahme zu dem Vorstoß von Verdi zu erhalten. (dpa)