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Über 1000 Euro: Clean Clothes Campaign rechnet aus, was Näherinnen in Osteuropa verdienen müssten

Von Simone Preuss

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Jedes vierte Kleidungsstück, das in Deutschland verkauft wird, stammt aus einer Textilfabrik in Ost-oder Südosteuropa. Doch dort bekommen Näherinnen und Näher der großen Modemarken nur Hungerlöhne - mitunter weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in Fernost.

Die Clean Clothes Campaign hat zusammen mit Textilarbeiterinnen und -arbeitern vor Ort einen existenzsichernden Lohn für europäische Billiglohnländer wie Rumänien, Bulgarien, die Slowakei oder die Ukraine errechnet. Damit hat die EU eine Basis, ein Gesetz gegen unzureichende Mindestlöhne zu verabschieden und Modeunternehmen einen Anhaltspunkt, was sie in den entsprechenden Ländern zahlen sollten.

Was sollten Bekleidungsarbeiterinnen in Rumänien, Bulgarien, Slowakei, Ukraine verdienen?

Auch wenn sie den vor Ort gültigen Mindestlohn bekommen, bleiben viele der 2,3 Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter der ost- und südosteuropäischen Modeindustrie arm und es fehlt am Nötigsten. Als existenzsichernder Lohn gilt ein solcher, mit dem Familien ihre Grundbedürfnisse wie Ernährung, Kleidung, Wohnung, Mobilität, Hygiene, Kultur und Erholung decken und Rücklagen bilden können, mit denen sie etwa Lohnausfälle während der Pandemie überstehen.

Laut der Clean Clothes Campaign wird jedoch vielerorts nicht einmal der gesetzliche Mindestlohn gezahlt: „Beispiel Rumänien: In diesem EU-Mitgliedstaat verdient eine Näherin im Schnitt 208 Euro monatlich - 41 Euro weniger, als es das Gesetz vorsieht. Um davon leben zu können - also auch Geld für Miete und Urlaub zu haben - müsste sie jedoch 1.061 Euro verdienen“, so die Organisation in einer Pressemitteilung.

Basis-Existenzlohn für Osteuropa liegt zwischen 734 Euro und 1.558 Euro im Monat

Der grenzübergreifende Basis-Existenzlohn, der zusammen mit den Arbeitern und Arbeiterinnen ausgerechnet wurde, ist für jedes Land verschieden ist. So liegt er beispielsweise in der Slowakei bei 1.558 Euro, in Bulgarien bei 1.026 Euro und in Nordmazedonien bei 734 Euro. Die Clean Clothes Campaign fand auch heraus, dass der Mindestlohn in diesen Ländern im Schnitt nur bei einem Viertel dieses Existenzlohnes liegt.

„Modehäuser haben jetzt für Europa einen konkreten Richtwert. Sie können sich nicht mehr darauf berufen, ja den im Land gültigen Mindestlohn zu bezahlen - der übrigens meist ein Hungerlohn ist“, fasst Bettina Musiolek von der Clean Clothes Campaign zusammen, die den Basis-Existenzlohn für Europa mitentwickelt.

Mindestlohn oft nur ein Viertel des Existenzlohns

Dieser könnte auch für das EU-Parlament eine wichtige Leitlinie sein. „Nicht nur die Modeunternehmen blockieren durch ihre Preispolitik vor Ort die Zahlung höherer Löhne - auch die EU hat durch Auflagen, verbunden mit Kreditvergaben an Osteuropa, die Setzung höherer Mindestlöhne behindert“, kritisiert Musiolek. Sie fordert von der EU, bei ihrem laufenden Gesetzgebungsverfahren für wirklich angemessene Mindestlöhne zu sorgen, die auch kontrolliert und effektiv umgesetzt werden.

Im „Firmencheck 2019“ hat die Clean Clothes Campaign die 45 wichtigsten europäischen Marken von A wie Adidas bis Z wie Zalando daraufhin untersucht, was sie ihren Näherinnen zahlen. Der vollständige Bericht kann auf der Saubere-kleidung.de-Website heruntergeladen werden.

Bild: Pexels

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