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Myanmars Bekleidungsindustrie bittet nach Erdbeben um Unterstützung

Von Simone Preuss

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Flagge von Myanmar. Bild: Chuck Moravec via Creative Commons / Flickr

Nach dem Erdbeben der Stärke 7,7, das Myanmar am vergangenen Freitag, dem 28. März, erschütterte und mehr als 2.700 Menschenleben forderte, haben der Verband der Bekleidungshersteller Myanmars (MGMA) und Partnerverbände finanzielle Unterstützung für das bekleidungsproduzierende Land gefordert.

Auf lokaler Ebene fordern sie Fabrikbesitzende, Management und Mitglieder auf, Geldspenden für Bedürftige zu leisten, insbesondere in der Nähe von Mandalay – dem Epizentrum des Erdbebens – sowie in den Regionen Nay Pyi Taw und Sagaing.

Myanmars Bekleidungsindustrie ist auf nationale und internationale Hilfe angewiesen

Auf internationaler Ebene erklärte Aye Mi Shein, Geschäftsführerin des MGMA, gegenüber Just Style, dass der Verband dabei sei, Rettungsaktionen internationaler Organisationen aus Großbritannien, den USA, Vietnam, Indonesien, Malaysia, Russland, Indien und China zu koordinieren.

Internationale Marken und Einzelhandelsunternehmen, die in Myanmar fertigen lassen, werden gebeten, ihre Lieferbetriebe in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen; ähnlich wie in der Türkei, als das Land im Februar 2023 von verheerenden Erdbeben heimgesucht wurde.

„Es gibt eine Handvoll größerer Fabriken in Mandalay und Umgebung, die für internationale Exportmärkte produzieren. Diese Fabriken könnten schwer betroffen sein. Es gibt mehrere hundert kleine familiengeführte Textilfabriken, die Baumwollstoffe und Bekleidung für den lokalen Markt herstellen, und ich befürchte, dass viele von ihnen schwer getroffen wurden, da sich viele dieser Betriebe der Heimindustrie im Umkreis von etwa 50 Kilometern um das Epizentrum befinden“, kommentierte Jacob Clere, Teamleiter bei Smart Myanmar, im Gespräch mit Just Style.

Ein Kleidungsstück „Made in Myanmar“. Bild: FashionUnited

Während sich die Mehrheit der großen Bekleidungsexportfabriken aufgrund einer besseren industriellen Infrastruktur und des Hafenzugangs sowie einer langen Tradition in der Bekleidungsherstellung in den Regionen Yangon und Bago konzentriert, beherbergt die Stadt Mandalay und die umliegenden Regionen (vertikal integrierte) Bekleidungsfabriken, die auch Färben und Stoffe produzieren und handeln. Sagaing ist Sitz mehrerer Hundert kleiner, familiengeführter Textilfabriken, die hauptsächlich für den heimischen Markt produzieren. Obwohl sich die genauen Auswirkungen des Erdbebens auf die Bekleidungs- und Textilindustrie des Landes erst nach einiger Zeit zeigen werden, sind Lieferkettenverzögerungen und -unterbrechungen zu erwarten, die Geduld und Verständnis von den internationalen Auftraggeber:innen erfordern.

Die Entwicklung der Bekleidungsindustrie Myanmars

Myanmar hat eine lange Geschichte in der Bekleidungsproduktion. Die ersten Textilfabriken wurden unter britischer Herrschaft zwischen 1824 und 1948 gebaut. Im Jahr 1988 wurden die ersten ausländischen Investitionen in Myanmar zugelassen, was zu einem erheblichen Wachstum führte. Mit der Aufhebung der europäischen und amerikanischen Handelssanktionen stieg das Exportvolumen von Bekleidung, Schuhen und Accessoires allein in den letzten zehn Jahren um 750 Prozent und erreichte laut MGMA-Daten im Jahr 2022 9,3 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2022 exportierte Myanmar laut der Europäischen Handelskammer in Myanmar Bekleidung im Wert von rund 7,6 Milliarden US-Dollar.

Diesem Exportwachstum ging ein Anstieg der Investitionen in Industriefabriken voraus, wodurch sich die Zahl der Bekleidungsfabriken (mit 100 oder mehr Beschäftigten) von etwa 220 Fabriken im Jahr 2013 auf über 600 im Jahr 2018 fast verdreifachte. Diese beschäftigen rund 560.000 Arbeiter:innen.

Die meisten Betriebe arbeiten jedoch mit einem Cut, Make and Package (CMP)-Produktionssystem, sind also nur für die Herstellung der Kleidungsstücke verantwortlich und nicht an den Design- und/oder Beschaffungsprozessen beteiligt. Das bedeutet, dass Materialien wie Stoffe, aber auch Reißverschlüsse und Knöpfe importiert werden müssen, wodurch eine Abhängigkeit von diesen Lieferbetrieben entsteht.

Angesichts des Militärputsches im Jahr 2021 und Arbeitsrechtsverletzungen wie Kinderarbeit und niedrigen Löhnen haben internationale Marken und Einzelhandelsunternehmen wie H&M, Inditex, Primark und Marks & Spencer ihre Aktivitäten im Land zugunsten anderer bekleidungsproduzierender Länder in der Region wie Bangladesch, Vietnam, Kambodscha und Indonesien in den letzten Jahren schrittweise verringert beziehungsweise eingestellt.

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