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Lieferverzögerungen durch Lockdown in Vietnam und Probleme mit Stromversorgung in China

Von Simone Preuss

13. Okt. 2021

Business

Containerschiff auf der Elbe / Foto: Andrey Sharpilo / Unsplash

Durch den anhaltenden Lockdown in Vietnam verspäten sich Waren aus den Häfen des südostasiatischen Landes derzeit im Schnitt um 25 Tage, während die unterbrochene Stromversorgung in chinesischen Fabriken ebenfalls den Import von Produkten aus Fernost belastet. Dies wird auch das bevorstehende Weihnachtsgeschäft beeinträchtigen, da viele Handelnde bereits seit Monaten unter hohen Transportkosten und fehlenden Frachtkapazitäten leiden und jetzt im vierten Quartal die Auswirkungen der beiden zusätzlichen Schwierigkeiten zu spüren bekommen.

Apple, Adidas und Nike stark betroffen

Vom Lockdown in Vietnam stark betroffen sind unter anderem Apple, Adidas und Nike. Das US-Unternehmen beispielsweise lässt die Hälfte seiner Schuhe und ein Drittel der Kleidung am Mekong produzieren und verlor schon zehn Produktionswochen. Das Bochumer Softwarehaus Setlog rechnet damit, dass es noch Monate dauern wird, bis sich die gesamten Lieferketten wieder erholt hat.

„Viele Fabrikarbeiter sind von den Städten aufs Land geflohen, um zu überleben, weil es keine Arbeit gab, die Fabriken geschlossen waren oder nur Wochenschichten gemacht werden konnten“, erklärt Ralf Düster, Mitglied des Setlog-Vorstands. Er rechnet damit, dass es weitere Produktionsverlagerungen aus Vietnam geben wird, das in jüngster Zeit für viele Unternehmen als Alternative zu China gewählt wurde.

Weihnachtsgeschäft betroffen

Nach Ansicht von Setlog-Fachleuten für Supply Chain Management wird sich die Situation bis nach Weihnachten nicht wesentlich verändern. Frühestens ab dem Osterfest 2022 werde es signifikante Erleichterungen geben.

Diese Prognose bestätigen auch die Zahlen: Für eine Analyse wertete das Unternehmen Daten von 100 Firmen und Marken aus der zweiten Jahreshälfte 2019 und 2021aus, die Setlogs SCM-Software OSCA nutzen. Die Auswertung ergab, dass sich Produkte aus Vietnam um durchschnittlich bis zu 25 Tage verspäten, ehe sie hierzulande in den Warenlagern eintreffen. Überhaupt kommen 2021 nur 17 Prozent aller Lieferungen pünktlich an; im Jahr 2019 waren es 70 Prozent, 2020 rund 38 Prozent.

Verzögerungen betreffen Seefracht und Bahn

Die Fachleute schauten sich speziell den Seefrachtbereich an und stellten fest, dass sich die Transportzeit für Container aus Fernost im Schnitt um neun Tage verlängerte; sie sind dieses Jahr bis zu 52 Tage auf Reisen. Aber auch mit der Bahn gibt es tagelange Lieferverspätungen. Grund hierfür waren Kapazitätsengpässe und verzögerte Abfertigungen an mehreren Zollübergängen. Setlogs Auswertungen ergaben, dass Buchungen für die Bahn durchschnittlich vier bis sechs Wochen vor dem Abfahrttermin des Güterzugs gemacht werden.

Düster sieht jedoch einen Hoffnungsschimmer am Horizont: Die Frachtraten pendelten sich in den vergangenen Wochen ein uns es gab sogar erste Ratenreduzierungen – wenngleich auf einem Niveau das, je nach Relation, Reederei und Loop, dem Sechs- bis Achtfachen dessen vor der Pandemie entspricht. Vorab bezahlte (Prepaid-) Raten sanken zum Teil um etwa 1.500 US-Dollar (rund 1.300 Euro). Einige Reedereien wollen ihre Raten einfrieren. Auch die Verfügbarkeit von Seecontainern hat sich leicht entspannt. Sie sind auf fast allen Strecken verfügbar und nur in Einzelfällen kommt es noch zu Problemen.

Gute Planung und Zusammenarbeit sind der Schlüssel

„Wichtig ist hierbei weiterhin, dass frühzeitig gebucht wird und Lieferanten, Spediteure, Carrier sowie Importeure kollaborativ eng zusammenarbeiten. Daten und Informationen müssen transparent, schnell und digital ausgetauscht werden“, rät Düster. Langfristig glaubt er, dass sich die Turbulenzen dieses Jahres wieder legen.

„Aber Probleme wie etwa der Mangel an Zehntausenden von Lkw-Fahrern insbesondere in Großbritannien, aber auch in Deutschland, anderen EU-Staaten sowie in den USA werden die Lieferketten massiv stören, wenn nicht zeitnah Maßnahmen ergriffen werden“, gibt Patrick Merkel, Geschäftsführer der Hamburger Prologue Solutions GmbH, zu bedenken.