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Ein Jahr Pandemie: Das Überleben der digital Bestangepassten

Von Don-Alvin Adegeest

30. Apr. 2021

Als Tommy Hilfiger 2015 einen vollständig digitalen Showroom einführte, ahnte die Branche nicht, dass dies die Zukunft des Großhandels einläuten würde. Das Unternehmen bot zwar eine nahtlose Schnittstelle von Verkaufstools und einen neuartigen Touchscreen, auf dem Einkäufer Kollektionen begutachten können, ohne Muster sehen zu müssen, hatte aber selbst nicht damit gerechnet, dass Einkäufer eines Tages nicht mehr in der Lage sein würden, physisch in den Showroom zu kommen – digital oder nicht.

Dann kam 2020, das Jahr, in dem die Mode digital werden musste. Alle Akteure der Branche mussten rasant digitalisieren, weil der traditionelle B2B- und B2C-Handel plötzlich nicht mehr möglich war. Es erwies sich als ein evolutionärer Scheidepunkt für die Branche, an dem die Bestangepassten überlebten und gediehen – und die digital Unangepassten auf der Strecke blieben.

Das Überleben der Bestangepassten

Mit der Absage von Messen, dem Verbot von Reisen und der Verlegung von persönlichen Showroom-Meetings ins Internet war während der Pandemie für Marken der einzige Ausweg der Verkauf an internationale Kunden über einen digitalen Showroom.

Digitale Showrooms verlagern den gesamten Order und Einkaufsprozess ins Internet

Digitale Showrooms ermöglichen es Marken, Kollektionen mit Klick zu teilen und virtuelle Termine mit Händlern zu vereinbaren. Je nach Software kann auf 3D-Produktbilder und Kollektionsvideos zugegriffen werden, die Sortimentsplanung kann durch interaktives Merchandising maximiert werden und Bestellungen mit Lieferterminen und Zahlungsbedingungen sind schnell abgeschlossen – alles innerhalb der gleichen Plattform. Es gibt eine große Auswahl an digitalen Showrooms, aber einige der erfolgreichsten Plattformen sind Joor, Hatch, Ordre, BrandLab360, NuOrder, Dtail, Colect, Fashion Cloud, Le New Black und Quintet24, von denen viele weltweit führende Marken repräsentieren, von High Street über Luxus bis hin zu Made-to-Order. Joor zum Beispiel hat über 12.500 Marken auf seiner Liste und über 300.000 Modehändler aus 144 Ländern nutzen die Plattform täglich. Diese Plattformen rationalisieren den B2B-Verkaufsprozess und ermöglichen es Einkäufern auch, neue Kollektionen und Designer zu entdecken.

Bild: Joor

Nachhaltige Überlegungen ohne Samples

In einem Interview mit dem digitalen Vertriebskanal Shopify fasste Dtails Chief Product Officer Joost Alferdinck zusammen: „Die Vorteile von virtuellen Mustern sind weithin dokumentiert und werden nun endlich auch von der Modebranche angenommen. Die Marken erkennen das Potenzial der digitalen Arbeitsweise, besonders in Zeiten von Lockdowns und geschlossenen Showrooms. Virtuelle Samples bieten große Kosten- und Umweltvorteile. Es entstehen keine Kosten für die Logistik, für Fotografie, kein CO2-Fußabdruck und es gibt unendlich viele verfügbare Stücke.“

Das Einzelhandelsdilemma

Aber nicht nur Marken sollten sich die Technologie zu eigen machen, um 2020 zu überleben. Trotz des Herbeiredens eines sogenannten „Revenge Shopping“-Trends sind immer weniger Verbraucher bereit, Geschäfte zu besuchen, da viele Geschäfte für den größten Teil des vergangenen Jahres geschlossen waren. Die Konsumenten haben sich daran gewöhnt, nicht mehr physisch in die Läden zu gehen, was Marken und Einzelhändler dazu zwingt, E-Commerce und digitalen Kundenservice wie nie zuvor zu nutzen.

Interaktiv und sinnvoll

Das Bestreben der digitalen Pure Player, die Online-Order interaktiver und sinnvoller zu gestalten, verstärkte im Laufe des Pandemiejahres einen zukünftigen Einkaufstrend unter den britischen Verbrauchern. Laut einem Bericht von ChannelAdvisor vom September 2020 verstärkte sich die Absicht, online einzukaufen, auch nachdem die Geschäfte wieder geöffnet hatten. Im Mai 2020, auf dem Höhepunkt der ersten Schließung, sagten 42 Prozent der Konsumenten, dass sie in Zukunft mehr digital einkaufen würden. Im August, dem Monat nach der Wiedereröffnung der nicht-essentiellen Geschäfte, war dieser Anteil auf 55 Prozent gestiegen.

Die digitale Zukunft der Modewoche

Die Auswirkungen von Covid-19 haben nicht nur den Orderprozess digitalisiert, sondern auch den Laufsteg und die Zukunft der Modewochen verändert. Frankreichs Federation de la Haute Couture et de la mode (FCHM) veranstaltete im vergangenen Juni eine digitale Modewoche für Herren- und Haute Couture. In Zusammenarbeit mit Launchmetrics wurde ein digitaler Hub entwickelt, um das Branchenevent online für Presse, Einkäufer im Einzelhandel und Verbraucher weltweit zugänglich zu machen. Während es gemischte Kritiken von Einkäufern über digitale Modewochen gab, sammelte der virtuelle Showroom schließlich über 19,4 Millionen Aufrufe auf allen Kanälen, einschließlich YouTube, Weibo und Tencent Video.

Es ist offensichtlich, dass sich die Branche im Jahr 2021 und darüber hinaus weiterentwickeln und die Digitalisierung annehmen wird. Fest steht: Die Mode hat eine digitale Evolution durchlaufen, die sich nicht wieder umkehren wird.

Quellen: Shopify, Hatch, eMarketer, LSN Global, Retail Touch Points

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

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Titelbild: Hatch