Tag der menschenwürdigen Arbeit: 140 Euro sind das Ziel

Jährlich am 7. Oktober, dem 'Tag der menschenwürdigen Arbeit', wird verstärkt für die Rechte und einen besseren Lebensstandard von ausgebeuteten Arbeitern gekämpft. Anlässlich dessen fordern Inkota-Netzwerk und die Kampagne für saubere Kleidung die Modeunternehmen

H&M, Adidas, GAP, Levis, C&A, Inditex und Puma sowie alle weiteren Kunden der kambodschanischen Bekleidungsindustrie zu einem monatlichen Mindestlohn von umgerechnet 140,87 Euro auf.

Tag der menschenwürdigen Arbeit: 140 Euro sind das Ziel140 Euro – dafür kauft sich der Deutsche vielleicht das 37. Paar Schuhe oder die 20. Jeans. In Kambodscha können Näherinnen davon einen ganzen Monat lang essen, wohnen und leben – zwar notdürftig, aber es wäre schon eine Verbesserung zu den knapp 80 Euro, die momentan die Mindestlohngrenze markieren. Das Problem ist nur, dass diese 140 Euro (177 US-Dollar) Mindestlohn noch nicht gesetzlich festgelegt sind, was so viel heißt wie: von diesen 140 Euro Gehalt sind die Näherinnen weit entfernt. Am 10. Oktober wird in Kambodscha der neue offizielle Mindestlohn bekannt gegeben, um diesen auf ein menschenwürdiges Level zu heben, engagieren sich zwei kambodschanische Gewerkschaften und üben in Deutschland Druck auf H&M und Co. aus.

H&M gilt als großer Hoffnungsträger

„Es kann nicht sein, dass etwa 500.000 kambodschanische Textilarbeiter und Textilarbeiterinnen trotz überlanger Arbeitstage in der Armutsspirale gefangen bleiben“, sagt Berndt Hinzmann vom Inkota-Netzwerk. „Die Bundesregierung zeigt mit dem geplanten Textilbündnis für öko-soziale Standards, dass sie auf politischer Ebene neue Rahmenbedingungen setzen will. Jetzt müssen auch Markenfirmen und Handelshäuser zeigen, dass sie an der Schaffung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie interessiert sind.“

H&M gilt als großer Hoffnungsträger, mit guten Beispiel voranzugehen. Der schwedische Modegigant ist einer der größten Kunden in Kambodscha und verfügt somit über eine gewisse Macht. Bereits im November 2013 stellte der Konzern einen Aktionsplan für einen fairen Existenzlohn vor, nun ist es an der Zeit diesen auch umzusetzen und Taten folgen zu lassen.

„Ein Lohn, von dem die Arbeiterinnen und Arbeiter wirklich leben können, müsste laut den Berechnungen der Asia Floor Wage Alliance fast viermal höher sein als der aktuelle gesetzliche Mindestlohn von 100 US-Dollar (rund 80 Euro)“, erklärt Hinzmann weiter. „Die Forderung nach einem Mindestlohn von 177 US-Dollar (rund 140 Euro) kann also nur als Untergrenze gelten, zu der sich internationale Markenfirmen wie H&M, Adidas, GAP, Levis, C&A, Inditex und Puma öffentlich bekennen sollten.“

Die zwei kambodschanischen Gewerkschaften, die in Berlin zu Gast sind, berichten aus erster Hand von den Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken Kambodschas und von der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste Ende 2013 und Anfang 2014 durch Polizei und Militär. „Ich bin der Meinung, die Marken, für die ich nähe, müssen ihren Teil zur Lösung beitragen. Sie können sich nicht einfach zurücklehnen“, sagt Sean Sopholm, gewerkschaftliche Organisatorin aus Kambodscha.

Laut einem Ranking der Kampagne für saubere Kleidung zahlen unter anderem Aldi, Carrefour, Charles Vögele, Esprit, Gucci, Mango, Orsay und Versace die menschenunwürdigsten Löhne. Immer noch nachlässig, aber zumindest etwas besser sind Asics, C&A, GAP, Nike, G-Star, Lidl und New Balance. Adidas, H&M, Primark, Puma und New Look zahlen immerhin passable Löhne – für diese Verhältnisse. Auf dem besten Weg sind jedoch Inditex, zu dem auch Zara gehört, Marks & Spencer, Tchibo und Switcher.


 

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