Francesca Bellettini: Die CEO, die Guccis Zukunft in ihren Händen hält
Die Modebranche ist von dynamischen Verschiebungen und Tradition geprägt. Vor diesem Hintergrund markiert die Ernennung von Francesca Bellettini zur Präsidentin und Chief Executive Officer (CEO) des italienischen Luxushauses Gucci im September einen entscheidenden Moment. Gucci, die Flaggschiff-Marke des französischen Luxuskonzerns Kering, kämpft weiterhin mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen, und Bellettini wurde mit der dringenden Aufgabe betraut, einen der bekanntesten Namen der Modewelt wiederzubeleben.
Von der Finanzwelt in die Modebranche
Die in Italien geborene Bellettini begann ihre Reise an die Spitze der Modeindustrie fernab der Ateliers von Mailand oder Paris. „Ich wusste nicht, dass ich in der Modebranche arbeiten wollte“, sagte sie in einem Gespräch mit Studierenden der Brown University auf der Videoplattform Youtube. „Ich wollte viele verschiedene Dinge tun, aber ich wusste, dass ich ein Unternehmen leiten wollte.“
Sie schuf sich eine solide akademische Basis und schloss ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Bocconi-Universität in Mailand ab. Die renommierte Universität verlangte eine Aufnahmeprüfung. Also schmiedete Bellettini auch einen ehrgeizigen Plan B, eine Gewohnheit, die sie als typisch für sich selbst beschreibt.
Ihr damaliger Alternativplan war, Maschinenbau in Bologna zu studieren und später an den Rennstrecken von Ferrari zu arbeiten. (Wie es das Schicksal wollte, trat sie Jahre später als nicht-geschäftsführendes Mitglied in den Vorstand des ikonischen italienischen Autoherstellers ein.)
Plan A war jedoch erfolgreich und Bellettini begann ihre berufliche Laufbahn in London. Dort schärfte sie ihre analytischen Fähigkeiten als Investmentbankerin. Ihre Laufbahn umfasste wichtige Positionen bei renommierten Finanzinstituten wie Goldman Sachs International, Deutsche Morgan Grenell und Compass Partners International. Diese Positionen ermöglichten ihr Einblicke in verschiedene Branchen, bis sie sich zunehmend von der Mode angezogen fühlte.
Im Jahr 1999 wechselte Bellettini von der Finanzwelt in die komplexe und glamouröse Modewelt. Sie trat in die Abteilung für Geschäftsplanung und -entwicklung des italienischen Luxuskonzerns Prada-Gruppe ein, was ihren ersten Einstieg in die Branche markierte. Es war keine leichte Entscheidung, die von Pradas CEO Patrizio Bertelli angebotene Position bedeutete eine Halbierung ihres Gehalts. Ihr Vater riet ihr jedoch, ihrer Intuition zu folgen.
„Francesca, du bist erst 29 Jahre alt. Folge deinem Herzen“, sagte er. „Es ist zu früh, um Entscheidungen auf der Grundlage von Geld zu treffen.“ Später erweiterte sie ihre operativen Kenntnisse als Operations Managerin für Helmut Lang. Die Marke wurde von der Prada-Gruppe übernommen, um ein Luxuskonglomerat aufzubauen.
Ein bewährter Weg der Transformation
Bellettinis Karriere bei Kering begann 2003. Sie trat der damaligen PPR Luxury Group als Direktorin für strategische Planung und stellvertretende weltweite Merchandising-Direktorin für Gucci bei. Ihr Scharfsinn und ihre strategischen Fähigkeiten wurden schnell erkannt. Dies führte zu einer Reihe von zunehmend einflussreichen Positionen innerhalb des Konzerns. 2008 wechselte sie zum italienischen Luxusgüterhaus Bottega Veneta, wo sie 2010 zur weltweiten Merchandising- und Kommunikationsdirektorin ernannt wurde.
Ein entscheidendes Kapitel ihrer Karriere begann 2013, als sie zur Präsidentin und Chief Executive Officer des französischen Luxushauses Saint Laurent berufen wurde. Während ihrer zehnjährigen Leitung von Saint Laurent vollzog Bellettini eine bemerkenswerte Transformation. Sie brachte die Marke in den oft als exklusiven ‚Milliarden-Euro-Club‘ der Luxushäuser bezeichneten Kreis. Unter ihrer Führung stiegen die jährlichen Einnahmen von Saint Laurent von über 557 Millionen Euro auf über drei Milliarden Euro innerhalb von zehn Jahren, womit sie das bei ihrem Antritt gesteckte Ziel übertraf.
Diese Zeit festigte ihren Ruf als Führungspersönlichkeit, die in der Lage ist, kühne kreative Visionen in bedeutende kommerzielle Meilensteine umzusetzen. Ihr Führungsstil, der als selbstbewusst und vertrauensvoll beschrieben wird, stärkte ihre Teams. Er schuf ein Umfeld, das sowohl kreative Freiheit als auch disziplinierte Umsetzung förderte.
„Der größte Fehler, den man in seiner Karriere machen kann, ist, keine Entscheidung zu treffen, weil man Angst hat, Fehler zu machen“, riet Bellettini den Studierenden bei ihrem Gesrpäch 2021. „Ich musste daran arbeiten, weil ich eine Perfektionistin bin und am Anfang große Angst hatte, Fehler zu machen.“ Diese Denkweise könne aber Probleme verursachen. Sie verlangsamt die Menschen oder fördert die falsche Überzeugung, dass man die Dinge besser unter Kontrolle hat, wenn man alles alleine tut. Sie argumentiert, dass Fehler als eine Folge der Tatsache gesehen werden sollten, dass Entscheidungen getroffen werden müssen. Ebenso ermutigt sie ihre Teams, Fehler als Chancen zum Lernen zu betrachten; wichtig sei aber zu analysieren, warum sie passiert sind.
Ihr Erfolg bei Saint Laurent führte schließlich zu ihrer Beförderung im September 2023. Sie wurde zur stellvertretenden Chief Executive Officer von Kering ernannt und mit der Markenentwicklung des gesamten Portfolios des Konzerns betraut. In dieser Funktion berichteten alle CEOs der Marken an sie, was ihr eine umfassende Aufsicht und strategischen Einfluss verschaffte.
Gucci neu entfachen
Bellettinis Rückkehr zu Gucci als Chief Executive Officer im September ist ein zentraler Bestandteil einer umfassenderen strategischen Neuausrichtung unter Kerings neuem CEO, Luca de Meo. Diese zielt darauf ab, eine schlankere und agilere Organisationsstruktur zu schaffen. Seine Entscheidung, die Positionen der stellvertretenden CEOs abzuschaffen, unterstreicht das Bekenntnis zu schnellerer Entscheidungsfindung und klarerer Verantwortlichkeit. Sie ersetzte Stefano Cantino, der die Position nur für kurze Zeit innehatte. Dies unterstreicht die Dringlichkeit des Wandels innerhalb der italienischen Marke.
Bellettinis Führungsphilosophie betont die Förderung von Kreativität und Authentizität. Sie plädiert für eine klare strategische Ausrichtung, eine sorgfältige Priorisierung und die Förderung einer agilen Unternehmenskultur, die gewünschte Verhaltensweisen unterstützt.
„Das Erfolgsgeheimnis ist eine sehr klare Strategie und eine sehr sorgfältige Umsetzung“, sagte Bellettini über ihren Erfolg bei Saint Laurent. Das bedeutet keine Kompromisse bei der Mode, der Positionierung und der DNA. „Die Rolle des:der CEO ist es auch zu wissen, worauf man sich am meisten konzentrieren muss.“
Sie hat die bewiesene Fähigkeit, kühne kreative Visionen mit strengen Geschäftsstrategien in Einklang zu bringen. Dies ist eine entscheidende Fähigkeit in ihrer Zusammenarbeit mit Guccis Kreativdirektor Demna Gvasalia. Bellettini sieht ihre Rolle darin, Kreativdirektor:innen zu stärken. Sie gewährt ihnen die Freiheit zur Innovation und stellt gleichzeitig die kommerzielle Rentabilität sicher. Als CEO hält sie es für wichtig, eine authentische und respektvolle Beziehung zu Kreativdirektor:innen aufzubauen. Das bedeutet auch, sich von seinem eigenen Geschmack und Urteil zu distanzieren.
„Wenn man in der Mode arbeiten will, ist der eigene Geschmack, was man mag und was nicht, ein zu oberflächlicher Kommentar“, sagte Bellettini. Ein Vorfall zu Beginn ihrer Karriere half ihr, ein Bewusstsein für den immensen Druck zu entwickeln, dem Designer:innen bei ihrer Arbeit in der Modebranche ausgesetzt sind. Sie betont gegenüber ihren Mitarbeiter:innen, die kreative Arbeit wertzuschätzen, die mit einem leeren Blatt beginnt und sich zu Produkten entwickelt, die Menschen zum Träumen bringen.
Die Last der Erwartungen
Während Francesca Bellettini dieses entscheidende Kapitel bei Gucci beginnt, sind die Erwartungen der Branche beträchtlich. Ihr Auftrag ist klar: das reiche Erbe der Marke mit zeitgenössischer Relevanz neu auszurichten; die kreative Vision mit kaufmännischem Scharfsinn zu verbinden; und die Unternehmensführung durch eine rigorose Umsetzung zu straffen.
Gvasalia hat bereits seine Vision vorgestellt und den extravaganten Stil des Hauses in eine Reihe von Charakteren verwandelt, mit denen sich die Verbraucher:innen identifizieren können. Die Umsätze von Gucci sinken Quartal für Quartal weiter; allein im letzten Jahr nahmen sie um 19 Prozent ab. Es bleibt abzuwarten, wie Bellettinis bewährte Fähigkeit, kreative Vision mit kaufmännischem Scharfsinn zu verbinden, die Entwicklung von Gucci in einem krisengeschüttelten und hart umkämpften Luxusmarkt neu definieren wird.
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