Die ‘Dos and Don'ts’ für den Traumjob in der Modebranche: Neugier, Strategie und Karrierevision
Der Traumjob in der Modebranche hängt nicht mehr nur vom Interesse an der Branche oder einem aussagekräftigen Lebenslauf ab. Laut Luis Lara Arias, einem internationalen Berater mit Spezialisierung auf Einzelhandel und Strategie, suchen Unternehmen heute weitaus besser vorbereitete Profile. Diese sollten über echtes Branchenwissen verfügen und die Fähigkeit besitzen, das Geschäft von innen heraus zu verstehen.
Mit einer Karriere, die Unternehmen wie Marks & Spencer, The Walt Disney Company, Inditex und Pronovias umfasst, hat Lara Arias jahrelang die Entwicklung von Rekrutierungsprozessen beobachtet. Er hat analysiert, welche Fähigkeiten für den Einstieg in die Branche unerlässlich geworden sind. „Als ich anfing, war es nicht so schwierig, in der Modebranche zu arbeiten“, erklärt er und fügt hinzu: „Die Unternehmen suchten eher generalistische Profile. Heute ist mein Gefühl, dass eine spezialisierte Ausbildung notwendig ist und viele Unternehmen frühere Erfahrungen im Verkauf auf der Fläche schätzen.“
Dieser Artikel ist Teil von ‘The Do’s and Don’ts’, einer Serie von FashionUnited. Sie vereint Einblicke von Branchenexpert:innen, um die häufigsten Erfolge und Fehler bei wichtigen Geschäftsentscheidungen in der Mode aus praktischer Sicht zu analysieren.
Ein zunehmend wettbewerbsintensiver Sektor
Laut Lara Arias ist eine der wichtigsten Veränderungen der letzten Jahre die Professionalisierung der Branche. Mode ist kein Bereich mehr, in dem ein bloßes Interesse ausreicht. Sie ist zu einer Industrie geworden, die eine spezifische Vorbereitung erfordert. „Heute verlangen viele Unternehmen eine Art von spezialisierter Ausbildung“, stellt er fest.
In seiner Rolle als außerordentlicher Professor an der Mode-Wirtschaftsschule ISEM sagt Lara Arias, dass viele Unternehmen diese akademischen Einrichtungen als direkte Rekrutierungskanäle nutzen. „Große Marken kommen an diese Schulen, um Vorstellungsgespräche zu führen. Das ist ein Tor zur Branche“, erklärt er.
Aber über die Ausbildung hinaus besteht er auf einem weiteren wichtigen Punkt: dem Verständnis, wie das Geschäft funktioniert.
Die Bedeutung des Karrierebeginns im Store
Obwohl viele Kandidat:innen Positionen in der Unternehmenszentrale oder in der Strategie anstreben, ist der Point of Sale laut Lara Arias nach wie vor einer der besten Orte, um zu lernen, wie ein Modeunternehmen funktioniert. „Man muss nah am Markt bleiben und wirklich verstehen wollen, was die Kund:innen denken“, sagt er. „Und das geschieht, indem man im Geschäft arbeitet.“
Er sieht den Einzelhandel keineswegs als weniger wertvoll an. Stattdessen argumentiert er, dass die Erfahrung im Laden Fachleuten hilft, wesentliche Aspekte des Geschäfts zu verstehen – wie das Verbraucher:innenverhalten, den Produktfluss und die Kommunikation mit der Zentrale.
„Ich sage immer, dass der Schlüssel zum Erfolg nicht nur in Big Data, sondern auch in Small Data liegt“, erklärt er. „Alle Informationen, die man sammelt, indem man Kund:innen in der Umkleidekabine beobachtet oder sieht, welche Kleidungsstücke sie kaufen, sind äußerst wertvoll.“
Die Dos
„In Unternehmen wie Inditex bestimmt das Geschäft alles, was in der Zentrale passiert“, erklärt er.
Die Don'ts
„Es gibt Leute, die in der Mode arbeiten wollen und keine Ahnung haben, was in der Branche vor sich geht“, warnt er.
„In Unternehmen wie Inditex ist die Basis die Spitze“, fasst er zusammen.
Unternehmen bewerten auch Potenzial, Neugier und die Fähigkeit von Kandidat:innen, kritisch zu denken.
Was sollten Kandidat:innen beachten?
Für Lara Arias erfordert der Einstieg in die Modebranche eine Kombination aus Ausbildung, Erfahrung und Beobachtungsgabe.
Über das Interesse an Marken oder Trends hinaus ist es seiner Meinung nach unerlässlich, die Funktionsweise der Branche in der Tiefe zu verstehen. Das reicht von den Beziehungen zur Kundschaft bis zur kommerziellen Dynamik der Geschäfte.
Er betont auch die wachsende Bedeutung des Personal Branding als Unterscheidungsmerkmal. „Eines der ersten Dinge, die ein Unternehmen vor der Einstellung tut, ist, sich Ihr LinkedIn-Profil anzusehen“, erklärt er. „Wenn dort wertvolle Inhalte zu finden sind, sammelt diese Person Pluspunkte.“
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entwicklung von Geduld und einer langfristigen Vision. Laut Lara Arias muss der erste Job nicht unbedingt bei einer Traummarke sein, aber er kann zu einer Plattform für Lernen und Wachstum werden.
Echte Fälle
Während seiner beruflichen Laufbahn hat Lara Arias beobachtet, wie große Modeunternehmen Talente von Junior-Profilen zu Führungspositionen entwickeln. Ihm zufolge haben viele Personen, die heute strategische Rollen in der Branche innehaben, ihre Karriere in Geschäften oder durch spezialisierte Ausbildungsprogramme begonnen.
Aus seiner Erfahrung als Führungskraft und Professor weiß er, dass Unternehmen besonders Menschen schätzen, die das Geschäft aus einer ganzheitlichen Perspektive verstehen. Sie sollten zudem eine ständige Lernbereitschaft zeigen.
Er hebt auch hervor, dass spezialisierte Wirtschaftsschulen zunehmend als direkte Verbindungsstellen zwischen Studierenden und internationalen Unternehmen fungieren. Dies erleichtert den Zugang zu Karrieremöglichkeiten in der Branche.
Wichtigste Erkenntnis
Der Einstieg in die Modebranche erfordert heute viel mehr als nur eine ästhetische Affinität oder ein Interesse an Trends.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Unternehmen suchen Profile mit Neugier, Geschäftskenntnissen und der Fähigkeit, eine langfristige Karriere aufzubauen.
Die abschließende Überlegung von Luis Lara Arias fasst seine Vision für den Berufseinstieg in der Branche zusammen: „Man braucht Neugier, die Bereitschaft, hart zu arbeiten, und die Demut, ganz unten anzufangen. Denn in der Mode ist die Basis oft die Spitze.“
- Er ist ein internationaler Berater, der auf Einzelhandel, Strategie und die Expansion von Modeunternehmen spezialisiert ist. Mit Abschlüssen in Betriebswirtschaft und Jura begann er seine Karriere in der Beratung, bevor er in den Einzelhandel zu Unternehmen wie Marks & Spencer und Walt Disney wechselte.
Er arbeitete später bei Inditex als internationaler Direktor und war an Expansions- und Franchise-Entwicklungsprojekten in verschiedenen Märkten beteiligt. Anschließend wechselte er zu Pronovias als Retail General Manager und leitete internationale Ladeneröffnungen in Städten wie New York, London, Paris, Mailand und Tokio.
Derzeit leitet er die Beratungsfirma Retalent, berät Investmentfonds sowie Modeunternehmen und lehrt an spezialisierten Modewirtschaftsschulen wie der ISEM.
Er ist auch Autor von Büchern mit den Schwerpunkten Einzelhandel und Handelsstrategie.
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