Wird Amsterdam zum neuen Zentrum für luxuriöse Vintage-Urlaubsmode?

FashionUnited spricht mit der Luxus-Vintage-Unternehmerin Nadia Benedicte Pape über die geschickte Vermarktung von Luxus-Vintage und die Entscheidung für einen Pop-up in Amsterdam.
Mode
Ein Kleid von Los Feliz im Pop-up in Amsterdam Credits: Los Feliz
Von Anna Roos van Wijngaarden

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Amsterdam entwickelt sich langsam aber sicher zu einem internationalen Hotspot für luxuriöse Vintage-Mode. Letztes Jahr ließ sich hier das italienische Kollektiv Millesime nieder, das aufgrund seines Erfolgs bald eine zweite Boutique eröffnen wird. Wer die Hauptstadt zunächst ‚testen‘ möchte, entscheidet sich für einen temporären Pop-up-Store. In diesem Sommer haben bereits Dutzende Boutiquen die Stadt erobert, darunter Vintage by Uma und Pepper Luxury Vintage. Zuletzt war auch Los Feliz aus Barcelona in der niederländischen Hauptstadt zu finden, auf der Etage von Mano Jewellery. FashionUnited war vor Ort und sprach mit Inhaberin Nadia Benedicte Pape über die strategische Vermarktung von Secondhand-Mode und die Bedeutung des richtigen Pop-up-Standorts als Einstieg in eine neue Modestadt.

Sammlerin von Beruf

Den größten Teil ihres Erwachsenenlebens beschäftigte sich Pape mit Vintage-Mode. Als junge Erwachsene begann sie, besondere Stücke zu sammeln. Diese Leidenschaft entwickelte sich langsam zu ihrem Beruf. „Um mich herum tauchten professionelle Vintage-Boutiquen auf. Eines Tages wurde mir klar, welche Schätze und welches Wissen ich besaß. Vintage war zu einem ernsthaften Markt geworden.“

Sie begann mit dem Verkauf im kleinen Stil in Barcelona und eröffnete 2022 ein festes Geschäft in der Carrer de Cervantes. Gleichzeitig war sie auch im Bereich der Kleidervermietung tätig. Kostümbildnerin Alex Bovaird besuchte ihr Geschäft auf der Suche nach einer Garderobe für die Charaktere der Satireserie ‘The White Lotus’ (TWL). Auf dem Bildschirm trug Chelsea (Aimee Lou Wood) einen ‚sculpted coconut bra‘. Ein toller Fund, wie die Zuschauer:innen auf Reddit befanden. Die US-amerikanische Vogue fand heraus, woher das Stück stammte: von Los Feliz in Barcelona. Auch das rosafarbene Kleid von Lolita Lempicka, das Harper (Aubrey Plaza) in der letzten Folge der zweiten Staffel trägt, ist ein Fund von Pape.

„Ich habe solche Aufträge auch schon für das Fernsehen und für Musikvideos gemacht, aber die Ergebnisse nie veröffentlicht“, erzählt Pape in ihrer luxuriösen Unterkunft auf Zeit. Es ist ein prächtiges Stadthaus im dritten Stock in der Nähe des Nieuwmarkt. Hinter ihr hängen vier Herzstücke: transparente Sommerkleider mit dünnen Trägern. Pape selbst stammt von der Insel Mallorca und hat sich auf ‚Vacation Wardrobes‘ spezialisiert. Mit diesen wird man als Zuschauer:in der Serie (TWL) förmlich überhäuft. ‚Designer-Vintage‘ war die Neuerung inmitten all des Luxus auf der großen Leinwand. Die Geschichte in der Vogue brachte daher einen großen Medienwert. Pape: „Ich gewann ein ganz neues Publikum hinzu. Vor allem aus Amerika, das gezielt in den Laden kam und sagte: Das ist der White-Lotus-Laden.“

Sie hat gelernt, dass solche ‚Modemomente‘ dafür sorgen, dass die Leute ihre Vintage-Stücke ernst nehmen. Jetzt postet sie ausführlich, wenn Berühmtheiten wie Charli XCX und Rosalía zum Einkaufen kommen, und bemerkt den Effekt an der Kasse. „Nicht die Expertise, sondern die Sichtbarkeit verleiht einem als Wiederverkäufer:in Legitimität und Glaubwürdigkeit. So funktioniert das nun einmal. Auch wenn man seit Jahren ein solides, fleißiges Geschäft betreibt, ist es die Anerkennung durch Stars, die die Leute letztendlich anzieht.“

Die Herzstücke im Pop-up erhalten einen besonderen Platz. Credits: Anna Roos van Wijngaarden

Amsterdam: Luxuriöse Modestadt

Anschließend sei es wichtig, die online gewonnene Bekanntheit als Vintage-Boutique mit Live-Events zu nutzen, erklärt Pape. „Das Geschäft in Barcelona würde ich niemals aufgeben. Dieser Ort zeigt, wofür Los Feliz als Marke steht.“ Diesen sommerlichen, luxuriösen und spanischen Stil möchte sie nun strategisch auf andere Modestädte mit einem ähnlichen Einkaufspublikum ausweiten. Jetzt ist Amsterdam an der Reihe. Das ausgewählte Stadthaus ist von innen hell und schlicht. Wie in Barcelona ist die Kleidung wie in einer kleinen Kunstausstellung arrangiert. Sie hängt an Gestellen mit geschwungenen Stangen und in hohen Kommoden. Im Raum verteilt liegen antike Fundstücke: Bücher mit Samteinbänden; ein silbernes Austernmesser; daneben ein Flaschenöffner aus Bronze im Jugendstil, geformt wie eine nackte Frau. Die vertretenen Modemarken sind Moschino, La Perla und Chanel. Es gibt zahlreiche besondere Archivstücke, zu denen Pape gerne die Entstehungsgeschichte erzählt.

Begehrenswerte Erinnerungsstücke ausgestellt bei Los Feliz in Amsterdam. Credits: Anna Roos van Wijngaarden

Den Standort für den Pop-up fand sie über Sonny Rodriguez, einen befreundeten Vintage-Unternehmer:in mit der Schmuckkollektion Mano Jewellery. Dieser hatte sich dort vor zwei Jahren niedergelassen. Pape kam zu Besuch und war nicht nur vom Gebäude, sondern auch von der Stadt so begeistert, dass sie mit dem Gedanken spielte, dorthin zu ziehen. Zumindest wollte sie für dieses geschäftliche Experiment für einige Monate zurückkehren.

„Ich liebe Amsterdam“, sagte Pape und erwähnt Kindheitserinnerungen und die angenehme Energie der Stadt. Sie hatte auch schon länger Kund:innen aus der Stadt, die aus allen Teilen der Welt kommen. Denn die Stadt ist schon lange nicht mehr rein niederländisch. Neue Cafés verkaufen Hojicha und Matcha. Regelmäßig eröffnet eine neue Fusionsküche oder ein bekanntes Gastronomiekonzept, wie im vergangenen Frühjahr das von Ottolenghi im Conservatorium Hotel.

Sie bezeichnet die Stadt als guten Nährboden für Vintage. Secondhand-Shopping ist dort bereits weit verbreitet, gleichzeitig ist der Markt noch nicht gesättigt. „Die Stadt hat bereits etablierte Vintage-Läden, aber mit einem anderen Schwerpunkt: Basics, Workwear und viele Stücke für den täglichen Gebrauch.“ Los Feliz bietet ausgefallenere Artikel für besondere Anlässe, von denen es in der Stadt viele gibt. Auch Reisekleidung ist im Angebot, die bei Los Feliz sogar im Winter erhältlich ist. Kund:innen, die ihre Pop-ups in Amsterdam besuchen, reagieren begeistert darauf. „Ich habe das Glück, dass diese Nische hier noch nicht besetzt ist.“

Der Pop-up von Los Feliz in Amsterdam. Credits: Anna Roos van Wijngaarden

Die eigene Nische

Wer Vintage verkaufen will, muss sich fast zwangsläufig eine Nische suchen, meint Pape. Auf Vinted ist das Angebot riesig. Wer es schafft, die besten Stücke herauszufiltern und damit einen einzigartigen Stil zu kreieren, wird laut der Unternehmerin geschätzt. Dann kann man gute Geschäfte machen. Für Pape ist diese Spezialisierung Urlaubskleidung, also ‚Vacation Wardrobes‘. Pape selbst wuchs unter Urlauber:innen auf, und diese Mode hat ihren Blick geprägt. „Mein Auge fällt auf andere Artikel, weil ich mich von Natur aus auf dieses Urlaubsgefühl konzentriere.“

Sie beobachtet, dass dieses Segment auch außerhalb der Vintage-Mode wächst, und führt dies teilweise auf die Sozialen Medien zurück. Auf Instagram kommt der performative Aspekt hinzu: Die Timeline ist wie ein geteiltes Fotoalbum. Dort kann man mit seinem persönlichen Stil ein Statement setzen, unabhängig vom Wetter draußen. Die Jahreszeit spielt in der digitalen Welt eine geringere Rolle. Pape: „Früher war ein Urlaubsoutfit hauptsächlich für einen selbst, den Partner oder die Familie gedacht. Die Fotos wurden anschließend nur im kleinen Kreis geteilt. Heute liegen unsere Sommererlebnisse für alle offen. Dadurch wurde ein völlig neuer Markt erschlossen.“

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