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Trompe-l'œil, die 'Täuschung des Auges': Illusionen in der Mode und ihr Ursprung

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So dürfte der originale 'Bow Knot'-Pullover von Elsa Schiaparelli ausgesehen haben. Credits: Erstellt mit Gemini
Von Anna Roos van Wijngaarden

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Auf dem Laufsteg wimmelt es von Looks, die Trompe-l'œil („trom-ploy“) verwenden. Der französische Begriff bedeutet wörtlich „täusche das Auge“. In der Mode bezeichnet er eine Technik, bei der Designer:innnen eine optische Täuschung erzeugen. Dies geschieht durch das Spiel mit Perspektive und Dimension, sodass 2D wie 3D wirkt. Anders gesagt: Man sieht etwas, das nicht da ist.

Wer hat diesen Trick erfunden und wie sehen wir ihn heute wieder?

Schiaparelli: Mutter der Illusion

Die italienische Designerin Elsa Schiaparelli, größte Rivalin von Coco Chanel, schaffte 1927 ihren Durchbruch. Ihr 'Bow Knot'-Pullover zeigte eine Schleife, die prominent auf der Brust prangte – so schien es zumindest. Die Bänder waren detailgetreu in das Muster eingestrickt. Ihre Kollektionen wurden schnell von solchem Surrealismus durchdrungen. Falsche Schleifen, Verschlüsse, Schnallen, Kragen und Schals. Solche gestrickten Täuschungen wurden zu ihrem Markenzeichen und überlebten sogar die Schließung des ursprünglichen Hauses 1954.

So ließ sie 1937 von ihrem Freund, dem Dichter und Künstler Jean Cocteau, eine Frau auf die linke Brust einer eleganten Jacke zeichnen. Ihre goldenen Haare waren um den Ärmel gewickelt. Ein Jahr später folgte das 'Tear Dress', bei dem dicke, violette Tränen von einem Abendkleid zu tropfen schienen. Dieser Druck stammte von ihrem engen Freund Salvador Dalí. Und das 'Woodgrain Dress', ein Trompetenkleid, dessen 'Stoff' wie aus Holzmaserung gemacht schien.

Anfang der 1950er sahen wir auch schon Schein-Taschen, falsche Knöpfe und Gürtel bei Hermès. Die verwendete Maltechnik nahm die Arbeit des britischen Designers Steve O Smith vorweg. Letztes Jahr brachte ihm diese Meisterschaft den begehrten Karl-Lagerfeld-Preis ein.

Trompe, tromper, trompest

Trompe-l'œil erlebte in den Sechzigerjahren einen wahren Boom. Dies war zum Teil der Pop-Art-Bewegung zu verdanken, die ab den Fünfzigerjahren von britischen und amerikanischen Künstler:innen vorangetrieben wurde. Der Effekt zeigte sich in den Miniröcken von Mary Quant, der Initiatorin des 'Youthquake' – der Bewegung der rebellischen Jugend. Surrealistische Schichten wurden zu ihrer Spezialität. Pierre Cardin täuschte das Auge durch das Spiel mit verwirrenden Formen. Sein 'Target Dress' von 1966, mit farbigen Kreisen um einen schwarzen Mittelpunkt, wurde ebenso ein Klassiker wie der Pullover mit der Schleife.

Später, in den Neunzigerjahren, wurde Jean Paul Gaultier für die nackten männlichen Oberkörper bekannt, die er auf Blusen druckte. Duran Lantink griff diese Idee 2025 in seinem viel diskutierten Debüt für das Haus wieder auf.

John Galliano wandte Trompe-l'œil 2000 bei Dior an. Er präsentierte eine Sommerkollektion voller scheinbar geschichteter Denim-Ensembles. Kürzlich tat er dies erneut für die theatralische Couture-Show von Maison Margiela im Sommer 2024. Die von der Belle Époque inspirierten Kleider spielten mit Proportionen, Schatten und Stofflichkeit. Dadurch schienen die Models Wespentaillen und Hüften zu haben. Für Galliano ist Trompe-l'œil ein Mittel, um sein Markenzeichen zu perfektionieren: die modische Verformung des Körpers.

Ebenso begeistert von dem Effekt war Alessandro Michele während seiner Zeit bei Gucci. Gegenüber der Modezeitschrift Vogue erklärte er es als eine Besessenheit von der „Idee, dass etwas existiert und gleichzeitig nicht existiert“. In der Sommerkollektion 2015 fand Schiaparellis Schleifentrick unter seiner Leitung auch bei Gucci Anwendung. Diesmal in Form von farbenfrohen Pailletten-Tops. Die Silhouette war von einer anderen Designerin und virtuosen Illusionistin entlehnt: Roberta di Camerino.

Maison Margiela Couture 2024 Credits: Spotlight/Launchmetrics

Pixel-Shirt

So wie Monster in fantasievollen Blockbustern dank künstlicher Intelligenz immer realer werden, so wurden auch Mode-Illusionen durch textile Innovationen allmählich glaubwürdiger. Dazu gehören hochdetaillierte 3D-Strickmaschinen und KI-gestützte Hilfsprogramme für Drucke.

Bei der Präsentation von Loewe im Jahr 2023 waren die sozialen Medien voll von Kommentaren über eine Neuheit: ein lebensechtes Pixel-Shirt. Es stammte von Jonathan Anderson, dem damaligen Kreativdirektor. Es schien, als wäre das Model direkt aus dem Metaverse getreten. Die Kollektion 'Screen Time' mit einem Dutzend Pixel-Kleidungsstücken setzte den neuen Standard für Mode-Illusionen.

2025 wendet Anderson denselben Trick in klassischer 'Bow-Knot'-Manier bei seinem Dior-Debüt an. Er nutzte ihn als illusionäre zusätzliche Stoffschicht unter Strickjacken und einer strahlend weißen Bluse.

Christian Dior SS26 Credits: Spotlight/Launchmetrics

Täuschung wird zu Betrug

Einhundert Jahre nach der Einführung von Trompe-l'œil in der Mode gibt es nun eine neue Welle. Louis Vuitton kreierte für Herbst/Winter 2023 den illusionären Ankle-Boot. Dabei handelt es sich um einen handbemalten Kalbslederstiefel, der wie ein schwarzer Pumps mit einer gerippten weißen Socke aussieht.

Bei Comme des Garçons Homme Plus präsentierte Rei Kawakubo für Frühjahr/Sommer 2024 Sakkos. Diese waren mit Bildern von ausgeschnittenen Hemden und weiteren Sakkos bedruckt. Ein großartiger Druck, doch die Schichten waren unecht. Bei Acne Studios wurden Jeans mit Schlüsselanhängern bedruckt, die an der Taille zu baumeln schienen. Sie sahen so echt aus, dass ein Dieb in der U-Bahn seine Chance wittern würde. Ottolinger wählte den einfachsten Weg. Die Berliner Marke druckte mit hyperrealistischen Aufdrucken ein Hemd, eine Krawatte und einen Blazer auf einen Body aus demselben Stoff.

Moschino präsentierte für SS25 weiße Anzüge und Mäntel mit aufgedruckten Nadelstreifen-Details – und das nicht zum ersten Mal. Wer gut aufgepasst hat, erinnert sich auch an den Vorläufer im Actionfilm 'Kill Bill' aus dem Jahr 2003. Darin trägt die Schauspielerin Daryl Hannah einen weißen Moschino-Trenchcoat mit derselben Verarbeitung.

Der Text wird unter dem Bild fortgesetzt

Schiaparelli FW26 Credits: Spotlight/Launchmetrics

Traître-l'œil

In der gerade abgeschlossenen Wintersaison präsentierte neben Gaultier und Dior auch die belgische Designerin Julie Kegels ihre eigene Version von Trompe-l'œil. Sie verwendete aufgeklebten Schmuck – praktisch, so können die echten Juwelen sicher im Tresor bleiben.

Doch es war klar, wer die Erbin solcher Tricks ist. Bei Schiaparelli sahen die Models aus wie Schaufensterpuppen, die aus dem Schaufenster getreten waren. Eine maßgeschneiderte Jacke und ein Kleid in Hautfarbe, gefertigt aus mehreren Lagen Jersey und Watte, schufen Kurven bei den Size-Zero-Models. Plötzlich hatten sie Hüften und eine Oberweite. Eine Redakteurin von FashionUnited, die anwesend war, kann bestätigen: Auch das ist eine Täuschung.

Die neuen Methoden, das Auge zu täuschen, erfordern mehr Aufmerksamkeit. Anders als bei Schiaparellis 'Bow-Knot' kann man die modernen Tricks nicht einfach vom Bildschirm ablesen. Man muss die Hintergründe kennen und über Materialkenntnisse verfügen, um die 'Trompe' zu erkennen. Sie sind auf verräterische Weise irreführend. Traître-l'œil ist vielleicht ein passenderer Begriff.

Dieser Artikel wurde mithilfe von digitalen Tools übersetzt.

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