Trendforscher: Interaktive Formate, Glitch und digitaler Produktpass beeinflussen FW27/28
Mit dem Titel Age of Agency machte Trendforscher Jan Agelink sofort deutlich, worum es für ihn in der Saison Herbst/Winter 27/28 gehen wird: Autonomie. Dem Experten zufolge stehen Wahlfreiheit, Selbstbestimmung und die Fähigkeit, die Kontrolle über das eigene Leben zu behalten, durch den wachsenden Einfluss der Technologie zunehmend unter Druck. Gleichzeitig sieht Agelink ‚Agency‘ als eine Gegenbewegung. „Es geht um Kontrolle, Einfluss und das Recht, selbst zu gestalten“, erklärt er während seiner Präsentation. Dieses Bedürfnis nach Autonomie überträgt sich laut dem Trendforscher auf Mode, Design und das Konsumverhalten. Dabei rücken menschliche Kreativität, Handwerkskunst, Taktilität und persönlicher Ausdruck wieder in den Mittelpunkt.
Während der digitalen Trendpräsentation zeigte Agelink anhand verschiedener Themen, wie sich diese kulturellen Verschiebungen auf Mode, Design, Einzelhandel und Lifestyle für FW27/28 auswirken.
La Watchparty
Während der Präsentation verweist Agelink auf die Zusammenarbeit zwischen der Pariser Marke Zomer und dem Content Creator Elias Medini, besser bekannt als Lyas und Initiator von ‚La Watch Party‘. Das Konzept wurde während der Zomer-Show in Paris in die Laufstegpräsentation integriert. Dabei schauen Modefans gemeinsam eine Modenschau an und werden dabei aktiv in die Präsentation einbezogen. Laut dem Trendforscher ist dies ein Beispiel für ein Event, von dem wir in den kommenden Saisons mehr sehen werden. Das liegt auch daran, dass immer mehr Modemarken und -magazine das Konzept übernehmen. Der Ausgangspunkt der Zomer-Show war dabei spielerisch: Was ist dein Lieblingsteil und wie gibst du ihm eine unerwartete Funktion?
Laut Agelink überträgt sich dieser wörtliche Ansatz auf ein Styling, in dem Uhren mehr als nur Zeitmesser sind. So werden Casio-Uhren während der Show als direkter Verweis auf La Watch Party eingesetzt, während Uhrenarmbänder als Halter für Schals oder als Träger eines Tops dienen. „Hier geht es um eine unordentliche, spontane Ästhetik, bei der die Unvollkommenheit bewusst gesucht wird“, so Agelink. Die sogenannte ‚messy aesthetic‘ sickert laut dem Trendforscher in verschiedene Bereiche des Designs durch, einschließlich der Taschen. Diese werden bewusst mit persönlichen Gegenständen gefüllt, von Lippenstift bis zu Liebesbriefen. Dadurch entsteht ein lässiger, gelebter Look.
Layering durch Konstruktion
Laut Agelink spiegeln sich die Schichten der Natur in organischen Formen und einer großen Aufmerksamkeit für Details wider. Das italienische Modehaus Prada ist laut dem Trendforscher ein gutes Beispiel dafür. „Bei Prada sahen wir parka-ähnliche Jacken mit einer Art Kapuze, die an Regenmänteln befestigt waren. Dann kehrt auch das Farberbe zurück: Farben, die an die Sechziger- oder Siebzigerjahre erinnern“, erklärt Agelink.
Glitch trifft auf Natur
Laut Agelink wachsen digitale und natürliche Einflüsse in der FW27/28-Saison immer mehr zusammen. Der Trendexperte beobachtet, wie technische Materialien mit organischen Referenzen kombiniert werden. Gleichzeitig erhalten Drucke und Muster einen verzerrten, digitalen Charakter. Als Beispiele nennt er die verschiedenen Karomuster bei dem schwedischen Modehaus Acne Studios und die digitalen Muster auf hohen Strümpfen bei Kiko Kostadinov. Diese werden mit Pumps kombiniert und erinnern an Bildstörungen oder Pixeleffekte. Auch gefütterte Windjacken passen laut Agelink zu dieser Entwicklung.
Auch in der Farbpalette wird diese Spannung sichtbar. Asphaltgrau, Stahl- und Erdtöne bilden die Basis, ergänzt durch kühles Blau und Moosgrün als Glitch-Farben.
Neuroästhetik stellt die Sinne in den Mittelpunkt
Laut Agelink spielt für die Herbst/Winter-Saison 2027/28 neben dem Visuellen auch die sinnliche Erfahrung eine immer größere Rolle. Der Trendforscher beobachtet, dass Designer:innen nicht nur auf Material und Silhouette setzen, sondern auch auf Geruch, Klang und andere sensorische Elemente, um ein tieferes Erlebnis zu schaffen.
Tijdens de presentatie legt Agelink uit dat mode steeds vaker meerdere zintuigen aanspreekt. Audio, geur en andere zintuiglijke toevoegingen worden onderdeel van de totaalervaring. Als voorbeeld verwijst Agelink naar de Ready to Wear FW26-show van Jean Paul Gaultier, waar een model met een afstandsbediening over de runway liep om tijdens de show zelf rookeffecten te activeren.
Auch die Farbpalette passt laut Agelink zu dieser Entwicklung. „Bei den Farben sehen wir mehr helle Töne wie Wollweiß, Warmweiß, Antikweiß und ein sehr helles Blau. Rosa bekommt einen eher orangen Unterton, während einige satte, tiefe Farben – Dunkelblau, Dunkelbraun, savvy red und tangerine green – für Kontrast sorgen“, so der Trendforscher.
Digitaler Produktpass als Erweiterung der Markengeschichte
„Der DPP wird eine neue Form des Storytellings“, erklärt Agelink während der Präsentation. Obwohl der Digitale Produktpass (DPP) in der Europäischen Union erst ab 2027 verpflichtend wird, antizipieren laut Agelink bereits jetzt immer mehr Modemarken das kommende Gesetz. Laut dem Trendforscher wird der digitale Pass nicht nur für Transparenz über Materialien und Produktion genutzt. Er dient auch als Mittel, um die Geschichte hinter einem Kleidungsstück zu erzählen.
Materialien, Handwerkskunst, die Vision der Marke und die Herkunft eines Produkts werden immer häufiger Teil der Customer Journey. Transparenz wandelt sich damit von einer gesetzlichen Verpflichtung zu einer Chance, den emotionalen Wert eines Kleidungsstücks zu stärken.