Taschendiebe, Tauben und Touristen – Desigual löst mit Ottolinger-Kampagne Empörung aus
Das spanische Modeunternehmen Desigual steht wegen des Kampagnenvideos zu seiner Kapselkollektion mit dem Berliner Label Ottolinger in der Kritik. Hunderte Nutzer:innen werfen der Marke vor, reale Probleme Barcelonas ins Komische zu ziehen. Auf Instagram sind inzwischen nur noch die Kampagnenbilder und eine bearbeitete Fassung zu sehen, auf TikTok bleibt die ursprüngliche Version abrufbar.
Das Video beginnt vor dem Portal der Kathedrale, wo ein Model in einem Key Piece der Kollektion anbietet, die Umgebung zu zeigen. In den folgenden Sequenzen kommentiert es von der Motorhaube eines Taxis aus den chaotischen Verkehr, erklärt, in Barcelona liebe man seine Tauben, und stellt fest, alle wollten den eigenen Rucksack, während jemand ihm genau diesen Rucksack aus der Kollektion von den Schultern zieht. Dazu kommen 9,50 Euro für einen Eiskaffee und der ruhigste Ort für einen Spaziergang, an dem eine vermeintliche Anwohnerin auf Katalanisch sagt, das Model stehe im Weg. Am Ende ist Barcelona die Stadt mit dem meisten Stil.
Damit greift die Kampagne jene Konflikte auf, die die Stadt derzeit belasten, von Taschendiebstählen und Lebenshaltungskosten bis zu Gentrifizierung und Spannungen zwischen Tourist:innen und Anwohner:innen. In den Kommentaren ist von Verharmlosung und Spott die Rede. In geringerer Zahl melden sich Stimmen, die den ironischen Ton verteidigen oder meinen, vielleicht brauche es genau eine solche Werbung, damit die Probleme überhaupt wahrgenommen würden.
Kollektion aus dem Desigual-Archiv
Angekündigt hatte Desigual die Zusammenarbeit Mitte Juli, als Teil einer Strategie, die Marke hochwertiger zu positionieren und ein jüngeres, internationaleres Publikum zu erreichen. Ottolinger wurde 2015 in Berlin von Christa Bösch und Cosima Gadient gegründet und ist eines von mehreren aufstrebenden Labels, mit denen Desigual kooperiert, neben Botter, Egonlab und Masha Popova.
Die Kollektion entstand aus dem historischen Archiv des Unternehmens und folgt Ottolingers Upcycling-Ansatz. Nach Angaben von Desigual treffe darin die dekonstruktive Formensprache des Berliner Labels auf die grafische Welt der spanischen Marke. Die exklusivsten Stücke wurden im Desigual-Atelier in Barcelona handwerklich gefertigt; von einem langen Kleid aus acht Desigual-Hosen existieren weltweit fünf Exemplare. Barcelona hob die Marke dabei ausdrücklich zur dritten Protagonistin der Kooperation hervor.
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