Sneakerlabel Veja: Neuer Lederersatz aus Maisabfällen

Die französische Sneakermarke Veja hat die Branche im Sturm erobert. Wie? Mit einem einfachen, aber sehr sinnvollen Konzept: Minimalistische Sneaker, die die Welt ein bisschen besser machen. Neben organischer Baumwolle, recyceltem Plastik und Gummi aus traditioneller Gewinnung kommt nun ein neues Material zum Einsatz: Ein Lederersatz aus Maisabfällen. FashionUnited sprach mit den Gründern des Schuhlabels Sébastien Kopp und François-Ghislain Morillion über das neue Material, ihre Bemühungen, ein verantwortungsvolles Modelabel zu führen und eine Zukunft ohne Leder.

FashionUnited: Das neue Material aus Maisabfällen ist eine spannende Neuigkeit. Sie haben fünf Jahre an der Entwicklung dieses neuen Lederersatzes gearbeitet. Wie genau lief der Entwicklungsprozess ab? Was waren die größten Herausforderungen?

Sébastien Kopp und François-Ghislain Morillion: Die DNA von Veja ist es, ökologische Turnschuhe herzustellen. Wir verwenden biologische Baumwolle, recycelten Kunststoff und Leder mit geringer Umweltbelastung. Seit Jahren sind wir auf der Suche nach intelligenten Alternativen zu Leder. Im Jahr 2014 haben wir ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm gestartet, um unsere positive Wirkung zu erhöhen. Wir haben Dutzende innovativer Lieferanten auf der ganzen Welt besucht, an Konferenzen teilgenommen, einen Biologen unter Vertrag genommen, viele Tests durchgeführt und viele Stoffe ausprobiert. Wir hatten ein einfaches, aber ziemlich ehrgeiziges Ziel: Eine biobasierte Alternative zu Leder anzubieten. Etwas, das einen großartigen Griff und Haptik hat. Unser Ziel war es, eine Alternative zu finden, aber ohne Kunststoff, was die meisten "veganen" Leder auf dem Markt verwenden. Leder durch Kunststoff zu ersetzen, das klingt für uns nicht nach einer guten Lösung. Wir tauchten ein in die Welt der biobasierten Polymere, und diese Suche führte uns nach Italien, wo wir den Lieferanten trafen, um C.W.L. zu entwickeln.

Was genau ist C.W.L?

C.W.L besteht aus einem Baumwollcanvas, der mit einer Verbindung aus Maisabfällen gewachst wird. Der revolutionäre Stoff ist ein perfektes Lederimitat und besteht zu 50 Prozent aus Maisabfällen aus der Lebensmittelindustrie. Die Lederalternative ist bis zu 63 Prozent biologisch abbaubar.

Welcher Teil des Mais wird verwendet?

Unser C.W.L wird aus den Maisstärkeabfällen hergestellt, einem nicht essbaren Teil der Pflanze.

Woraus bestehen die anderen 50 Prozent des Schuhs?

Der Canvas besteht aus organischer Baumwolle, so wie auch die Schnürsenkel. Das Futter besteht aus einem Jerseygewebe, das aus recycelten Kunststoffflaschen hergestellt wird. Unsere Sohlen werden aus Wildgummi aus dem Amazonaswald hergestellt, den wir in Brasilien direkt von den Seringuero Communities beziehen.

Sneakerlabel Veja: Neuer Lederersatz aus Maisabfällen

Wie wird der Schuh biologisch abgebaut?

Auch wenn die meisten Komponenten unserer Schuhe biologisch abbaubar sind (wie das C.W.L), sind einige Teile des Schuhs es nicht, wie das Futter und die Gummizusätze in der Sohle. Das Ende der Lebensdauer unserer Produkte ist für uns noch ein Berg, den wir besteigen müssen, um unsere Umweltbilanz nach dem Tragen unserer Schuhe zu verbessern.

Wie robust ist das Material im Vergleich zu Leder?

Wir sind sehr streng bei der Prüfung unserer Materialien und C.W.L wird strengen Prüfungen unterzogen. Es ist tatsächlich robuster als Leder.

An welchen anderen Möglichkeiten der Herstellung veganer Schuhe arbeiten Sie?

Wir haben viele Entwicklungen im Gange, die wir gerne gerne mit der Öffentlichkeit kommunizieren, wenn wir so weit sind.

Glaubt ihr, dass Leder in Zukunft so umstritten sein wird wie Pelz?

Wir denken, dass es sich um eine globale Bewegung handelt; immer mehr Menschen sind sich bewusst, dass die Rinderhaltung einen großen Einfluss auf die Umwelt hat. Sogar Greenpeace hat 2017 eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit diesem Thema befasst. Mit weniger Fleisch wird es weniger Leder geben, und es ist ein großer Schritt nach vorn, jetzt mit der Verwendung von Lederalternativen zu beginnen, mit so wenig Kunststoff wie möglich. Da wir auch Leder verwenden, ist es für uns wichtig zu kontrollieren, dass das Leder nicht aus Gebieten in Brasilien stammt, wo Abholzung betrieben wird, und dass der Gerbungsprozess sauber verläuft. Heute arbeiten wir mit Gerbereien in Brasilien zusammen, die von der Leather Working Group auditiert und zertifiziert werden, der einzigen ernsthaften Zertifizierung in diesem Bereich.

Bilder: Veja

 

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