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OTB: Renzo Rosso verrät seine Pläne zu Metaverse und Börsengang

Von Barbara Russ

23. Juni 2022

Mode |CEO-Interview

Bild: Andreas Rentz/Getty Images für Greentech Festival

Bei den gestrigen Green Awards in Berlin erhielt Renzo Rosso, Gründer und Vorsitzender von OTB S.p.A., eine Auszeichnung für seinen Einsatz in Sachen Nachhaltigkeit. Seine Gruppe OTB, zu der Marken wie Diesel, Margiela, Viktor & Rolf, Marni und Jil Sander gehören, setzt seit Jahrzehnten auf Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Unter anderem plant der Konzern eine vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2050. In seiner Dankesrede forderte Rosso die Politik auf, strengere Regulierungen für Nachhaltigkeit einzuführen und Schlupflöcher für Greenwashing zu schließen, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. FashionUnited sprach mit ihm, kurz nachdem er den Preis erhalten hatte.

Herr Rosso, Glückwunsch zu der Auszeichnung! Wie sehen Ihre Bemühungen um Nachhaltigkeit bei OTB aus?

Nachhaltigkeit ist ein Gesamtprojekt. Es fängt damit an, dass man die richtigen Leute im Unternehmen hat, die darüber nachdenken, wie man das Unternehmen so führen kann, dass es weniger CO2 ausstößt, wie man ohne Chemikalien in den Farbstoffen arbeiten kann, wie man nachhaltige Materialien und Zutaten findet, wie man weniger Wasser verbraucht, wie man recyceltes Papier und recyceltes Plastik verwendet und so weiter. Wir sind in jeder Hinsicht grün.

Auch im Bereich der sozialen Verantwortung tun wir eine Menge. Wir prüfen alle unsere Lieferunternehmen. Wir wollen die Arbeitsbedingungen der Arbeitskräfte kennen und wissen, wie hoch ihre Löhne sind. Die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, müssen die Werte und die Mentalität von OTB widerspiegeln.

Wir haben auch stark in Technologie investiert, sodass wir Kosten sparen und weniger Abfall produzieren. Zum Beispiel können wir jetzt unsere Muster auf Avataren präsentieren, sodass wir die Kleidung über unseren digitalen Showroom verkaufen können. Die Verbraucher:innen entscheiden, was sie kaufen möchten, und dann wird das Produkt auf Bestellung produziert.

Normalerweise werden 20 bis 30 Prozent einer Kollektion nicht verkauft und müssen weggeworfen werden. Durch den Einsatz dieser Technologie können wir also Abfall vermeiden, weniger produzieren und die Qualität sowie die Standards verbessern.

Und was unsere Läden betrifft, haben wir uns angesehen, wie viel CO2 sie ausstoßen und setzen auf grünen Strom. Das bedeutet eine Kostensteigerung von etwa 10 Prozent. Nachhaltigkeit erfordert also eine Menge Zeit, Geld und Organisation, während wir gleichzeitig die Preise für die Kundschaft nicht erhöhen wollen.

Ihre Geschäftszahlen für 2021 waren sehr gut. Jetzt hat der Krieg in der Ukraine Sie gezwungen, Geschäfte in Russland zu schließen. Wie beurteilen Sie die Situation?

Erst Covid, jetzt der Krieg - die Preise für die Materialien sind gestiegen, oder man bekommt gar keine mehr. Die Transportkosten sind ebenfalls gestiegen. Die Lage ist schwierig.

Selbst in dieser verrückten Situation geht es dem Unternehmen recht gut. Wir haben in diesem Jahr fast 20 Prozent zugelegt. Und das Luxusgeschäft läuft insgesamt fantastisch, es ist sogar um 30-40 Prozent gestiegen.

Mit Glenn Martens haben Sie einen Kreativdirektor an Bord geholt, der eine Verbindung zu den Anfängen von Diesel als Denim-Marke herstellt, das Unternehmen aber zugleich weiter in Richtung Luxus führen kann. Wie sehen Sie die Zukunft von Diesel?

Ich freue mich sehr für Diesel, weil wir dort große Veränderungen vorgenommen haben. Wir haben Vertriebskanäle gestrichen und die Qualität der Materialien erhöht, wir haben einen großen Teil der Produktion aus Übersee nach Italien zurückgeholt. Mit unseren RFID-Etiketten können die Kund:innen jetzt genau sehen, woher die Materialien stammen und wo ihr Produkt hergestellt wurde.

Ich bin also sehr stolz auf Diesel und seine neue kreative Ausrichtung. Diesel ist mein Baby. Sie haben Recht, ganz am Anfang war es eine Jeansmarke, aber ich sehe Diesel heute als Lifestyle-Marke. Dazu gehört eine sehr breite Palette von Produkten, wie Autos mit Fiat, Motorräder mit Ducati, Uhren, Schmuck, Sonnenbrillen, Düfte und Homeprodukte. Wir haben gerade einen Vertrag über die Einrichtung von 250 Wohnungen in Las Vegas unterzeichnet. Für mich ist Diesel also einzigartig. Es ist eine Lebenseinstellung.

Was tragen Sie heute?

Er schaut an sich herunter. Es ist eine Gala, also trägt er einen schwarzen Anzug, kombiniert ihn aber mit einem T-Shirt, sportlichen Socken und Sneakern.

Ich trage nur meine eigenen Marken, ich kann keine anderen Marken tragen, denn ich weiß, wie wir produzieren und ich bin sehr stolz darauf. [Er zeigt auf den Anzug] Der ist von Margiela, [er zeigt auf die Socken] die sind von Diesel, [er zeigt auf die Schuhe] die sind [er zeigt auf das T-Shirt] das ist mein Geburtstags-T-Shirt [Das Shirt ist schwarz mit einer Stickerei auf der Brusttasche, auf der 66 steht, was an die Route 66 erinnert].

Auf der Bühne haben Sie Ihre OTB Foundation erwähnt. Was genau macht sie?

Renzo Rossos Ehefrau, Arianna Alessi, sitzt während des Interviews neben ihm. Nach der OTB-Stiftung gefragt, reicht er ihr das Aufnahmegerät. Sie ist die Vizepräsidentin der Stiftung.

Arianna Alessi: Wir setzen uns in vielen Ländern der Welt für die Rechte der Frauen und die Stärkung der Rolle der Frau ein. Neben vielen anderen Bemühungen konzentrieren wir uns besonders auf Afghanistan. [Anm. d. Red.: Dort unterstützt die Stiftung unter anderem das Projekt ‚Fearless Girls‘, das afghanischen Mädchen, die in Jugendgefängnissen inhaftiert sind, und denen „Verbrechen gegen die Moral“ vorgeworfen werden - obwohl sie nur vor Zwangsheiraten oder anderen Arten von Gewalt geflohen sind - rechtliche, psychologische und pädagogische Maßnahmen anbietet.]

Wir unterstützen Geflüchtete, darunter viele aus der Ukraine, die bei uns Arbeit gefunden haben, wir bringen ihnen Italienisch bei und integrieren sie, so gut wir können. Ich hoffe, dass dieser Krieg bald zu Ende ist und sie sich entscheiden können, ob sie zurückkehren oder in Italien bleiben wollen. Aber im Moment geben wir ihnen die Möglichkeit, sich in Italien ein neues Leben aufzubauen, das ist wichtig.

Renzo Rosso: Ich bin sehr stolz auf unsere Stiftung. Ich denke, als modernes Unternehmen hat man eine soziale Verantwortung. Mein Vater hat immer gesagt: „Du hattest Glück, das Leben hat dir viel gegeben.“ Also müssen wir der Gemeinschaft etwas zurückgeben.

Bild: Andreas Rentz/Getty Images für Greentech Festival

Sie haben sich kürzlich mit Mark Zuckerberg und anderen italienischen Führungskräften aus der Wirtschaft zu einem Meeting getroffen, das er als ‚Meta-Porter in Mailand‘ bezeichnete. Worüber haben Sie gesprochen? Was sind Ihre Pläne für das Metaverse?

Das Metaverse ist eine neuer Lifestyle für eine neue Generation. Viele Menschen wissen gar nicht, was das Metaverse ist, oder was es bedeutet. Ganz praktisch gesehen, möchte die neue Generation ein digitales Leben führen, zum Beispiel auf Roblox, wo Sie mit Ihren Freunden interagieren, digitale Häuser bauen und Ihre Kleidung oder Ihr Make-up ändern können. Ich glaube, Unternehmen sind verpflichtet, in das Metaverse zu investieren und Inhalte für dieses neue Leben zu schaffen.

Wir haben ein eigenes Unternehmen aufgebaut, das mein Sohn Stefano leitet [BVX (Brave Virtual Xperience), die Geschäftseinheit der OTB Group, die sich der Entwicklung von Produkten, Inhalten und Erlebnissen für die virtuelle Welt oder das „Metaverse“ widmet]. BVX erstellt Inhalte für alle unsere Marken im Metaverse. Wir haben bereits ein NFT mit Diesel herausgebracht, das auch ziemlich viel Umsatz gebracht hat, 700.000 Euro. Jetzt sind wir dabei, etwas für Margiela zu machen, worüber ich noch nicht sprechen kann. Aber es wird einschlagen wie eine Bombe, glaube ich.

Und wie sieht die Zukunft von OTB aus? Welche Märkte oder Akquisitionen haben Sie derzeit im Visier?

Die Gruppe ist sehr solide und wächst organisch. Wir können durch neue Märkte oder Akquisitionen weiter wachsen, aber ich möchte nicht einfach nur um des Kaufens Willen kaufen. Ich interessiere mich für das Luxusgeschäft, weil es besser ist, um Nachhaltigkeit zu integrieren und die Margen höher sind. Ich bin immer noch auf der Suche, aber es ist sehr schwierig, etwas zu finden, denn schöne Dinge stehen nicht zum Verkauf. Aber wenn eine Marke in Schwierigkeiten ist, können wir sie unglaublich unterstützen.

Sie haben OTBs Börsengang für 2024 angekündigt, halten Sie an diesem Zeitplan weiter fest?

Das würde ich sehr gerne tun. Die Zahlen sehen großartig aus, ich rechne mit Ende 2024, Anfang 2025. Ich kann den Moment kaum abwarten, denn ich habe auf der Roadshow so viel zu erzählen von all den schönen Projekten, an denen wir im Unternehmen arbeiten, und die die Verbraucher:innen noch nicht kennen.

Ich freue mich auch darauf, dass OTB ein börsennotiertes Unternehmen wird, denn ich möchte die Verbraucher:innen zu meinen Geschäftspartner:innen machen, und auch all die Menschen, die für mich arbeiten. Als börsennotiertes Unternehmen muss man transparenter sein, was meiner Meinung nach eine gute Art ist, ein Unternehmen zu führen. Und auch für meine Nachfolge, meine Familie, wird es einfacher sein, ein öffentliches Unternehmen zu führen.

Renzo Rosso bei den Green Awards. Bild: Andreas Rentz/Getty Images für Greentech Festival
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