Maison Hēroïne: Wie das Berliner Label auf recyceltes Leder umstellt

Anlässlich des Global Earth Day im April wagte das Taschenlabel Maison Hēroïne einen Schritt zu mehr Nachhaltigkeit: Das Berliner Label arbeitet mit dem in Deutschland ansässigen Lederhersteller Helcor zusammen, um Taschen aus recyceltem Leder herzustellen. Maison-Hēroïne-Gründer und Geschäftsführer Anton Jurina ist auch Mitbegründer von Armedangels. FashionUnited sprach mit Sina Jurina, Co-Founder und Chief Product Officer, über die neuesten Entwicklungen in Sachen Nachhaltigkeit.

Was macht Maison Hēroïne aus?

Maison Hēroïne ist inspiriert von den Frauen, die immer unterwegs sind. Von den Heldinnen, die alles unter einen Hut bringen, selbst wenn der Alltag manchmal irre chaotisch ist. Wenn ich früher morgens aus dem Haus ging, habe ich immer zwei Taschen mitgenommen: eine schicke Lederhandtasche für den Kleinkram und einen Stoffbeutel für Laptop und Unterlagen. Das war pragmatisch, aber nicht wirklich praktisch. Warum sollte nicht alles in eine Tasche passen? Eine Maison Hēroïne-Handtasche sagt: Ich habe alles im Griff und kann den Alltag mit allen Ups and Downs meistern.

In diesen Jahr habt ihr eure Taschenkollektion auf recyceltes Leder umgestellt. Warum?

Für meinen Mann Anton war das Thema Nachhaltigkeit schon immer sehr wichtig. Als Mitgründer von Armedangels hat er bereits vor Maison Hēroïne Erfahrung im Bereich nachhaltiger und fair produzierter Mode gesammelt. Lange Zeit war es jedoch schwer, einen Produzenten für nachhaltiges Leder zu finden, der unseren Ansprüchen entsprach. Uns war es hierbei besonders wichtig nachhaltiger zu werden, ohne auf den hohen Qualitätsstandard der Produkte sowohl im Look als auch im Feel zu verzichten.

Wie verlief der gedankliche Prozess? Welche anderen Nachhaltigkeitsüberlegungen habt ihr angestellt?

Leder ist von Haus aus ja schon ein recyceltes Material, da es zum größten Teil aus der Food-Industrie kommt und weiterverarbeitet wird. Außerdem kauft man sich mit einer echten Lederhandtasche in einem zeitlosen Design und von hoher Qualität ja auch ein Investment-Piece, dass nicht alle paar Jahre ersetzt werden muss. Daher war für uns klar, dass wir mit diesem Material weiterarbeiten wollen und haben uns gedanklich recht früh darauf konzentriert, wie wir ressourcenorientierter produzieren können. Für uns ist die Umstellung damit aber auch noch lange nicht abgeschlossen.

Maison Hēroïne: Wie das Berliner Label auf recyceltes Leder umstellt

Wie verlief der Umstellungsprozess konkret?

Natürlich bietet eine Umstellung in der Produktion auch immer ein Risiko. Deswegen haben wir sehr eng im Austausch mit unserem Lieferanten für recyceltes Leder aus Deutschland sowie unserem Taschenproduzenten aus Italien und Portugal gearbeitet.

Wir haben mit zwei, drei existierenden Styles angefangen und so lange an der Tasche „gefeilt“, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren. Nun stellen wir auch alle anderen Modelle sukzessiv auf das nachhaltige Material um.

War es einfach, passende Lieferanten zu finden? Wie habt ihr sie gefunden?

Wir hatten Glück! Ein Freund, der mit seiner Firma bereits auf das neue Material umgestellt hatte, hat den Kontakt zu unserem jetzigen Produzenten aus Deutschland hergestellt. Das 1990 gegründete Unternehmen ist auf die Veredelung von Spaltleder spezialisiert. Rund zwei Jahre nahm die Entwicklung des Recycling-Leders in Anspruch. Das Resultat ist ein exklusiv für Maison Hēroïne hergestelltes Glattleder sowie ein entsprechendes Grained Leder, für das Helcor den LWG Umweltaudit mit Gold bestand.

Der Produktionsprozess setzt dort an, wo in der Lederindustrie sonst Abfallprodukte entstehen. Helcor gewinnt sein Ausgangsmaterial aus Reststücken der herkömmlichen Lederproduktion in Deutschland. Die Lederverschnitte werden zunächst geschreddert, mit einem natürlichen Kleber zusammengepresst und anschließend weiterverarbeitet und veredelt. Dass das Leder aus Deutschland kommt und somit auch keine weiten Transportwege zurücklegen muss, um in Portugal weiterverarbeitet zu werden, passte natürlich super.

Schränkt die Materialauswahl Euch im Designprozess ein?

Ein neues Material ist immer eine neue Herausforderung, mit der man sich nochmal ganz neu auseinandersetzen muss. Das macht aber auch Spaß. In der ersten Protorunde gab es schon einige Überraschungen, die wir nicht vorhergesehen haben, zum Beispiel dass unsere bisherige Nadelstärke nicht passend für die Weiterverarbeitung war oder wir ein ganz neues Reinforcement brauchten.

Wie reagieren die Kunden auf die Umstellung?

Bisher haben wir durchweg positives Feedback zu unserer Umstellung von unseren Kundinnen erhalten. Einige bemerken in der Haptik und dem Look des Leders tatsächlich keinen Unterschied. Den Ansatz finden aber alle durchweg toll.

Gab es im Prozess Probleme, die ihr nicht hervorgesehen habt?

Eigentlich nicht, wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis der bisherigen Umstellung. Das Leder lässt sich ähnlich verarbeiten, wenn man einige Beschaffenheiten, wie die unterschiedliche Stärke des Materials selbst beachtet. Vorteil bei unserem nachhaltigen Leder sind die seltenen Farbabweichungen, sowohl bei glattem als auch bei genarbtem Leder. Das Leder, das wir gefunden haben, hat prinzipiell die gleichen Eigenschaften wie herkömmliches, nicht-recyceltes Leder. Es ist im Vergleich aber besonders strapazierfähig was die Oberflächenbeschaffenheit betrifft sowie kratzfester und schmutzabweisender als herkömmliches italienisches Leder. Die Umstellung macht die Taschen daher noch haltbarer und das spielt somit auch weiter auf den Nachhaltigkeitsaspekt ein.

Gibt es weitere Nachhaltigkeitsaspekte, die ihr künftig angehen wollt?

Der nächste Schritt geht für uns Richtung recycelte Non-Leather Materialien. Hier testen wir gerade viele unterschiedliche Produzenten. Wir haben bereits einen kostenlosen Reparatur-Service für all unsere Taschen, sodass ein Defekt an der Tasche sie nicht gleich nicht mehr nutzbar macht. Weitere Bereiche, wie zum Beispiel die Verpackung oder auch die Hardware an der Tasche selbst nachhaltig zu machen, steht auch noch weit oben auf unserer To-do-Liste.

Bild: Maison Hēroïne

 

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