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Label to Watch: Dāl the Label

Von Gabriella Onessimo

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Mode

Dana Mortada. Bild: Dāl the Label

Dana Mortada, eine libanesisch-amerikanische Designerin im kalifornischen Los Angeles, ist die treibende Kraft hinter Dāl the Label. Mit ihrer Philosophie der Capsule Wear und der Slow-Batch-Produktion ist Mortadas Luxusmarke für Damenmode darauf ausgerichtet, ihre eigenen ökologischen Werte mit ihrer Leidenschaft für Mode zu verbinden.

Das Label Dāl ist zwar noch nicht einmal ein Jahr alt, hat aber bereits eine eigene Kapselkollektion herausgebracht und seine lokale und Onlinepräsenz aufgebaut. Der charakteristische neutrale, moderne Stil, der die alltägliche Kleidung aufwertet, ist eine der Stärken von Dāl the Label, während die Philosophie der Kreislaufwirtschaft und die Verwendung nachhaltiger Stoffe zwei weitere Grundpfeiler der Marke sind.

Die Ursprünge der Marke

Mortadas Weg zu ihrer Marke wurde bereits durch eine Reihe von Erfolgen in der Branche geebnet. Mortada schaffte es, sich in der Modewelt des Nahen Ostens zu behaupten, wo sie ihre eigene Schuhmarke gründete und bei Marie Claire Arabia arbeitete. Doch immer hatte sie auch die Gründung von Dāl im Kopf.

Bereits während der Pandemie und ihrer Schwangerschaft hatte Mortada die Vision, eine Garderobe zu entwerfen, die zu modernen Frauen passt, die wie sie selbst Mütter, Kreative und karriereorientiert sind. „Ich möchte, dass sich diese Frauen gut fühlen und das Gefühl haben, dass sie in unseren Stücken die Welt erobern können“, so die Designerin.

So sehr Dāl the Label ein von ihrer Ethik inspiriertes Passionsprojekt ist, so sehr ist es auch eine Hommage an ihr Erbe. „Ich liebe meine Kultur und ich liebe den Libanon sehr. Es ist mein Zuhause“, sagt Mortada. Deshalb verschmilzt Dāl the Label die Kultur des Libanons mit der dort immer auch spürbaren Geschichte des französischen Kolonialismus. So entsteht eine ganz eigene Handschrift aus europäischer Schneiderkunst und der Handwerkskunst des Nahen Ostens.

Ästhetisch zeigen sich die unterschiedlichen Einflüsse in den klassischen Silhouetten der Stücke sowie in der stets bedeckenden Passform. Der Schwerpunkt liegt auf Materialität und Textur, so Mortada: „Am Ende des Tages geht es um Komfort, das war das wichtigste Wort auf meinem Moodboard.“

Die Perspektive der Designerin

Von Oversize-Blazern bis hin zu Seidenkleidern bietet die erste Capsule-Kollektion von Dāl the Label Kleidungsstücke, die dazu gedacht sind, immer wieder getragen zu werden, „ohne dass es langweilig wird“, wie die Designerin sagt. Das Konzept eines Kapselmodells in Kleinserie kam Mortada, nachdem sie jahrelang mit Modemarken gearbeitet hatte, die stark auf Fast Fashion setzten. Eine derartige Produktion konnte sie nicht mit ihren persönlichen Vorstellungen von verantwortungsvoller Produktion und einer insgesamt langsameren Herangehensweise an Mode vereinbaren.

Der erste Schritt war die Erforschung der Herstellung in Kalifornien, wo Mortada den „Kaninchenbau der nachhaltigen Stoffe“ entdeckte, sprich vom hundertste ins tausendste kam. Einige der Stoffe, die sie letztendlich wählte, sind lokale Bio-Baumwolle, unbehandeltes Flachsleinen und Tencel, das häufig für Futterstoffe verwendet wird.

Mortada bezieht diese Stoffe von einer Reihe von kleinen Fabriken und Ateliers in Südkalifornien. Ihre Stücke aus Bio-Baumwolle stammen von Baumwolle, die in Los Angeles verarbeitet wird. Mortada ist immer noch auf der Suche nach weiteren in der Stadt produzierten nachhaltigen Stoffen.

Die Idee der Kreislaufwirtschaft manifestiert sich im Ansatz von Dāl the Label nicht nur in der Praxis, sondern auch in der “Erziehung” der Kundschaft. Mortadas Haltung zur persönlichen Perspektive ist ein integraler Bestandteil der Marke . Alles in allem, so Mortada, „wollen wir nicht, dass Sie mehr kaufen, als Sie sollten.“

Verantwortungsvolle Produktion

Mortada arbeitet mit Bekleidungsarbeiter:innen im Downtown Arts District von Los Angeles, einem bekannten Hotspot der Bekleidungsproduktion – und der Ausbeutung der Arbeitenden – zusammen.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des US-Arbeitsministeriums enthüllte, dass viele amerikanische Bekleidungsfachkräfte einen Stundenlohn von nur 1,58 US-Dollar erhalten, wobei Los Angeles als führendes Produktionszentrum der Nation das Epizentrum dieses Phänomens ist.

Mortadas unmittelbare Nähe zu dieser Szene hat sie gelehrt, bei der Suche nach Fabriken, mit denen sie zusammenarbeiten möchte, wachsam zu sein. „So sehr man auch versucht, eigene Nachforschungen anzustellen und mit der Leitung der Fabrik in Kontakt zu treten, es gibt immer etwas, das verheimlicht wird“, sagt Mortada. „Ich bin sehr darauf bedacht, mich mit den Produzent:innen zu treffen, sie zu fragen, mit wem sie arbeiten, und all diese Informationen zu sammeln, und [wenn] man dann herausfindet, dass es ein Problem gibt, von dem man nichts wusste... dann trifft es dich wie ein Schlag ins Gesicht."

 

Da Mortada jeweils nur zehn Stück eines Produkts herstellt, war es anfangs sehr schwierig, die richtigen Fabriken zu finden, mit denen sie zusammenarbeiten konnte, da diese oft eine hohe Produktionsmenge verlangten.

Mortada beabsichtigt außerdem, ein Vorbestellungssystem einzuführen, das den Anforderungen der meisten Fabriken in der Region nicht genügen würde. Die Navigation in diesem prekären Umfeld hat zu Herausforderungen geführt, aber die Designerin hat ihren Weg gefunden. „Zum Glück arbeiten wir mit sehr ausgewählten Ateliers zusammen. Wir arbeiten mit kleinen Produktionsteams und produzieren keine Massenware“, sagt Mortada.

Wachstum und Geschäft

Zunächst arbeitet Mortada mit dem Großhandel und einigen ausgewählten Showrooms zusammen, die ihren Slow-Fashion-Ansatz unterstützen können. „Ich bin nicht verpflichtet, jede Saison 20 oder 60 Stücke zu produzieren“, sagt sie.

Ähnlich den Mindestmengen in den Fabriken verlangen viele Großhändler:innen von einer Marke, dass sie sich zu mindestens fünf Kollektionen pro Jahr verpflichtet. Mortadas Showroom hebt sich von andern ab und erlaubt ihr nicht nur die Arbeit in kleinen Kapseln, sondern auch die Wiederholung von Modellen. Die Designerin bemerkt auch eine Verschiebung, bei der mehr Showrooms Marken wie die ihre akzeptieren; zeitlose Modelle können immer wieder geordert werden, und es muss nicht immer eine komplett neue Kollektion sein.

Ein weiterer Vorteil der Arbeit mit Kapseln? Weniger überschüssige Produktion. „Wenn es ausverkauft ist, können wir auf Vorbestellung produzieren, und das war's. Es ist eine einfache Rechnung.“ Auf diese Weise kann Mortada den Überschuss verwalten und muss sich nicht auf Rabatte verlassen, um die Bestände loszuwerden, was ihrer Meinung nach „das Konzept verwässert“.

„Es ist wirklich teuer, ein Kleidungsstück herzustellen, besonders wenn man eine kleine Marke ist und wenn man aus der Region kommt. Der Preis für die Arbeit mit einer Reihe von natürlichen Stoffen und Fasern sowie die hohen Produktionskosten haben zu einem luxuriösen Preisniveau geführt, zu dem Mortada steht. Das  Preisniveau spiegelt den Ethos von hoher Qualität und hoher Ethik wider und liegt zwischen 175 und 700 US-Dollar liegt

Für Mortada besteht der Schlüssel zum Erfolg darin, eine Zielgruppe zu finden, die versteht, was in den Preis einfließt, und zwar aus einer wertorientierten Sichtweise heraus, und weiterhin die Kosten für umweltfreundliche Entscheidungen transparent zu machen. „Es war schwierig für mich, herauszufinden, ob sich die Leute für die Marke interessieren würden, aber ich war froh, eine Gemeinschaft zu finden, die wirklich schätzt, was wir tun.“

Die Zukunft von Dāl the Label

Auch wenn Dāl nun erfolgreich auf den Markt gebracht ist, arbeitet Mortada noch Dinge von ihrer To-Do-Liste ab. 2023 wird es weitere Mini-Drops über das ganze Jahr verteilt geben, neue Farben, überarbeitete Essentials in neuen Textilien und eine weitere Kapselkollektion für den Herbst.

Dāl the Label ist nach wie vor ausschließlich online tätig, möchte aber seine lokale Präsenz im Einzelhandel ausbauen, indem es mit kleinen, nachhaltig orientierten Boutiquen zusammenarbeitet und Ordern von Fachhändler:innen annimmt. Lokalität bleibt das A und O, denn Mortada ist immer noch auf der Suche nach neuen Stoffquellen in ihrer Umgebung: „Ich möchte den Ort, an dem ich lebe, unterstützen, egal was kommt.“

Um ihre internationalen Wurzeln noch mehr zu würdigen, sucht sie auch nach Möglichkeiten, libanesische Handwerkskunst einzubinden, sei es durch einen individuellen Textildruck, importierte Waren oder eine Zusammenarbeit mit Designer:innen.

Seit ihrem Start hat ihr Umsatzwachstum noch nicht die höchsten Werte erreicht, was Mortada darauf zurückführt, dass sie sich auf die Anerkennung konzentriert. „Wenn man etwas aufbaut, geht es nur um die Bekanntheit der Marke. Es geht nicht nur um Umsatz und Absatz. Das ist der erste Schwerpunkt: die Community.“

Ein starkes Bewusstsein dafür, was ihre Marke richtig macht, kommt ihr ebenfalls zugute. „Wir sind noch kein Jahr auf dem Markt, aber wir wissen, was die Leute wollen: den Blazer, den Anzug, unsere Bio-Baumwollteile und Bodys. Jetzt wissen wir, wo wir hinwollen, und unsere zukünftigen Designs gehen in diese Richtung.“

Im Hinblick auf weitere umweltbewusste Initiativen will Mortada auch eine kleinere Kollektion herauszubringen, bei der überschüssige Stoffe aus früheren Kollektionen verwendet werden. Sie sucht nach neuen Wegen, um ihre Marke für sich selbst und für ihre Kundschaft noch nachhaltiger zu machen. „Es ist eine Lifestyle-Marke. Die Gemeinschaft ist für Dāl sehr wichtig, das ist unsere wichtigste Botschaft. Es geht nicht nur um die Kleidungsstücke, sondern auch darum, Teil von etwas zu sein.“

Bild: Dāl the Label

Dieser Artikel wurde auf FashionUnited.com veröffentlicht. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: Barbara Russ

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