Herrenmode-Trends für Herbst/Winter 2027/28: Volumen, Leichtigkeit und Natur

Der Trendprognostiker Edwin van den Hoek erwartet vier zentrale Strömungen. Dazu gehören neue Proportionen, ein Fokus auf die Natur, innovatives Layering und sich wandelnde Geschlechterrollen.
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Dries Van Noten, Ami Paris, Hermès Herbst/Winter 2026 Bild: ©Launchmetrics/spotlight
Von Wietse van der Veen

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Trendprognostiker Edwin van den Hoek sieht für die Saison Herbst/Winter 2027/28 mehrere Veränderungen in der Herrenmode. Die Silhouetten werden weiter, Materialien neu eingesetzt, und die traditionellen Grenzen zwischen maskulin und feminin verschwimmen. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Natur, Funktionalität und Authentizität. Das erklärt Van den Hoek bei einem Gespräch im Eye Filmmuseum in Amsterdam.

Van den Hoek identifiziert vier Strömungen für die Saison: Elegant, Protected, Secluded und Creative.

„Letztendlich wollen die Kund:innen natürlich wissen, welche Hosen und Jacken in welchen Farben und Materialien kommen. Es ist jedoch wichtig, nicht nur zu erklären, was sich in der Herrenmode ändert, sondern auch, welche gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen diesen Trends zugrunde liegen“, erklärte er.

Van den Hoek sucht bewusst die Extreme innerhalb einer Modesaison. Ihm zufolge zeigen die vier Themen unterschiedliche Richtungen, die nebeneinander bestehen können.

Maximales Volumen, minimales Gewicht

Eine Entwicklung innerhalb des Trendthemas „Protected“ dreht sich um neue Proportionen. Laut Van den Hoek werden insbesondere Jacken, Hosen und Daunenartikel immer größer und voluminöser. Das Auffällige dabei ist, dass die große Silhouette nicht automatisch mehr Gewicht bedeuten muss.

„Es sieht sehr groß aus, ist aber sehr leicht zu tragen“, sagt er. Technische Materialien ermöglichten es, Kleidung schwer oder sogar sperrig erscheinen zu lassen, während das Gewicht in der Praxis gering bleibe. Er fügt hinzu, dass auch Accessoires und Schuhe diese Kombination aus voluminösem Aussehen und geringem Gewicht erhalten. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in der Show von Dior Men für die SaisonHerbst/Winter 2026, in der Jonathan Anderson mit übertriebenen Volumen und technischer Oberbekleidung spielt.

Dior Men Herbst/Winter 2026. Bild: ©Launchmetrics/spotlight

Materialien werden auf neue Weise konstruiert. Durch das Verschmelzen von Stoffen unter Hitzeeinwirkung können beispielsweise gepolsterte oder aufgeblasene Strukturen ohne traditionelle Nähte erzeugt werden. Dadurch bleibt der Stoff wasserdicht und gleichzeitig kann die Form der Oberfläche beeinflusst werden.

Flucht in die Natur

Als Gegenreaktion auf die schnelllebige, digitale Welt wächst innerhalb des von Van den Hoek so genannten Trendthemas „Secluded“ das Bedürfnis nach Ruhe und Abgeschiedenheit. Outdoor-Aktivitäten, Natur und Reisen zu ruhigen Zielen gewinnen ihm zufolge an Bedeutung.

In der Herrenmode spiegelt sich diese Entwicklung in funktioneller Kleidung, technischen Materialien und einer erdigen Farbpalette wider. Braun-, Grün- und Neutraltöne überwiegen, während weiche und flauschige Materialien wie Webpelz und Teddy für Volumen und Haptik sorgen.

Ralph Lauren Herbst/Winter 2026. Bild: ©Launchmetrics/spotlight

Gleichzeitig gewinnen natürliche Farbstoffe zunehmend an Bedeutung. Es werden Versuche mit Tee, Kaffee, Mais und Baumrinde durchgeführt, um neue Farbnuancen zu erzielen. Laut Van den Hoek führen die Grenzen dieser Farbstoffe sogar zu einer Fülle an Farbabstufungen.

Was bei diesem Thema laut Van den Hoek ebenfalls auffällt, ist die Verwendung von Pelz – nicht als Material, sondern als Druck. Ein Foto von Pelz kann beispielsweise auf Nylon oder eine seidenähnliche Qualität gedruckt werden, wodurch mit der Grenze zwischen Realität und Surrealismus gespielt wird. Dies zeigt sich unter anderem in der Herbst/Winter-2026-Kollektion des italienischen Modehauses Mordecai.

Mordecai Herbst/Winter 2026. Bild: ©Launchmetrics/spotlight

Alles über Lagenlooks

Innerhalb des Trendthemas „Creative“ werden traditionelle Stile neu interpretiert. So erhält beispielsweise der Preppy-Stil einen zeitgemäßen Look, indem klassische Teile mit unerwarteten Lagen kombiniert werden. Dieser Fokus auf das Neukombinieren und Schichten von Kleidung zeigt sich auch im Halsbereich.

Van den Hoek sieht dort verschiedene Lagen zusammenkommen: ein Rollkragenpullover, darüber ein Hemd, eine Weste und dann eine Jacke. Das Layering wird so zu einem wichtigen Bestandteil der Silhouette.

Auch Pelz und andere fellige Materialien tauchen häufig am Kragen auf. Van den Hoek sieht dies nicht nur auf dem Laufsteg, sondern auch auf der Straße. Letzteres findet er besonders interessant. „Auf der Straße sieht man, dass die Leute selbst bewusst darüber nachdenken, anstatt dass ein ganzes Styling-Team oder eine kommerziell getriebene Idee hinter einem bestimmten Look steckt.“

Dries Van Noten, Ami Paris, Feng Chen Wang Herbst/Winter 2026 Bild: ©Launchmetrics/spotlight
Feng Chen Wang Herbst/Winter 2026 Bild: ©Launchmetrics/spotlight

Neben traditionellen Anwendungen wie für Jacken oder Taschen übernimmt Leder in der Herbst/Winter 2027/28-Saison eine differenziertere Rolle. Wir sehen Leder beispielsweise als Material für ein Hemd, einen Kragen oder eine aufgesetzte Tasche. Auf diese Weise wird das Material zu einem Detail eines ansonsten klassischen Kleidungsstücks.

Traditionelle Geschlechtergrenzen verschwimmen

Designer:innen experimentieren in der Herrenmode zunehmend mit Formen und Materialien, die bisher als feminin galten. Dazu gehören Röcke, sehr weite Shorts, die fast wie ein Rock aussehen, Schürzen sowie fließende und transparente Materialien.

Laut Van den Hoek geht es bei dieser Entwicklung nicht um eine Veränderung, der Marken unbedingt folgen müssen. Vielmehr geht es darum, die Möglichkeiten innerhalb der Herrenmode-Kollektionen zu erweitern. So wird die traditionelle Trennung zwischen Herren- und Damenmode weniger strikt, wodurch auch Artikel wie Röcke Teil des Angebots für Männer werden können.

Van den Hoek sieht diese Entwicklung besonders bei asiatischen Marken aus Ländern wie Japan, China, Korea und Taiwan. Seiner Meinung nach sind sie weniger an traditionelle westliche Muster gebunden und experimentieren daher mehr mit den Grenzen zwischen maskulin und feminin. Diese Spannung zeigt sich beispielsweise in der Herbst/Winter-2026-Kollektion „Black Hole“ von Comme des Garçons Homme Plus.

Comme Des Garçons Homme Plus Herbst/Winter 2026 Bild: ©Launchmetrics/spotlight
Dries Van Noten Herbst/Winter 2026 Bild: ©Launchmetrics/spotlight

Van den Hoek erwartet aber keinen massiven Wandel hin zu Röcken. „Ich glaube nicht, dass man plötzlich alle Männer in Röcken sieht. Ich glaube aber, dass eine Veränderung stattfindet“, so der Trendprognostiker.

Die Farbpalette für Herbst/Winter 2027/28: Das sind die Trendfarben für Van den Hoek

Trotz der unterschiedlichen Richtungen bleibt die Farbpalette für die gesamte Saison Herbst/Winter 2027/28 laut Van den Hoek relativ ruhig. Verschiedene Grautöne bilden eine wichtige Grundlage, nicht nur bei der Kleidung, sondern auch in der Ladeneinrichtung. Als Beispiel nennt er einen Pilot-Store von Stone Island in Mailand, bei dem sowohl im Interieur als auch bei der Kleidung verschiedene Grautöne verwendet wurden.

Im Gegensatz dazu stehen warme Neutraltöne wie Sand, Beige, Braun und Cognac. Diese werden durch tiefere Rottöne und verschiedene Grüntöne von Army bis hin zu leuchtendem Grün ergänzt. Gerade in diesen ruhigen Farbpaletten gibt es Raum für Kontraste. Die warme, gedämpfte Basis wird mit einer einzigen kräftigen Farbe kombiniert, wie zum Beispiel einem fast fluoreszierenden Grün, leuchtendem Blau oder einem säureartigen Gelbton.

Dolce & Gabbana, Louis Vuitton, Feng Chen Wang Herbst/Winter 2026 Bild: ©Launchmetrics/spotlight

Zudem gilt Pink in der Herrenmode laut Van den Hoek immer weniger als Tabu.

Camperlab Herbst/Winter 2027/28 Bild: ©Launchmetrics/spotlight

Für die Saison Herbst/Winter 2027/28 erwartet Van den Hoek daher keine komplett neue Herrenmode, sondern vielmehr eine Neuinterpretation bestehender Codes. Die klassische Maskulinität wird weicher und die Volumen werden größer, aber leichter. Technische Funktionalität erhält eine modischere Interpretation.

Pelz, Leder und andere opulente Materialien werden auf neue Weise eingesetzt. Gleichzeitig sorgt eine auffällige Kontrastfarbe dafür, dass die gedämpfte Farbpalette nicht völlig neutral wird.

Edwin van den Hoek
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