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„Global Warning“: Das Design-Duo Botter warnt vor Klimanotstand

Von Julia Garel

19. Okt. 2021

Mode

Botter - F/S 22 (via FHCM)

Die kreativen Köpfe hinter dem Label Botter, Lisi Herrebrugh und Rushemy Botter, haben eine steile Karriere hingelegt. Relativ schnell nach ihrem Abschluss wurden sie mit der kreativen Leitung des Modehauses Nina Ricci betraut. Mit diesem Status geht eine große Medienaufmerksamkeit einher, die sie nutzen, um die Modewelt mit dem Klimawandel zu konfrontieren. „Global Warning“ hieß ihre Frühjahr/Sommer-Kollektion 22 für Botter und sie bildete keine Ausnahme von ihrem Engagement.

Im Rahmen des offiziellen Pariser Modewochen-Kalenders zeigte Botter die Unisex-Linie am 28. September. Das zugehörige Video beinhaltete eine bedrohliche Unterwasser-Atmosphäre und einen Countdown, der die Botschaft klar machte: Die globale Erwärmung beschleunigt sich, die Zeit zu handeln, läuft ab.

Schutz der Ozeane

Das Kreativduo hat für seine F/S 22-Kollektion mit der Nichtregierungsorganisation Parley for the Oceans zusammengearbeitet, die sich auf die Verwendung recycelter Materialien spezialisiert hat. Die Organisation setzt sich für den Schutz der Ozeane und der Meeresfauna ein. So konnte Botter eine Sommerkollektion anbieten, die laut WWD zu 60 Prozent aus recycelten Plastikstoffen aus dem Meer besteht.

Die beiden Kreativen aus den Niederlanden erzählen seit ihrem Debüt auf dem Festival von Hyères, bei dem sie 2018 den Großen Preis der Jury der Première Vision gewonnen haben, eine Geschichte rund um die Welt des Meeres. Aber für Lisi Herrebrugh und Rushemy Botter ist das Meer nicht nur eine Inspiration, sondern etwas, das es zu schützen gilt.

Botter - F/S 22 (via FHCM)

„Kleidung zu machen ist nicht mehr genug“, erklärte Rushemy Botter im vergangenen September in einem Interview mit der Zeitschrift Vogue. So war es nur logisch, dass die Marke die Präsentation ihrer F/S 22-Kollektion mit einer starken Botschaft verband, die auf die Klimabedrohungen und -katastrophen aufmerksam machen sollte, die das Gleichgewicht des Ozeans verändern oder zerstören.

Das Ergebnis ist ein Video mit einer düsteren und beängstigenden Inszenierung: Schiffssirenen, das Rauschen von Wellen und Seewind, ein dynamischer Rhythmus. Obwohl es in einer schlichten Betonumgebung gedreht wurde, versetzt das Video das Publikum ans Meer. Doch hier ist es weit entfernt vom paradiesischen Strand der Chanel-Modenschau für Frühjahr/Sommer 2019. Die bläuliche Atmosphäre simuliert eine gröbere, wenn auch nur angedeutete Realität, nämlich die der bedrohten Ozeane. Die Models tragen Tauchermasken, recycelte Regenschirm-Hüte (entworfen von der Firma Piganiol), gehen in schnellem Tempo und schlagen auf den Kamerabildschirm ein, als wollten sie die ökologisch-aktivistische Seele der Zusehenden auf eine konfrontative Art und Weise aufwecken.

Die Silhouetten bleiben dem Botter-Stil treu: übergroße Poloshirts, Maßgeschneidertes und Fischernetz-Tops. Die Palette besteht aus Blau und Beige, die mit Gelb und Orangerot kontrastiert werden. Es gibt auch Bezüge zum Tauchen, wie kompakte Materialien, von Bojen inspirierte Taschen und Tauchausrüstung. Außerdem wurden Halsketten aus Angelhaken hergestellt, die mit der japanischen Firma Dowluck entworfen wurden.

Botter - PE22 (via FHCM)

Mit ihrer Entscheidung für die Botschaft der Dringlichkeit des Klimawandels reihen Lisi Herrebrugh und Rushemy Botter ihre Präsentation in die Liste der Schauen ein, die die Modewelt mit dem Thema konfrontiert haben. Dazu gehören Marine Serres Öko-Aktivismus Kollektion aus dem Jahr 2019 oder Francesco Rissos Frühjahr/Sommer 2020 Kollektion für Marni.

Botter - F/S 22 (via FHCM)

Nach einem im August von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) veröffentlichten Bericht hat sich die Zahl der wetter-, klima- und wasserbedingten Katastrophen in den letzten 50 Jahren infolge des Klimawandels – der hauptsächlich durch menschliche Aktivitäten verursacht wird – verfünffacht. Die Modeindustrie ist sich zunehmend ihrer negativen Einwirkung auf die Umwelt bewusst und ergreift daher Maßnahmen, um die von ihrer Branche verursachten Schäden zu verringern. Ob dies schnell genug und in erforderlichem Maße geschieht, bleibt fraglich.

Die Luxus-Konfektionsmarke Botter wurde 2017 gegründet. Die Kollektionen werden sowohl über den eigenen Onlineshop als auch über internationale Einzelhändler wie Dover Street Market, Ssense, KM20, Boon the Shop, Printemps, Nordstrom und Galeries Lafayette vertrieben.

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.fr veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ.