Glamourati, Kidult, Scandi-Cool: Die vielen Gesichter des Maximalismus

Kund:innen sind der ästhetischen Uniformität und visuellen Standardisierung durch Künstliche Intelligenz (KI) überdrüssig. Daher steht der Modemarkt an einem Wendepunkt: der Rückkehr des Maximalismus.
Mode
Streetstyle am Rande der Copenhagen Fashion Week, Sommer 2026. Credits: ©Launchmetrics/spotlight
Von Julia Garel

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Dieses Mal wird der Maximalismus bleiben. Weit entfernt von einer flüchtigen Extravaganz, ist die Stilrichtung auf dem besten Weg, ein Kerntrend zu werden. Sein Ausdruck ist facettenreich und sein Zweck wurzelt in unserem tiefen Bedürfnis nach persönlichem Ausdruck.

„Maximalismus bedeutet für mich nicht nur, mehr hinzuzufügen, sondern mehr zu enthüllen. Es ist die Kunst der Avantgarde und des Exzesses, aber eine Form des Exzesses, die die eigene Authentizität zum Ausdruck bringt. (...)", so Designer Harris Reed in einer Kolumne für die die US-amerikanische Zeitung New York Times in 2025. „Durch Farbe, Textur, Glanz und imposante Silhouetten trägt er direkt zur Persönlichkeitsbildung bei.“

Mit anderen Worten: Sartorialer Maximalismus ist durchdacht. Er beschränkt sich nicht auf die eklektischen Drucke und lauten Farben, die bei der Eingabe von „Modemaximalismus“ in die Google-Bildersuche erscheinen. Maximalismus kann nicht als eine einzige Ästhetik betrachtet werden. Er ist pluralistischer denn je.

Maximalismus und Quiet Luxury

Entgegen der Behauptung vieler Presseartikel ist Maximalismus nicht zwangsläufig das Gegenteil des Quiet-Luxury-Trends. Wie die Trendagentur WGSN betont, koexistierten Minimalismus und Maximalismus während der Pariser Schauen für Herbst/Winter 26/27 hervorragend.

Von links nach rechts: Celine, Saint Laurent, Lemaire. Credits: ©Launchmetrics/spotlight

In einem Interview mit FashionUnited erklärte die Trendforscherin Christine Boland: „Ich denke, Quiet Luxury ist eine grundlegende Bewegung, die bleiben wird. Es ist ein langfristiger Trend.“ Ihrer Meinung nach wird diese Bewegung immer noch von der Mode beeinflusst. Führende Quiet-Luxury-Marken spielen mit „einem anderen Futter, Paspeln oder sogar einer bestimmten Farbe“.

Einer seiner derzeit besten Vertreter ist Michael Rider beim französischen Modelabel Celine. Der künstlerische Leiter veranschaulicht diese Spannung perfekt durch seine bourgeoisen Silhouetten. Zwischen die geraden Linien täuschend klassischer Stücke fügt er die Exzentrik wirkungsvoller Details ein.

Kidult-Welle

Dieser Trend, eine Zusammenziehung der englischen Wörter kid und adult, wurde von FashionUnited bereits für die Resort 27-Kollektionen erwähnt. Er zielt auf eine Zielgruppe ab, die mit der Y2K-Ästhetik aufgewachsen ist. Angetrieben von einer tröstlichen Nostalgie, begeistern sich diese Verbraucher:innen für verspielte grafische Strickwaren. Diese sind mit skurrilen Gesichtern und herrlich regressiven Tiermotiven verziert.

Von links nach rechts: Streetstyle, Chanel. Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Die Wiederentdeckung des Maximalismus wird seit mehreren Jahren diskutiert. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend im Labubu-Hype: Das kleine Plüschtier ziert seit 2024 weltweit Designertaschen. Während die Begeisterung für Labubu inzwischen abklingt, hält die Anziehungskraft regressiver Accessoires mit Chiikawa an. Dieses Franchise zeigt ultra-kawaii, leicht ängstliche und melancholische kleine Charaktere – ebenso wie Monchhichi, das in Frankreich in den 80er-Jahren auch unter dem Namen Kiki bekannt war.

Einer seiner besten Vertreter: Heaven by Marc Jacobs, die Zweitlinie von Marc Jacobs.

Glamourati und ‘Boom Boom’-Ästhetik

Diese Bewegung, vom US-amerikanischen Trendforecaster Sean Monahan, der hinter der Normcore-Theorie steht, als „Boom Boom“ bezeichnet, ist die Antithese zum Quiet Luxury und zelebriert hemmungslose Ausgelassenheit. Hier feiert die Ästhetik unverfrorenen Bling, spektakuläre Volumen und eine laute Haltung, die das Licht einfängt. Eine Mode, die dafür gemacht ist, gesehen zu werden.

Einer seiner besten Beispiele: Der Stil des Designers Alessandro Michele kommt der Glamourati- und „Boom Boom“-Ästhetik am nächsten. Die theatralische und opulente Garderobe des italienischen Designers erlangte während seiner Zeit bei Gucci erstmals Bekanntheit. Seit seiner Ernennung zum künstlerischen Leiter von Valentino erlebt sie nun ein starkes Comeback.

Von links nach rechts: Gucci, Streetstyle-Bild, Ganni. Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Cluttercore

Als direkter Erbe des in den frühen 2010er Jahren populär gewordenen bohemian Maximalismus erhebt Cluttercore das „glückliche Durcheinander“ zum ultimativen Beweis für Authentizität. Er kommt besonders im Lifestyle-Bereich zum Ausdruck, findet aber auch in der Mode Anwendung. Dies zeigt sich in Silhouetten, bei denen eine Vielzahl unterschiedlicher Teile übereinandergelegt wird. Diese bestehen aus Vintage-Stücken, lokalem Handwerk und technischer Kleidung.

Cluttercore-Streetstyle. Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Wichtige Vertreter:innen dieses Stils sind etwa die britische Marke Chopova Lowena und die US-amerikanischen Labels Psychic Outlaw und Bode.

Exzentrik der Copenhagen Fashion Week

Popularisiert von Redakteur:innen und Influencer:innen auf der Copenhagen Fashion Week, äußert er sich in leuchtenden Farben und einem Aufeinandertreffen verspielter Drucke wie Blumen neben Leopardenmuster. Auch das Layering ist ebenso kühn wie funktional. Dies ist ein „Scandi-Cool“-Maximalismus, der auf eine optimistische Energie ausgerichtet ist.

Streetstyle am Rande der Copenhagen Fashion Week, Sommer 2026. Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Seine prominentesten Vertreterinnen die Influencerin Pernille Rosenkilde und die Stylistin, Vintage-Verkäuferin und Model Julie Blichfeld.

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